Konvulsionäre von Saint-Médard

(Les Convulsionnaires), fromme Bewegung in Frankreich, deren Name sich davon ableitet, dass die Anhänger bei Zusammenkünften auf dem Friedhof der Kirche Saint-Médard in Paris zwischen 1727 und 1732 regelmäßig in Zuckungen verfielen. Dabei soll es auch zu wundersamen Heilungen gekommen sein. Ab 1730 fanden diese Versammlungen am Grab des Jansenisten-Diakons François de Paris (1690-1727) statt, mit spektakulären Heilungen, die von ekstatischen Zuckungen (Konvulsionen) begleitet waren. De Paris hatte sich durch Frömmigkeit und Selbstkasteiung schon zu Lebzeiten den Ruf eines Heiligen erworben. Nach Schließung des Friedhofs 1732 organisierten sich die K. in geheimen Zirkeln, die teilweise bis in das 19. Jh. existierten. Im Zentrum stand je ein Konvulsionär, der als Sprachrohr Gottes sog. prophetische Reden hielt und als Symbol der notleidenden Kirche und des unrettbar sündigen Menschen von Assistenten zugefügte Schmerzen ertrug. Naherwartung, Auserwähltenglaube und ein Symbolsystem waren kennzeichnend für die Gruppe. Wunder galten im Jansenismus als göttlicher Beweis für dessen „Wahrheit“.

Lit.: Maire, Catherine-Laurence: Les convulsionnaires de Saint-Médard: miracles, convulsions et propheties à Paris au XVIIIe siècle. Paris: Gallimard, 1985.
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