(*19.10.1917 Tours; † 10.09.2017 Evry/Frankreich), Prof. Dr. Dr., Theologe und Mariologe.
Nach Abschluss der Grundschule besuchte L. die Mittelschule Sainte-Marie Cholet und trat 1934 in das Karmelitenseminar der Katholischen Universität von Paris ein. 1938 erhielt er an der Sorbonne das Lizenziat in Philosophie mit einer Arbeit zu Thomas von Aquin sowie ein Lizenziat in Sprachphilosophie. Anschließend begann L. mit dem Studium der Theologie, das er wegen der Einberufung zum Militärdienst unterbrechen musste. Im Zweiten Weltkrieg diente er als Offizier im französischen Heer. 1940 geriet er in Gefangenschaft, die fünf Jahre dauern sollte, darunter eine Zeitlang auf der Festung von Königstein. In dieser Zeit belegte L. Kurse in Hebräisch und Mariologie an der Lageruniversität seines Offizierslagers.
Nach dem Krieg setze L. seine Studien fort, absolvierte die Prüfungen und empfing am 8. Dezember 1946 (Fest der Unbefleckten Empfängnis) die Priesterweihe. 1952 promovierte er an der Sorbonne mit der Arbeit Maria ‒ Kirche ‒ Priesterhıın. Versuch über die Entwicklung einer religiösen Idee zum Dr. der Sprachwissenschaften. Mit dem zweiten Teil dieser Arbeit erlangte er 1953 am Katholischen Institut von Paris das Doktorat der Theologie.
1955 wurde L. zum Mitarbeiter der Académie pontificale mariale internationale und zum Professor für Theologie an der Katholischen Universität von Anger berufen. Im gleichen Jahr ernannte man ihn im Zuge der Verhandlungen des Zweiten Vatikanischen Konzils zum Experten, nachdem er schon seit 1960 als Konsultor an den vorbereitenden Arbeiten mitgewirkt hatte. Von L.wurden u.a. Teile der dogmatischen Aussagen des Konzils zu Maria entworfen. Ferner wirkte er als Korrespondent der Zeitung „Le Figaro“, veröffentlichte zahlreiche Artikel und Kommentare über das II. Vaticanum sowie die Wahl Papst Pauls VI. und machte das Konzil zum Gegenstand eigener wissenschaftlicher Forschungen. Zudem untersuchte L. zahlreiche Marienerscheinungen. 1981 beauftragte ihn die Heiligsprechungskongregation mit dem Studium der Schriften von Yvonne Aímée de Malestroit (Yvonne Beauvais, 1901-1951). Er publizierte acht Bände über diese Mystikerin, deren Seligsprechungsverfahren eingestellt wurde.
L. lehrte an den Universitäten von Florenz und Mailand sowie als Gastprofessor an weiteren europäischen und nordamerikanischen Universitäten. Von 1970 bis 2000 hielt er Vorlesungen bei Marianischen Sommerkursen und an dem 1975 gegründeten International Marian Research Institute an der Universität Dayton, Ohio. Ferner war er von 1962-1997 Vizepräsident der Société française dʼétudes mariales.
Aufgrund seiner großen Kenntnisse der Mariologie wurde L. zu den Marienerscheinungen in Lourdes, Fatima, Pontmain, Medjugoıje und an anderen Orten auf der ganzen Welt konsultiert. Dabei ging er bei seinen zahlreichen Arbeiten über Marienerscheinungen von einem theologischen und weniger von einem religionswissenschaftlichen und psychologischen Ansatz aus.
L. war Mitglied der Päpstlichen Internationalen Theologenkommíssion und der französischen Redaktion der internationalen theologischen Zeitschrift Conciliıım. Zudem wurde er mehrfach von den Päpsten in Audienz empfangen und um Rat gefragt.
L. verfasste über 100 Bücher ‒ darunter ein siebenbändiges Werk über Bernadette Soubirous ‒ und an die 1000 Artikel, die teils in mehrere Sprachen übersetzt wurden. Neben Marienerscheinungen befasste sich L. bevorzugt mit Visionären und Mystikern. Darüber hinaus setzte er sich für die Anerkennung der Echtheit der Erscheinungen von Vassula Ryden, Scottsdale/Arizona, und von San Nicolás de los Arroyos in Argentinien ein. Sein letztes Buch, Le dictionnaire des personnages de lʼEvangíle selon Maria Valtorta, erschien 2012.
L. lebte zuletzt im Konvent „La Solitude“ der kontemplativen Schwestern der Kongregation Notre Dame de Sion in Évry.
Neben all den persönlichen Erfolgen und den vielen Ehrungen musste L. vor allem wegen seines Einsatzes für Marienerscheinungen und Mystiker viele Anfeindungen und Ablehnungen, nicht zuletzt auch von kirchlicher Seite, erleben, was er jedoch gottergeben ertrug. An seinen Überzeugungen hielt er entschieden fest, weshalb L. als Pionier der Grenzgebiete im religiösen Raum bezeichnet werden darf.
Lit.: Resch, Andreas: René Laurentin. Grenzgebiete der Wissenschaft 66 (2017) 4, 359-360.