Köhler, Gustav

(* 19.12.1905 München; † 25.09.1980 ebd.), Philosoph und Mitarbeiter der Zeitschrift Grenzgebiete der Wissenschaft (GW), Mitglied von Imago Mundi.
K. wandte sich 1923 zunächst dem Musikstudium zu und beschäftigte sich nebenbei in besonderer Weise mit philosophischen und kulturhistorischen Studien, was ihn schließlich 1938, angewidert vom Verfall des Musiklebens der damaligen Zeit, zum Studium der Philosophie an der Universität München bewog, nachdem er schon 1936 seine erste Publikation, Le Probleme de la Substance dans la Philosophie dʼAristote, erschienen war. Von einer kritisch-philosophischen Dichtung, „Zarathustras letzte Vision“, erschien in Frankreich ein Auszug, ebenfalls in französischer Sprache. K. fand in Frankreich auch als Dramatiker Beachtung, besonders mit seinem Burgunderdrama „König Gundobad“, das die Kritik den Werken Schillers an die Seite stellte, in Deutschland jedoch ignoriert wurde. Weitere Bühnenwerke sind: „Cesare Borgia“, Geschichtsdrama; „Jeshua“, Szenen aus dem Neuen Testament; „Richard Wagner in München“, Komödie (gesellschaftskritisch). Während des Zweiten Weltkriegs erhielt K. wiederholte Einberufungen und schließlich Schreibverbot wegen seiner Kritik an der NS-Parteiführung. 1953 erfolgte die Promotion zum Dr. phil.
Bei den großen internationalen Philosophiekongressen, die alle fünf Jahre unter dem Protektorat der Unesco stattfanden, trat K. mit folgenden Vorträgen und Veröffentlichungen hervor: „Die Grenzen der Philosophie“ (Venedig, 1958); „Menschliche Vorstellungen und metaphysische Wirklichkeit“ (Mexico City, 1963); „Das Grundproblem der Ethik“ (Cordoba, 1965). In seinem künstlerischen Schaffen wandte er sich später wieder dem Musikdrama zu, mit dem Ziel einer Reform der Oper. Zu seinem diesbezüglichen Schaffen zählen: „Der Zauberflöte zweiter Teil“, nach einem Fragment Goethes (1961/62); „Savonarola“ (unvollendet). K. war Komponist und Textdichter zugleich.
Außerdem ist Köhler durch folgende Publikationen bekannt: „Philosophische Folgerungen parapsychologischer Forschungen“ (Verborgene Welt (1958) 4); „Wissenschaftliche Deutungsversuche der Erscheinungen Lebender und Toter“ (Verborgene Welt (1959) 4/5). Mit Josef Kral, dem Herausgeber der Zeitschrift Verborgene Welt, verband K. eine langjährige Freundschaft.
In seinen letzten Jahren setzte sich K. insbesondere mit der Frage der Unsterblichkeit auseinander: Alles entstandene Leben habe einen ihm innewohnenden Trieb zum Ewigen, zur Weitergabe (oder Weiterentwicklung) der ihm anlagegemäß verliehenen Lebensimpulse. Grundtendenz dieser Anlagen und Impulse sei der Wunsch nach einer Verewigung der Existenz, nach Unsterblichkeit.

W. (Auswahl): Jeshua: Szenen aus dem Neuen Testament / m. e. Anhang „Jesus Christus in moderner Sicht“. München: Selbstverlag, 1951; Die Wissenschaft und das Unwahrscheinliche. Darmstadt: J.G. Bläschke Verlag, 1973.
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