Levitation

L. bedeutet, „sich aus eigener Kraft vom Boden emporheben, sich der Gravitationskraft entziehen“. Viele Mystiker und Heilige erlebten L.en, vornehmlich in einem Zustand der Ekstase.
Erste diesbezügliche Fälle traten im 13. Jh. auf. Bekannt sind z.B. die Levitationen des hl. Franz von Assisi auf dem Berg La Verna, wo ihn sein Freund, Frater Leone, im Gebet versunken, vorfand seine Füße berührten nicht den Boden und sein Haupt streifte die Blätter der dort wachsenden Buchen.
Frühe Erfahrungen mit L. machte die hl. Katharina von Siena. Kaum sechs Jahre alt, bewegte sie sich wie schwerelos am Gewölbe der Grotte, in der sie allein betete. Später erzählte sie, dass sie den Eindruck gehabt habe, sich in einer anderen Dimension zu befinden.
Von häufigen L.en während ihrer Ekstasen berichtet auch die hl. Teresa von Ávila. So schreibt sie in ihrer Autobiografie, dass ihr Körper so leicht wurde, dass ihre Füße nicht mehr den Boden berührten. Einmal levitierte sie gemeinsam mit dem hl. Johannes vom Kreuz. Die beiden mystisch Veranlagten sprachen gerade über das Geheimnis der Trinität, als sie von ihren eigenen Worten berauscht der Erde entrückten, Johannes samt dem Stuhl, auf dem er saß.
König Ferdinand I. war Zeuge der L.en des hl. Franz von Paola, der gerade bei ihm zu Gast war. Seine geheimen Beobachtungen machte er, wenn dieser in der Nacht betete. Ähnlich geschah es mit dem hl. Ignatius von Loyola. Er lebte bei seiner Familie, die ihn während des Gebets oft in L. erlebte. Auch vom hl. Alphonsus von Liguori werden mehre Levitationen berichtet.
Am berühmtesten ist jedoch das Beispiel des hl. Joseph von Copertino (1603-1663), eines einfachen Mönches aus Süditalien, der auch viele Visionen mit Prophezeiungen hatte. Seine spektakulären und gut dokumentierten L.en machten ihn zum Schutzheiligen der Piloten. Der Heilige in Ekstase levitierte in der Kirche, wo er vom Eingang aus zum Altar emporschwebte und dabei zuweilen noch jemanden mitnahm. Selbst Papst Urban II. und Herzog Friedrich von Brunswick waren einmal Zeuge seiner L.en. Ein besonders gut dokumentiertes Ereignis dieser Art dauerte eine Viertelstunde, währenddessen der Heilige unter Beisein zweier Ärzte zur Ader gelassen wurde.
In ihren L.en symbolisieren die Mystiker ihren Wunsch, sich von der Erde zu lösen, um Gott zu begegnen. Neben ihrer klaren Symbolik sind sie die beste Demonstration der übernatürlichen Kraft, die hier am Werk ist.

Lit.: Resch, Andreas: Paranormologie und Religion (Imago Mundi; 15). Innsbruck: Resch, 1997.
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