Laren

(Lat. lares), männliche, zeugungsfähige römische Geister, die man in Häusern, an Wegen und Wegkreuzungen verehrte. Sie galten als Schutzgeister und Besitzer von Orten, etwa von Dörfern, Stadtvierteln, Straßen, Häusern, Dächern und Haustüren. Im Unterschied zu den Penaten, die an eine ganz bestimmte Örtlichkeit gebunden waren, hatten die L. als Schutzgottheiten mehr allgemeinen Charakter. Man setzte sie auch den vergöttlichten Seelen Verstorbener gleich (Ahnenkult), doch im Unterschied zu den bösartigen Larvae und den neutralen Manen galten die L. als gute Totengeister. Die friedlichen L. wurden bei Tageslicht verehrt, nichts Unheimliches haftete ihnen an. Viel diskutiert wurde die Frage nach ihrem Ursprung, ob sie zuerst als Herd- oder als Feldgottheiten verehrt wurden. Dabei hat sich die Ansicht F.W. Ottos, dass die L. als Gottheiten der Wege ursprünglich dämonische Unterwelts- und Erdgottheiten waren, nicht durchgesetzt (DKP). Nach Servius (Aen. 6,152) liegt der Ursprung der Verehrung der L. in den urzeitlichen Hausbestattungen (DNP). König Servius Tullius soll der Überlieferung nach von einem Lar des Herdes gezeugt worden sein. Als Mutter der zwei L., den lares praestites, gilt die Nymphe Lara.
Das öffentliche Fest der L. waren die Anfang Januar, d.h. nach Ende der Feldarbeit, drei Tage lang gefeierten Compitalia. In den Dörfern hieß das entsprechende Fest Paganalia. Beide Feste wurden von Servius Tullius eigeführt. Im privaten Bereich fand die kultische Verehrung der L. bei entscheidenden Ereignissen wie Geburt und Tod sowie bei den Initiationsriten statt. Das römische Haus hatte einen L.-Alter, der sich im Atrium oder Tablinum befand, doch wurde auch der Herd in den L.-Kult einbezogen, da sich die L. ursprünglich auf dem Herd aufhielten, wo sich die Familie zum gemeinsamen Mahl einzufinden pflegte. Auf dem Herd oder in den Lararien opferte man ihnen Kuchen, Kränze, Weihrauch, Dinkel, Honigwaben, Weintrauben, Wein, Früchte, aber z.B. nach jeder Geburt auch junge Tiere, wie etwa Ferkel und Lämmer. Die freigelassenen Sklaven weihten den L. ihre Kette.
Die weiblichen Gefährtinnen der L. sind die Virae.

Lit.: DKP = Der Kleine Pauly. Lexikon der Antike. Auf der Grundlage von Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft. Hg. Von Konrad Ziegler u. Walther Sontheimer, 5 Bde. Stuttgart: Alfred Druckenmüller 1964-1975; DNP = Der Neue Pauly. Enzyklopädie der Antike. Hg. v. Hubert Cancik u. Helmuth Schneider, Bd. 1ff. Stuttgart/ Weimar: J.B. Metzler 1996ff; Paulys Real-Encyclopädie. Hg. v. G. Wissowa u.a. Stuttgart, 1894ff.

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