Liber Prodigiorum

Wunderzeichenbuch, dessen besonderer Wert gegenüber den Wunderzeichenberichten durch seinen Chronikcharakter gegeben ist. Es will nicht über ein singuläres Ereignis berichten, sondern anhand von chronologischen Wunderzeichenlisten über viele Jahre hinweg aufzeigen, dass es sich bei derlei Ereignissen nicht um Ausnahme- oder Zufallserscheinungen handelt, sondern dass sich dahinter eine Gesetzmäßigkeit verbirgt.
Conrad Lycosthenes, Caspar Goltwurm und Job Fincel waren die Ersten und möglicherweise auch die Wichtigsten, die solche Prodigienchroniken verfassten. Spätere Bücher dieser Art hatten zunehmend den Charakter von Abhandlungen, während der Chronikcharakter immer mehr in den Hintergrund rückte.
Die Gattung des Wunderzeichenbuches im engeren Sinn konnte sich also nicht lange halten, war aber dennoch bezeichnend für die Mitte des 16. Jahrhunderts und wegweisend für die folgenden Jahrzehnte. Die Bücher sammelten sämtliche Wunderzeichenberichte, über die vereinzelt in Flugblättern oder Flugschriften, allgemeinen Chroniken oder sonstigen Medien berichtet wurde. Sie bieten damit einen einzigartigen Überblick über die beobachteten Wunderzeichen und belegen so deren im 16. Jh. und auch schon vorher äußerst häufiges und in fast „gesetzmäßiger“ Reihenfolge auftretendes Vorkommen.

Lit.: Hammerl, Michaela: Wunderzeichenbücher: die Prodigienchroniken des 16. Jahrhunderts. Grenzgebiete der Wissenschaft 57 (2008) 1, 37-51.
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