Krafft, Karl Ernst

(* 10.05.1900 Basel; † 08.01.1945 KZ Buchenwald bei Weimar), Schweizer Astrologe, Statistiker, Wirtschaftsberater.
Nach der Matura am Humanistischen Gymnasium Basel studierte K. von 1919 bis 1924 in Basel, Genf und London Mathematik, Physik, Chemie und Statistik. Als K.s Schwester Anneliese starb, wandte sich die Familie dem Okkultismus zu und veranstaltete Séancen. Von 1926 bis 1936 arbeitete K. als Wirtschaftsberater unter Verwendung der Astrologie, ab 1929 auch der Graphologie. Aufgrund einer allgemeinen Begeisterung für ein „Großdeutschland“ zog er 1937 mit seiner Frau nach Urberg in den Südschwarzwald, einen Ort, den ihm der Psychologe Hans Bender empfohlen hatte, nachdem er für K. im Juli 1937 einen Vortrag in Bonn organisiert hatte.
In Berlin ließ man K. Horoskope von Personen und Ereignissen berechnen und die Prophezeiungen von Nostradamus deuten, um sie für die Psychologische Kriegsführung zu verwenden. Am 12. Juni 1941, rund einen Monat, nachdem Rudolf Heß nach England geflogen war, wurde K. im Rahmen der „Aktion Heß“ (gegen Geheimlehren und sog. Geheimwissenschaften) wie zahlreiche andere Astrologen verhaftet. Nach einem Nervenzusammenbruch im Gefängnis war K. ab Herbst 1942 arbeitsunfähig und erkrankte im Frühjahr 1943 an Typhus. Er hatte sich noch nicht von seiner Erkrankung erholt, als er nach Oranienburg in das KZ Sachsenhausen eingeliefert wurde. Am 27. November 1944 überstellte man ihn in das KZ Buchenwald, wo er am 8. Januar 1945 starb.

Lit.: Howe, Elain: Uranias Kinder: die seltsame Welt der Astrologen und das Dritte Reich. Königstein im Taunus: Verlag Beltz Athenäum, 1995.
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