Lemp, Rebecca

(* Um 1550 Nördlingen; † 09.09.1590 ebd.), eine 1590 der Hexerei angeklagte Mutter von sechs Kindern, verheiratet mit dem Zahlmeister Peter Lemp aus Nördlingen in Schwaben/Deutschland. Der erhaltene Briefwechsel ist ein erschütterndes Zeugnis für den Hexenwahn des späten 16. Jh. L. wurde trotz der Bittschrift ihres Mannes und der Kinder gefoltert. Am 29. Juli wurde sie erstmals „peinlich befragt“ mit Daumenschrauben und „Spanischen Stiefeln“. Am nächsten Nachmittag wurde bei ihr die Foltermethode des „Leer Aufziehens“ angewandt. Dazu wurden die Hände hinter dem Rücken zusammengebunden und der Körper ohne weitere Gewichte (leer) daran hochgezogen. Unter diesen Schmerzen gestand sie die Vorwürfe von Teufelsbuhlschaft und Teufelspakt. In weiteren Verhören wurde sie dazu gebracht, auch Hexenflug undSchadenzauberei zuzugeben. Sie gestand alles, was man von ihr hören wollte, war dabei aber so schwach, dass sie kaum sprechen konnte und in ihr Gefängnis getragen werden musste.
Um den 10. August gelang es ihrem Mann, zu ihr zu gelangen. Danach widerrief sie alles und erhob schwerste Anklagen gegen den Rat der Stadt. Nach neuen Folterungen nahm sie ihren Widerruf jedoch zurück und gestand, auch tote Kinder gegessen zu haben.
Am 2. September 1590 wurde Rebekkas Todesurteil verkündet und darauffolgenden 9. September wurde sie auf dem Henkelberg öffentlich verbrannt. Im gleichen Jahr kamen in Nördlingen wegen ähnlicher Anklagen 32 angesehene Bürger ums Leben.

Lit.: Lienert, Eva Maria/Lienert, Wilhelm: Die geschändete Ehre der Rebekka L. oder: ein ganz normaler Hexenprozeß, in: Praxis Geschichte (1991) 4, 32-37.
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