Lévi, Éliphas

Pseud. für Alphonse Louis Constant (* 08.02.1810 Paris; † 31.05.1875 ebd.), französischer Diakon, Schriftsteller, Okkultist, gilt als Wegbereiter des modernen Okkultismus.
Nach der Armenschule besuchte L. ab 1830 das Priesterseminar Saint Sulpice. 1835 zum Diakon geweiht, musste er das Seminar jedoch noch vor seiner Priesterweihe aufgrund einer Liebesaffäre verlassen. Er verkehrte fortan in sozialistisch-romantischen Kreisen, propagierte den Sozialismus als das „wahre Christentum“ und warf den etablierten Kirchen vor, die Lehre Christi korrumpiert zu haben. In seinem Testament de la liberté von 1848 reagierte L. auf die Atmosphäre, die zum Ausbruch der Februarrevolution führen sollte. Der Aufstand vom Juni 1849 und das Scheitern der Zweiten Republik desillusionierten ihn wie viele andere Sozialisten, weil die Hoffnung auf eine friedvolle Verwirklichung einer universellen Harmonie nachhaltig erschüttert wurde. Im Gegensatz dazu verwies man darauf, dass L. seinen „Okkultismus“ nicht nur auf Grundlage seiner sozialistischen und neo-katholischen Ideen entwickelt, sondern bis zu seinem Lebensende die Verwirklichung des „wahren Sozialismus“ propagiert habe.
L. wirkte auch an dem von seinem alten Freund Jean Charles Fauvety begründeten sozialistischen Projekt der Revue philosophique et religieuse mit. Im Gegensatz dazu stand er dem Spiritismus sehr ablehnend gegenüber, was die Basis für eine andauernde Rivalität zwischen Spiritisten und Okkultisten legte. Der Hauptgrund dafür war der neo-katholische Hintergrund und das dezidiert katholische Selbstverständnis von L. So setzte er explizit den („wahren“) Katholizismus dem Okkultismus gleich. Mit dem Aufgreifen der neo-katholischen These von einer „Uroffenbarung“ behauptete er, dass die Kabbala und das Tarot zur Entschlüsselung der einzig wahren und universellen Religion führen könnten, die der Katholizismus ist.
Nach der Lockerung von Restriktionen gegen sozialistische Ideen im August 1859 begann L. wieder, eine offen sozialistische Sprache zu verwenden. So zitierte er in der Clef sogar ausgiebig seine berüchtigte Bible de la liberté, auf die er selbst noch affirmativ in seiner letzten Schrift von 1875, Le Catéchisme de la paix, verwies. Ab den 1860er Jahren baute er seine Idee einer Elite von Eingeweihten oder „Weisen“ weiter aus, die das Volk zur finalen Emanzipation leiten würden. An mehreren Stellen identifizierte er dabei explizit Sozialismus, Katholizismus und Okkultismus.
Darüber hinaus spielte auch die Freimaurerei eine wichtige Rolle. 1861 wurde L. Mitglied der französischen Loge La Rose du Parfait Silence, trat aber wegen Kritik an einem seiner Vorträge, den er als Redner der Loge gehalten hatte, bald wieder aus.
L. starb am 31. Mai 1875 im Alter von 65 Jahren in Paris. Aleister Crowley, der im Todesjahr L.s geboren wurde, sah sich als dessen Wiedergeburt.

Lit.: La Science des esprits. Révélation du dogme secret des Kabbalistes. Esprit occulte des Évangiles. Appréciation des doctrines et des phénomènes spirites (= Philosophie occulte, 2e Série). Paris: Baillière, 1865 (Nachdr. Éditions de la Maisnie, Paris 1976).
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