Kulturheroen

Übermenschliche oder halbgöttliche Wesen, auch Kulturbringer, Heilbringer oder Transformer genannt, denen häufig kulturelle Eigenschaften, bestimmte Einrichtungen sowie die Besiegung von Ungeheuern und Dämonen zugeschrieben werden. Sie können als einzelne Gestalt, als Zwillingsbrüderpaar oder als Gruppe auftreten. Oft zeigt der Heros ein sehr zwiespältiges Wesen, indem er sich ‒ neben seiner positiven Seite ‒ auch als Trickster gibt.
Eine große Rolle spielen K. vielfach als mythische Vorfahren, in Australien z.B. als Landschaftsgestalter, als Hervorbringer von Tieren und Pflanzen oder als Begründer von menschlichen Einrichtungen.
K. finden sich z.B. in nahezu allen Mythologien des südamerikanischen Kontinents. Den dort ansässigen Völkern brachten sie die Zivilisation in Gestalt von Landbautechniken oder der Fähigkeit, monumentale Bauten zu errichten. Von ihnen stammten die Künste, ebenso aber die moralischen Grundsätze, nach denen die dortigen Völker lebten. Bezeichnend für diese Heroen ist, dass sie am Ende die Menschheit wieder verlassen. Sie wandern über das Meer davon, steigen in den Himmel auf oder verschmelzen mit historischen Gestalten.

Lit.: Nölle, Wilfried: Völkerkundliches Lexikon. München: Goldmann, 1959; Jones, David M./Molyneaux, Brian L.: Mythologie der Neuen Welt. Reichelsheim: Edition XXL, 2002.
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