Leber

(Altgr. hepar, lat. iecur), zentrales Stoffwechselorgan und die größte Drüse des Körpers bei Wirbeltieren. Sie gilt daher bei verschiedenen Völkern als Sitz der Lebenskraft, der Seele, des Zorns und der Liebe. Von daher stammen auch die Redensarten „frisch von der Leber“ oder „eine Laus ist ihm über die Leber gelaufen“.
Bei den Chinesen galt die L. als Sitz des Mutes, weshalb in alter Zeit die L. eines hingerichteten Verbrechers häufig gegessen wurde, um sich seinen Mut einzuverleiben. Im Märchen soll das Verspeisen der Leber durch die böse Stiefmutter nicht nur eine Gewähr für den Tod Schneewittchens sein, sondern auch der Übertragung von dessen Lebenskraft und Schönheit dienen. Im makro-mikrokosmischen Bezugssystem wird der L. ein ganz bestimmter Platz zugewiesen. So wurde sie bei den alten Ägyptern dem Süden zugeordnet und in der ptolemäischen Astrologie mit dem Planeten Venus in Zusammenhang gebracht.
Als Sitz des Lebens wurde die L. als in besonderer Weise mit den Göttern verbunden betrachtet und diente so bei Babyloniern, Hethitern, Etruskern und Römern der Weissagung.

Lit.: Lurker, Manfred: Wörterbuch der Symbolik. Stuttgart: Kröner, 1991.
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