Konfuzianismus

Im 19 Jh. geprägter Sammelbegriff für philosophisch-ethische Lehren, die sich in unterschiedlicher Weise auf Konfuzius, den ersten chinesischen Philosophen († 479 v. Chr.), berufen. Auf ihn geht ein Teil der Schrift „Lunyu“ (= ausgewählte Gespräche) zurück, erhalten in einer Fassung aus dem 3./2. Jh. v. Chr. Konfuzius soll die rituelle Praxis der traditionellen Religion (Ahnenverehrung), ergänzt durch Musik, empfohlen haben, wollte selber aber gültige ethische Werte ergründen, wie Treue, Gegenseitigkeit, Offenheit für alle Menschen, Ehrfurcht der Kinder vor den Eltern, angemessenes Handeln. Schon bald nach ihm entstanden mehrere ihn interpretierende Schulen, die ethisch rigorose Forderungen stellten. Im 2. Jh. v. Chr. erlangte der K. den Rang einer in einem „Kanon“ (auch mit Überlieferungen aus der Zeit vor Konfuzius) zusammengefassten Staatslehre des chinesischen Kaiserreichs. Das staatliche Ritual umfasste ein Opferwesen, bei dem der Kaiser Himmel und Erde als die höchsten Götter verehrte, während die Beamten anderen Göttern zu opfern hatten. Seit dem 8. Jh. n. Chr. sind mehrere Reformbestrebungen zum K. zu konstatieren, wobei im 11. Jh. Einflüsse von Buddhismus und Taoismus geltend wurden. Das Staatskultwesen brach 1911 zusammen. Konfuzianische Tugenden wirken vielfach im privaten Leben weiter, doch kann der K. trotz Verbindung mit den alten Ritualen nicht als Religion angesehen werden.

Lit.: Vorgrimler, Herbert: Neues Theologisches Wörterbuch. Freiburg i.Br.: Herder, 2000.
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