Kettenkirche

Eine heute noch vereinzelt in Bayern und Österreich anzutreffende Kirchengestaltung. Die Kette als Fassadenschmuck bezieht sich auf den hl. Leonhard von Limoges. Der Heilige, der mancherorts zu den Vierzehn Nothelfern gehört, war Eremit und gründete das Kloster Noblac bei Limoges, als dessen Abt er 559 starb. Nach der Legende half er einer Merowingerkönigin in Geburtsnöten und erbat als Gegenleistung die Freilassung von Gefangenen, wodurch er zum Schutzpatron aller Angeketteten wurde. Im 11. Jh. breitete sich seine Verehrung im alpinen Raum aus. Da die Kette auch als Viehkette gesehen wurde, verehrte man L. zudem als Schutzheiligen für Bauernbelange wie Vieh und Wetter. Darauf verweisen Bräuche wie die Leonhardifahrten oder Leonardiritte mit Pferdesegnung sowie eiserne Votivgaben in Form von Tieren. Diese wurden früher in Ketten umgearbeitet und um die Kirchen gespannt. Volkskundler vermuten, dass der kultischen Fesselung eine uralte Vorstellung zugrunde liegt: Die Ketten sollten dämonische Einflüsse abhalten.

Lit.: Kapfhammer, Günther: St. Leonhard zu Ehren: vom Patron der Pferde. Von Wundern und Verehrung. Von Leonhardifahrten und Kettenkirchen. Rosenheim: Rosenheimer Verlag, 1977.
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