Kuhlmann, Quirinus

Auch Culmannus, Kühlmann, Kuhlman (* 25.02.1651 Breslau; † 04.10.1689 Moskau), deutscher Schriftsteller.
In seiner Vaterstadt Breslau besuchte K. das Maria-Magdalenen-Gymnasium. Als kränklicher Junge, der zudem Probleme beim Sprechen hatte, verbrachte K. viel Zeit in der Stadtbibliothek und verfasste schon als Schüler seine ersten Werke. Dabei erkrankte er schwer. In diese Zeit fallen auch seine ersten Visionen. Fünf Jahre lang glaubte er, zwei Engel an seiner Seite zu haben.
Aufgrund der Sonettensammlung wurde K. 1672 zum kaiserlichen Poeta laureatus erhoben und fand einen adeligen Gönner. Von 1670 bis 1673 studierte er Rechtswissenschaften in Jena. Mit weiteren Gedichtbänden gelangte er zu Dichterruhm. In der Jenaer Zeit begann er auch sein Hauptwerk, den Kühlpsalter, in dem sich autobiografisch seine chiliastischen Hoffnungen widerspiegeln.
Ab 1673 lebte K. in Leiden, wo sich seine Ansichten radikal wandelten. Unter dem Einfluss von Jakob Böhme verfasste er die Schrift Neubegeisterter Böhme (1674), sagte bald dem Luthertum den Kampf an und wurde wegen seiner öffentlichen Auftritte aus Leiden ausgewiesen. Mit der Abwendung vom Luthertum entwickelte er seine Lehre der „Kühlmonarchie“, worin er sich selbst in der Funktion eines neuen Gottessohnes sah (Gott als „Kühlemann“ gegen die Höllenhitze des Teufels). Sein Ziel war die Vereinigung der verschiedenen Religionen und damit die Schaffung eines geistlichen Reiches.
Nach London zurückgekehrt, heiratete K. 1682 die Ärztin (?) Mary Gould, die jedoch schon nach vierjähriger Ehe starb. Inzwischen verlor K. aufgrund seiner zunehmenden Selbstvergötterung immer mehr den Rückhalt unter seinen Anhängern. 1687 heiratete er nach dem obligaten Trauerjahr Esther Michaelis und hatte mit ihr eine Tochter, die aber schon im Kindesalter starb.
1689 versuchte K. noch einmal, seine Ideen zu verbreiten und machte sich auf, die Kirche des zaristischen Russland zu missionieren, was zur Folge hatte, dass er wegen Aufruhr verhaftet und auf grässliche Weise – man brannte ihm glühende Kreuze in den Rücken – gefoltert wurde. Auf Befehl des Patriarchen Joachim wurde K. am 4. Oktober 1689 in Moskau öffentlich als Ketzer lebendig verbrannt.

W. (Auswahl): Ausgewählte Dichtungen. Potsdam: Hadern, 1923; Kühlpsalter, hrsg. v. Robert L. Beare. Tübingen: Niemeyer, 1971.
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