(* 31.01.1952 Milwaukee, Wisconsin, USA), blinder inselbegabter Musiker und Komponist.
L. kam als Frühchen zur Welt und litt von Beginn an an zerebraler Lähmung und grünem Star, woraufhin ihm die Augen entfernt wurden. Aufgrund seines Gesundheitszustandes gab ihn die leibliche Mutter zur Adoption frei.
Die Krankenschwester May Lemke nahm den Jungen auf Anfrage der Bezirksverwaltung zu sich. Sie brachte dem gebrechlichen Jungen das Essen bei und forcierte die Lautentwicklung, sodass er sich mitteilen konnte. Dann lehrte sie ihn zu stehen, was er mit 12 Jahren schaffte. Richtig laufen konnte er erst mit 15 Jahren.
Hingegen war L. von klein auf von Musik und Rhythmus fasziniert und hatte ein hervorragendes Gedächtnis. Beim Spielen einfacher Töne am Klavier legte May L. die Hand auf ihn und sang dabei. Er wiederholte Worte, Gesänge, ganze Gespräche, die er bei Besuchen mitbekam, und sang oft die Lieder, die May sang oder die er im Radio hörte.
Als L. etwa 14 Jahre alt war, vemahm May eines Nachts Musik und dachte, das Fernsehgerät sei noch eingeschaltet, musste zu ihrer Überraschung jedoch feststellen, dass L. einwandfrei Tschaikowskys Klavierkonzert Nr. 1 spielte, das er am Abend zuvor im Fernsehen gehört hatte. Dabei hatte er bis dahin nie Klavierunterricht erhalten. Zur Förderung seiner außerordentlichen musikalischen Begabung vermittelte May dem Jungen daraufhin Auftritte bei öffentlichen Konzerten, in Kirchen und Schulen. Die Zuhörer waren mehr als erstaunt über das, was sie hörten und sahen: einen blinden jungen Mann, geistig behindert, mit Kinderlähmung geschlagen, einen Mann, der niemals Musikunterricht erhalten hatte und anscheinend in der Lage war, ein unbegrenztes Repertoire an Musikstücken, die er irgendwann einmal gehört hatte, auf dem Klavier wiederzugeben.
Ein lokaler Fernsehsender legte dem Mediziner und Experten für Inselbegabungen Dr. Darold Treffert im Auftrag der lokalen Gesundheitsbehörde Aufnahmen von Leslies Klavierdarbietungen zur Begutachtung vor. Im Blick auf die Lebensgeschichte und die gegebene Situation von L. bezeichnete Treffert dessen Fähigkeiten als Savant-Syndrom, als Inselbegabung bei einer ansonsten geistig sehr beinträchtigten Person.
Neben seiner Fähigkeit, etwa 1000 Musikstücke aus dem Gedächtnis nachzuspielen, verfasste L. dann auch selbst Kompositionen, gab Konzerte in den USA und wurde 1984 nach Norwegen und Japan eingeladen. Im gleichen Jahr verschlechterte sich der Gesundheitszustand von May Lemke, weshalb ihre Tochter Mary die Obsorge von Leslie übernahm. Nach dem Tod ihres Ehemannes Joe 1987 übersiedelte auch May zu ihrer Tochter nach Arpin, Wisconsin, um bei Leslie zu sein. Sie starb am 6. November 1993.
Man befürchtete, dass Leslie nach Mays Tod mit seiner Musik aufhören würde, doch dem war nicht so. Die Musik ist sein Leben, mit der er sich ausdrückt. Dabei spielt er nicht nur Gehörtes nach, sondern improvisiert auch, komponiert neue Lieder mit eigenen Worten und nach seinen Gefühlen. Am 15. April 2011 gab er ein Konzert an der Marian University in Fond du Lac, wo er, wie erwähnt, bereits 1980 gespielt hatte und durch einen Auftritt mit Walter Cronkite in den Abendnachrichten von CBS landesweit bekannt wurde. Zahlreiche Fernsehauftritte folgten, darunter Thatʼs Incredible, 60 Minutes, Donahue, Oprah. Dustin Hoffmann z.B. war von Leslies Auftritt in 60 Minutes so beeindruckt, dass er die Rolle des Savant im Film Rain Man übernahm.
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