Kiebitz

(Vanellus vanellus), Vogelart aus der Familie der Regenpfeifer (Charadriidae).
In Ägypten hieß dieser Zugvogel Rechit und lieferte das Zeichen für die Glyphe rhyt, welche die tolerierten Fremden, Zugereisten und „Gastarbeiter“ bezeichnete. Ein K. mit verrenkten Flügeln war ein Bild der Hilflosigkeit, diente aber ebenso zur Darstellung eines vom Pharao unterworfenen Volkes. Später konnte ein K. ganz allgemein Herrschaft über Unterdrückte zum Ausdruck bringen und zum politischen Zeichen für die geknechteten Klassen des Volkes werden.
Mit der Schlangengöttin Lamia hatte Zeus in der Gestalt eines K. Herophile gezeugt, die erste Pythia am Orakel von Delphi und erste weissagende Sibylle überhaupt. Etruskische und römische Auguren lasen aus der ungewöhnlichen Flugakrobatik des K., der deshalb auch als „Gaukler der Lüfte“ bezeichnet wird, die Zukunft ab. In einer Gründungssage Roms nährte ein K. die Zwillinge Romulus und Remus.
Das Erscheinen des Vogels bedeutete auch Schutz der Göttin Vesta, der Hüterin des heiligen Feuers.
Der Koran bezeichnet den K. als „Bewahrer der Geheimnisse Salomons“. In der 27. Sure berichtet ein K. Salomon von einer Reise in das Königreich Saba.

Lit.: Zerling, Clemens: Lexikon der Tiersymbolik. Klein Jasedow: Drachen Verlag, 2012.
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