Kreis

Sinnbild des In-sich-Geschlossenen, Vollkommenen und Ewigen. Kreisrunde Wohnanlagen und Sakralbauten galten als Abbild bzw. Sinnbild des Kosmos. Der antike Clipeus (Rundschild) mit dem Bild des Himmels- oder Sonnengottes, später auch des vergöttlichten Kaisers, hatte ursprünglich die Bedeutung der Himmelsscheibe. So ist auch ein altchinesisches Himmelssymbol eine Scheibe mit einem Loch, das der kosmischen Mitte entspricht. In der Kuppel wird der K. zur Halbkugel und ist symbolische Anspielung auf das Himmelsgewölbe (caelum pendens sub caelo).
Rad und kreisrunde Scheibe gehören seit jeher zu den wichtigsten Darstellungen der Sonne. Radkreuz und K. auf bronzezeitlichen Felsbildern verweisen auf diese Symbolik. Bekannt ist auch die geflügelte Sonnenscheibe Altägyptens.
Die Kombination von K. und Quadrat als symbolischer Ausdruck für die Ganzheit des Alls bildet die Grundstruktur der Mandala genannten Meditationsfiguren. Konzentrierte K.e stehen im Zen-Buddhismus für die höchste Stufe der Erleuchtung. Drei ineinander verschlungene K.e symbolisieren im Christentum die Dreieinigkeit.
Der K. ist auch ein Symbol der Zeit, was z.B. in der altmexikanischen Kalenderscheibe, aber auch im Zifferblatt der Uhr zum Ausdruck kommt. Ohne Anfangs- und Endpunkt wird der K. zum Symbol der Ewigkeit.
In der Magie hat der K. die Funktion eines Apotropaion. Von daher lässt sich die schützende Funktion von kreisförmigem Amulett, Gürtel und Ring verstehen. In einen K. werden nicht zuletzt die Geister gebannt (Goethes Faust).

Lit.: Lurker, Manfred: Der Kreis als Symbol im Denken, Glauben und künstlerischen Gestalten. Stuttgart: Wunderlich, 1981; ders.: Wörterbuch der Symbolik. Stuttgart: Kröner, 1991.
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