Kuhn, Thomas Samuel

(* 18.07.1922 Cincinnati, Ohio; † 17.06.1996 Cambridge, Massachusetts), US-amerikanischer Physiker, Wissenschaftsphilosoph und Wissenschaftshistoriker, der durch seine bahnbrechenden Arbeiten über wissenschaftliche Revolutionen zu einem Vordenker der New Age-Bewegung wurde.
K. gehört zu den bedeutendsten Wissenschaftstheoretikern des 20. Jahrhunderts. In seinem Hauptwerk The Structure of Scientific Revolutions beschreibt er die Wissenschaft als eine Folge von Phasen der Normalwissenschaft, unterbrochen von wissenschaftlichen Revolutionen. Ein zentrales Konzept ist hierbei das Paradigma, ein Schema zur Erklärung der Wirklichkeit. Ein Paradigmenwechsel bedeute eine wissenschaftliche Revolution.
1940 begann K. an der Harvard-Universität, Physik zu studieren. Während dieses Studiums belegte er mehrere Philosophie- und Literaturkurse und schrieb außerdem für die von Studenten herausgegebene Zeitung Harvard Crimson.
Nach seinem Bachelor 1943 war K. als Theoretiker an Radar-Gegenmaßnahmen im Zweiten Weltkrieg beteiligt. Im Herbst 1944 kehrte er nach Harvard zurück und setzte sein Studium fort, machte seinen Master und wurde 1949 bei dem späteren Nobelpreisträger John H. van Vleck in theoretischer Festkörperphysik promoviert.
1956 nahm K. eine Stelle als Assistenzprofessor für Wissenschaftstheorie und Wissenschaftsgeschichte in Berkeley an, einige Jahre später wurde er zum ordentlichen Professor für Wissenschaftsgeschichte ernannt. In Berkeley verfasste er u.a. sein Hauptwerk The Structure of Scientific Revolutions (Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen).
Für seine Theorie übernahm er aus der Linguistik den Ausdruck Paradigma. Nahezu alles, worüber in der Wissenschaft Konsens besteht, ist paradigmatisch. Gemäß dieser Begriffsausweitung können u.a. auch ganze Theorien paradigmatisch sein. Da es Erscheinungen gibt, die sich in ein Paradigma nicht einordnen lassen, kommt es bei einer Häufung solcher unerklärbarer Erscheinungen in der Wissenschaft zu einer Krise, die nur durch eine neue Idee beendet werden kann, woraufhin ein neues Paradigma entsteht.

W. (Auswahl): Die Entstehung des Neuen: Studien zur Struktur der Wissenschaftsgeschichte. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1978.
Lit.: Hoyningen-Huene, Paul: Die Wissenschaftstheorie Thomas S. Kuhns: Rekonstruktion und Grundlagenprobleme. Braunschweig: Vieweg, 1989.
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