Lichtenberger, Johannes

Pseudonyme: Claromontanus, Peregrinus Ruth (* zwischen 1440 u. 1450 Grünbach bei Baumholder, Pfalz; † 1503 Brambach), eigentl. Johannes Grümbach vom Liechtenberg, dt. Astrologe, Hofastrologe Kaiser Friedrichs III.
Sein Hauptwerk ist die auf den 1. April 1488 datierte und zunächst anonym gedruckte Prognosticatio (astrologische Vorhersage der drei Stände bis zum Jahr 1576 in lateinischer Sprache) auf 40 Folio-Seiten, die bis 1813 über 50 Auflagen erlebte und stark von einer durch die Türkenfurcht geschürten Endkaisererwartung geprägt war. Als Vorlage diente der um 1472 erstmals erschienene Tractatus de Cometis des Arztes und Astrologen Eberhard Schleusinger.
Während L. in den 1470er Jahren an Fürstenhöfen wirkte und der Hofastrologe Kaiser Friedrichs III. (1415-1493) war, zog er sich später in seine Heimatregion zurück, wo er noch vor 1481 die Pfarrstelle in Brambach (Niederbrombach) übertragen erhielt. Sein Grab soll sich in Otterstadt bei Speyer befinden.
Da L. für die Zeit nach 1485 das Auftreten mehrerer falscher Propheten sowie eines „kleinen Propheten“ vorausgesagt hatte, der eine Reform der Kirche einleiten werde, war sein Werk in der Reformationszeit Gegenstand kontroverser Deutungen. Anhänger Martin Luthers sahen den angekündigten „kleinen Propheten“ in ihrem Vorbild.

W.: Prognosticatio in latino. Heidelberg: Heinrich Knoblochtzer, 1488.
Lit.: Kurze, Dietrich: Johannes Lichtenberger: Leben und Werk eines spätmittelalterlichen Propheten und Astrologen, in: Archiv für Kulturgeschichte, Bd. 38, 1956, S. 328-343; ders.: Johannes Lichtenberger († I503). Eine Studie zur Geschichte der Prophetie und Astrologie (= Historische Studien 379). Lübeck-Hamburg, 1960; Von Stuckrad, Kocku: Geschichte der Astrologie. München: C.H. Beck, 2003.
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