Lehninsche Weissagung

Auch Vaticinium Lehninense, lateinisches Gedicht in 100 leoninischen Hexametern, das die künftigen Schicksale des Klosters Lehnin, der Mark Brandenburg und ihrer Herrscher kraft göttlicher Eingebung vorherzusagen behauptet. Die ab 1700 in Berlin bekannt gewordenen Abschriften bezeichnen es in einem lateinischen Proömium als Weissagung eines Zisterziensers namens Hermann, der um 1300 im Kloster Lehnin gelebt haben soll, niedergeschrieben in einem Handschriftenband des Klosters. Diese angebliche Urschrift wurde nie gefunden. Inhalt und sprachliche Eigenheiten des Textes lassen vielmehr auf ein Werk aus dem letzten Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts schließen, dessen Urschrift ebenfalls nicht mehr vorhanden ist. Bezüglich der Identität des Verfassers gibt es nur Vermutungen.
Trotz der schon bald erkannten Fiktionalität der antiprotestantischen und hohenzollernfeindlichen Dichtung wurde die L. W. weit über Preußen hinaus bekannt, und die Publikationen aus drei Jahrhunderten, die sie deuten und widerlegen, füllen Regale.
Vorausgesagt wird offenbar das Ende der Hohenzollernherrschaft mit dem elften protestantischen Herrscher der Dynastie (Vers 49; Vers 93) und die Rückkehr Brandenburgs und ganz Deutschlands zur römisch-katholischen Kirche unter einem katholischen König, der zugleich Herrscher der Mark Brandenburg und Wiederhersteller Lehnins und Chorins sein werde (Verse 95-100).

Lit.: Kampers, Franz: Die Lehnische Weissagung über das Haus Hohenzollern: Geschichte, Charakter und Quellen der Fälschung. Münster i.W.: Regensberg, 1897.
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