Klopfdiktate

Mediale Mitteilung, insbesondere bei dem Medium Maria Silbert die häufigste und reichhaltigste sprachliche Mitteilung.
„Die einzelnen Klopftöne traten, wie dies ja auch durchwegs von anderen Medien berichtet wird, in vielfältigen Nuancierungen auf, was Lautstärke, Klangfarbe, Akzentuierung, Rhythmik und Örtlichkeit anlangt. Sie konnten beispielsweise stark und dröhnend wie Hammerschläge im Tisch beginnen, wobei die Anwesenden ein Schwingen und Zittern der großen Platte des massiven Eichentisches registrierten, und dann in der gleichen Intensität die Wände entlangwandern und in verschiedensten Bereichen des Raumes auftreten. Die Klangfarbe überrascht durch besonderen Abwechslungsreichtum: dumpfes schweres Tönen findet sich ebenso wie heftiges messerscharfes metallenes Klingen oder feines, aber scharfes Trommeln, das mit dem Klopfen spitzer Fingerknöchel verglichen werden kann.

Die Klopfformen haben dabei nicht nur inhaltlich, sondern auch formal den Charakter von Botschaften, die einem starken Mitteilungswunsch zu entspringen scheinen. So wurden die Klopfdiktate auch zum Unterschied von anderen spontan auftretenden Geräuschen von den Anwesenden immer als sinnerfüllt empfunden, in ihrer Eigenschaft als Sprachmodus sogleich erkannt, und sie ließen eine Betroffenheit, ein starkes Sich-Angesprochen-Fühlen, das Empfinden einer direkten Konfrontation mit einem unsichtbaren Gegenüber entstehen.“

Lit.: Ozimik, Dolores: Klopfdiktate und Flammmenschrift als Formen medialer Kommunikation, in: Andreas Resch: Geheine Mächte: der Innenraum des Menschen (Imago Mundi; 9). Innsbruck: Resch, 1984, S. 395-418.
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