Kodex Madrid

Auch Codex Tro-Cortesianus, berühmtes Manuskript in Maya-Schrift, das wahrscheinlich im frühen 16. Jh. vor der spanischen Eroberung Mittelamerikas angefertigt wurde und heute im Museo de América in Madrid aufbewahrt wird.
Beim K. handelt es sich um eine Art Bauern-Almanach, der auf ein knapp sieben Meter langes Stück Rindenpapier gemalt ist. Die Maya-Priester benutzten diesen Kodex bei Weissagungsritualen, mit deren Hilfe sie die Tage bestimmten, die günstig oder ungünstig zum Regenmachen, Feldbestellen, Jagen oder zu anderen Verrichtungen des täglichen Lebens waren. Das Dokument enthält neben bildlichen Götter- und Tierdarstellungen mehrere Reihen Schriftzeichen. Der Maya-Monat bestand aus 20 Tagen, von denen jeder einen eigenen Namen hatte. Die Schriftzeichen selbst sind zyklische Wiederholungen der Namen innerhalb des 260-Tage-Turnus des Ritualkalenders. Die Priester nahmen zur Weissagung vermutlich eine Handvoll Maiskörner, mit denen sie die Tage auf dem Kodex von links nach rechts auszählten. Die Prophezeiung galt für den Tag, an dem die Körner ausgingen.

Lit.: Wahrsagungen und Prophezeiungen. Amsterdam: Time-Life Bücher, 1991.
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