Kryptobiose

Wenn man die Empfindlichkeit der sehr schnell getrübten Augen kennt und weiß, dass sie Ausstülpungen des Gehirns sind, dann wird bei diesen völlig außergewöhnlichen Fällen die Annahme möglich, dass die normalerweise gegen Sauerstoffmangel so wenig widerstandsfähigen Gehirngewebe diesen außergewöhnlichen Zustand von Kryptobiose vor dem organischen Absterben konservieren konnten.
Dabei ist vor allem der thanatologische Transit oder Trepas sehr wenig bekannt, denn diese Zustände der Kryptobiose, die in der Natur bei Sporen, Samenkörnern, Eiern oder Zysten sehr verbreitet sind und ihre erstaunlichen Geheimnisse bei den Rädertieren, Fadenwürmern und Fäulnisbakterien preiszugeben beginnen, sind beim Menschen so unwahrscheinlich und außergewöhnlich, dass man sie in der Tat verkennt oder ganz einfach ihre Existenz verneint ‒ sosehr, dass die Tatsache, dass das menschliche Gehirn in einer Anoxibiose, d.h. ohne Sauerstoff, durch einen Übergang zu einem Stoffwechsel fermentativer Art leben kann, niemandem in den Sinn käme. Niemand versteht, dass Nervenzellen ebenso um ihr Überleben kämpfen könnten, wie es gewisse Fadenwürmer tun.

Lit.: Resch, Andreas: Bewusstsein, Heilung dund Mystik nach Hubert Larcher (Reihe R; 15). Innsbruck: Resch, 2019.
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