Kreuz

Als Abbild des aufgerichteten Menschen mit ausgebreiteten Armen eines der ältesten und am weitesten verbreiteten Symbole. Die beiden geradlinigen (auch gewellten) Balken, die sich meist im rechten Winkel, aber wie z.B. beim Andreaskreuz, auch schräg kreuzen, verbinden jeweils zwei Endpunkte und stehen somit in Verbindung mit der Zahlensymbolik der Vier: Das K. symbolisiert damit die Gegensätze und die Einheit der vier Himmelsrichtungen und bildet daher häufig das Achsenkreuz des Quadrats als Symbol der Erde.
In China ergab sich durch Einbeziehung des Mittelpunkts eine Verbindung des K.es mir der Zahlensymbolik der Fünf.
Außer den Erd- und Himmelsrichtungen verbindet das K. auch gegensätzliche Bereiche wie Himmel und Erde, Raum und Zeit oder im Sinne von Yin und Yang das aktive, männliche Prinzip (senkrechte Achse) mit dem passiven, weiblichen Prinzip (waagrechte Achse) sowie die Elemente Feuer und Wasser. Neben dem Quadrat kann ein Kreis das K. umfassen, das die vier Speichen eines Rades bildet. Dadurch wurde es zum Symbol der Sonne. Viele weitere Abwandlungen unterscheiden sich durch die Form der vier Eckpunkte: Beim Ankerkreuz können sie jeweils zwei Widerhaken bilden, beim Kleeblattkreuz jeweils ein dreiblättriges Kleeblatt als Symbol der Dreifaltigkeit, beim K. der Johanniter und Malteser jeweils einen sog. „Schwalbenschwanz“, sodass sich die Zahlensymbolik von 8 Spitzen ergibt, usw.
Die Ausrichtung nach den vier Himmelsrichtungen (griechisches K.; Rad-K.) symbolisiert die Welt (Erde und Himmel) in den Kulturen Mesopotamiens, Nord- und Mittelamerikas und im antiken Rom; als Symbol der Sonne kennen es Assyrer, Gallier und Nordgermanen. In Indien symbolisiert das Rad-K. den Kreislauf allen Lebens (Samsāra).
Die Deutung des Kreuzes als Kampfzeichen und Siegessymbol (z.B. in den Kreuzzügen des Mittelalters) hatte ihren spätantiken Ausgangspunkt im Jahr 312 vor der Schlacht an der Milvischen Brücke, als Konstantin die Feldzeichen seiner Soldaten mit K.en ausstatten ließ (Labarum), weil ihm dieses Zeichen, verbunden mit den Worten „In hoc signo vinces“ (In diesem Zeichen wirst du siegen) am Himmel erschienen war.
Eines der vielen Beispiele für die
nationale Bedeutung von Kreuzen ist das englische Georgskreuz, das sich zusammen mit dem Andreaskreuz der Schotten und dem Patrickskreuz der Iren in der Flagge Großbritanniens wiederfindet. Weitere europäische Nationalflaggen mit Kreuz sind jene der skandinavischen Länder und der Schweiz.
Biblisch-theologisch gesehen ist das K. Hinrichtungsinstrument und zugleich Hoffnungs- und Heilsträger. „Denn das Wort vom Kreuz ist denen, die verlorengehen, Torheit; uns aber, die gerettet werden, ist es Gottes Kraft“ (1 Kor 1,18).
Das auf den Kopf gestellte Passionskreuz ist ein Attribut des Apostels Petrus, der sich kopfüber kreuzigen ließ, um sich nicht den Rang von Christus anzumaßen. Losgelöst von der christlichen Überlieferung bedeutet ein umgekehrtes Kreuz aber die Umkehrung christlicher Werte und taucht z.B. im Umfeld des Satanismus auf.

Lit.: Lexikon für Theologie und Kirche (LThK), Bd. 6. Freiburg i.Br.: Herder, 1997; Wetzel, Christoph: Das große L.exikon der Symbole. Darmstadt: Primus, 2008.
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