Korope

Das Orakelheiligtum von K. in Thessalien, Griechenland, lag etwas außerhalb der städtischen Siedlung. Am Tag der Orakelbefragung ‒ der Termin ist nicht überliefert ‒ musste sich eine Reihe städtischer Beamter auf den Weg zum Heiligtum machen: der von der Stadt gewählte Apollonpriester, Vertreter von der Behörde der Strategoi (Feldherren) und der Nomophylakes (Gesetzeswächter), ein Prytane (Ratsherr), ein Schatzmeister, der Schreiber des Gottes und der Prophet.
Aus dieser Regelung geht hervor, dass eine erhebliche Zahl von Leuten das Orakel befragen wollte. Wie bei anderen Orakelstätten auch stand am Anfang dass Opfer, das günstig ausfallen musste, damit eine Befragung des Orakels erfolgen konnte. Fiel das Opfer ungünstig aus, d.h., die Innereien des Opfertieres entsprachen nicht, wurde das Opfer wiederholt.
Wenngleich auf die Modalitäten der Befragung des Apollonorakels von K. in einer dortigen Inschrift aus der Zeit um 100 v. Chr. ausführlich eingegangen wird, gibt es keinen Hinweis darauf, wie das Orakel selbst funktionierte. Es ist lediglich anzunehmen, dass die Amtsträger mit den Anfragen in das Allerheiligste des Tempels gingen und die Antworten von dort mitbrachten ‒ was ein Indiz dafür ist, dass bei griechischen Orakeln kaum Raum für Mystik blieb.

Lit.: Rosenberger, Veit: Griechische Orakel: eine Kulturgeschichte. Darmstadt: Wiss. Buchges., 2001.
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