Korndämonen

Auch Feldgeister, Getreidedämonen, Getreidenumen, gehören zu jenen mythischen Wesen, deren Existenz von älteren Quellen nicht bezeugt wird, wir kennen sie nur aus dem Volksglauben der Gegenwart. Das Wort „Dämon“ steht dabei nicht zwangsläufig für ein bösartiges Wesen, sondern allgemein für eine im Volksglauben als übernatürlich geltende Wesenheit oder Erscheinung. Daher ist die treffendere Bezeichnung „Numen“ als personifizierte übernatürliche bzw. göttliche Macht.
Auf allen Getreidefeldern, selbst auf Wiesen, lebt dem Volksglauben nach ein Vegetationsdämon, der oft nach der Art des Getreides benannt ist (Weizen-, Roggen-, Hafer-, Gerste-, Flachs-, Gras-, Kartoffeldämonen). Im Allgemeinen ist es das Numen, das sich auf dem Getreidefeld aufhält und das Wachstum des Getreides fördert oder hemmt. Manchmal zeigt sich der K. auch als Herr des Getreides und verlangt als solcher seinen Anteil an der Feldfrucht. Beim Schnitt des Feldes flieht er von einer Garbe in die andere, bis er in der letzten gefangen genommen wird.
Die Gestalt, in der man sich dieses Wesen vorstellt, ist sehr vielfältig, dementsprechend sind es auch die Namen dafür. Bald erscheint es als Tier, bald in rein menschlicher Gestalt, bald als Mensch, der sich in die verschiedensten Arten von Tieren verwandeln kann.

Lit.: Mannhardt, Wilhelm: Die Korndämonen: Beitrag zur germanischen Sittenkunde. Berlin: F. Dümmler (Harrwitz und Gossman), 1868.
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