Kneipp, Sebastian Anton

(* 17.05.1821 Stephansried, Oberschwaben; † 17. 06.1897 Wörishofen), römisch-katholischer Priester aus Bayerisch-Schwaben, der als Kaltwassertherapie betreibender Hydrotherapeut und Naturheilkundler bekannt wurde. K. ist der Namensgeber der Kneipp-Medizin und der Wasserkur mit Wassertreten, die schon früher angewandt, aber erst durch ihn populär wurden.
Das Kneippsche Konzept kann man als Teil der Volksmedizin betrachten, da viele therapeutische Behandlungspraktiken, wie sie im Volk üblich waren, von K. übernommen und zusammen mit der Wassertherapie in sein Konzept integriert wurden. In älteren Haushalten finden sich heute noch Bücher über die Kneippschen Wasseranwendungen, und das Kaltduschen nach einem warmen Bad ist für viele Menschen nach wie vor ein fixer Bestandteil ihrer Badepraxis.
Zur Zeit von K. gab es noch keine moderne Medizin und so war man angewiesen auf die Erfahrungen, die man mit natürlichen Heilmitteln wie Kräutern, Lehmpackungen, Kaltwasseranwendungen usw. bei der Behandlung der verschiedenen Erkrankungen gemacht hatte. K. selbst war durch seine Doppelbelastung ‒ er war Werkstudent, der sich seinen Lebensunterhalt selbst verdienen musste ‒ in gesundheitliche Schwierigkeiten geraten. Er entwickelte nämlich eine Lungenerkrankung, die mit einer körperlichen Schwächung, monatelangem Husten, Fieber und Hämoptysen einherging. Schließlich musste er sein Studium unterbrechen. Die medizinische Diagnose lautete: Lungenkatarrh und Lungenschwindsucht ‒ so nannte man damals die Lungentuberkulose; man schrieb das Jahr 1846.
Obwohl die Prognose infaust war, löste das bei K. kein resignatives Verhalten aus, im Gegenteil: Er entwickelte eine ungeheure Willenskraft, die ihm schließlich half, die Krankheit zu überwinden. Angeregt von einem Kompendium mit dem Titel Von der Heilkraft des frischen Wassers der Gebrüder Hahn, berühmter Ärzte im damaligen Deutschland, lief er dreimal pro Woche von Dillingen, wo er das Priesterseminar besuchte, zur Donau. Dort zog er sich aus, tauchte in das kalte Donauwasser unter ‒ es war immerhin November ‒ , zog sich wieder an, ohne sich abzutrocknen, und lief nach Hause. Das Ergebnis war beeindruckend: Zuerst merkte er es an seiner Stimme, die kräftiger wurde, der Husten ließ nach, seine Müdigkeit verschwand und Blut spuckte er auch keines mehr. Nach sechs Monaten war er völlig geheilt.
Auch in seinem späteren Leben hatte K., wie er in seinen Büchern behauptete, nie mehr Probleme mit der Lunge. Dieses Schicksalserlebnis hatte ihn natürlich geprägt und obwohl er später den Priesterberuf ausübte, stellte er seine Erfahrungen in den Dienst der Medizin und behandelte die Knechte und Mägde der Umgebung in der Waschküche des Klosters, in dem er Beichtvater war ‒ ein Gesundheitssystem im heutigen Sinne gab es ja nicht.
Seine Behandlungsmethoden waren so erfolgreich, dass sich bald auch die „Städter“ anmeldeten, und als er den österreichischen Erzherzog Joseph von einem Ischias heilte, konsultierte ihn auch der europäische Hochadel. Zweimal
fuhr er nach Rom, um Papst Leo XIII. zu behandeln. Das Kneippsche Konzept wurde zur Altemativmedizin schlechthin.

Lit.: Graber, Josef: Naturheilungkonzept von Sebastian Kneipp. Grenzgebiete der Wissenschaft 56 (2007) 2, 141-155.
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