Klaros

(Griech., lat. Clarus), in der Antike ein bedeutender Orakelort des Gottes Apollon an der Westküste Kleinasiens (heute ca. 16 km westlich von Selçuk in der Türkei).
Die ältesten Hinweise auf K. stammen aus dem 7. Jh. v. Chr. Das Orakel ist vermutlich jedoch bedeutend älter. Eine heilige Höhle deutet darauf hin, dass vor Apollon am besagten Ort die kleinasiatische Göttin Kybele verehrt wurde. K. genoss jedenfalls bis in die römische Zeit einen Ruf, der jenem von Delphi und Didyma in nichts nachstand, wurde aber bei einem Erdbeben weitestgehend zerstört.
Nach einer antiken Legende wurde dem Seher Kalchas prophezeit, dass er sterben werde, wenn er auf einen Seher treffe, der ihm überlegen sei. Bei K. begegnete ihm der Seher Mopsos und Kalchas forderte ihn auf, die Zahl der Früchte an einem Feigenbaum zu nennen. Als seine Antwort sich bis auf die letzte Feige bestätigte, starb Kalchas. Mopsos wird somit auch als der sagenhafte Gründer von K. angesehen.
Nach einer anderen Version gilt Manto, die Tochter des Sehers Teiresias, als Gründerin von K., die mit ihrem ebenfalls seherisch begabten Sohn Mopsos aus Theben gekommen war und bei der Nachricht, dass ihre Heimatstadt zerstört worden war, in Tränen ausbrach. Der Name „Klaros“ wurde daher später in einer sog. Volksetymologie von klaio, weinen, abgeleitet.
Alexander der Große suchte das Orakel von K. auf, um einen Traum deuten zu lassen, in dem er eine Stadt am Berg Pagos gründet. Das Orakel forderte ihn im Traum jedoch auf, die Stadt Smyrna wieder aufzubauen.
Besonders sehenswert ist K. heute wegen der umfangreichen Fragmente der überlebensgroßen hellenistischen Kultstatuen, die hier an ihrem ursprünglichen Platz wieder aufgestellt wurden.

Lit.: Rosenberger, Veit: Griechische Orakel: eine Kulturgeschichte. Darmstadt: Wiss. Buchges., 2001; Schuchhardt, Carl: Kolophon, Notion und Klaros. Athenische Mitteilungen 11 (1886), 398-434.

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