Leib-Seele-Beziehung

Dem griechischen Denken war von den mythischen Ursprüngen her, philosophisch besonders im Platonismus ein Dualismus von Geist und Materie eigen, was zu einer Dualität im Wesen des Menschen führte: Geistige Seele und stofflicher Leib sind einander entgegengesetzte Realitäten.
Aristoteles hat den Dualismus Platons im Prinzip überwunden, nämlich durch die Lehre von der anima forma corporis (Seele als Form des Körpers). Der Körper ist überhaupt nur lebendiger menschlicher Leib, wenn er von der geistigen Seele geformt, belebt und beseelt ist.
Dem christlichen Denken war immer schon klar, dass auch die Materie wie alles andere von Gott geschaffen ist: „Er sah, dass es gut war“ (Gen 1). Es war dann aber erst Thomas von Aquin in der Hochscholastik, der die aristotelische Lehre von der anima forma corporis aufnahm und daher für die substantielle Einheit von Geist und Leib des Menschen eintrat. Diese Lehre, die grundsätzlich und folgerichtig einen Dualismus überwindet, gehört daher sicher zum gültigen Grundbestand des christlichen Menschenbildes.

Lit.: Resch, Andreas: Die Welt der Weltbilder (Imago Mundi; 14). Innsbruck: Resch, 1994.
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