Kopfjagd

Als K. bezeichnet man die Tötung eines Menschen, um dessen Schädel als Siegestrophäe zu erbeuten. Dies konnte im Rahmen eines individualisierten Kriegszuges oder als individuelle Unternehmung erfolgen ‒ mit sehr unterschiedlichen Motiven: Rache, Prestigestreben, Voraussetzung für eine Initiation. Am wichtigsten war aber meist, die im Kopf vermutete konzentrierte magische Kraft der getöteten Person für das eigene Dorf oder den eigenen Haushalt nutzbar zu machen (Schädelkult). In vielen Fällen spielte die Identität (auch Alter und Geschlecht) des Opfers keine Rolle. Bei einigen Gruppen wurden die Schädel viele Jahre aufbewahrt und regelmäßig beopfert, um das ihnen innewohnende Kraftpotential zu aktivieren.
Heute gibt es nur noch sehr wenige Naturvölker, die K. betreiben, vor allem in Südostasien, Melanesien und im nordwestlichen Tiefland Südamerikas, und nur in wenigen Fällen ist damit Kannibalismus verbunden.

Lit.: Wörterbuch der Völkerkunde. Berlin: Reimer, 1999.
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