Kephalophoren

(Griech. kephale, Kopf; pherein, tragen, „Kopfträger“), betrifft das schon in der Antike bekannte physiologische Phänomen, dass Kopf und Rumpf nach der Enthauptung noch kurze Zeit leben. Da verurteilte Übeltäter oftmals ohne Reue starben, mussten sie, nach allgemeiner Ansicht, immer wieder in ihrem schmählichen Zustand geistern und gelegentlich ihr abgeschlagenes Haupt unter dem Arm tragen. Allerdings wurden auch enthauptete heilige Märtyrer (St. Dionysius) auf diese Weise dargestellt.
Häufiger treten in der Volksüberlieferung Raubritter als kopflose Schlossgespenster auf. In England durften kopflose Geister ebenfalls nicht fehlen. So wird von der enthaupteten Anne Boleyn (1504-1536), einer der Gattinnen Heinrichs VIII., und von dem schottischen Aufrührer Lord Simon Lovat (1747 geköpft) berichtet, dass sie mit dem Kopf unter dem Arm ihr spukhaftes Unwesen treiben würden.

Lit.: Biedermann, Hans: Dämonen, Geister, dunkle Götter. Lexikon der furchterregenden mythischen Gestalten. Graz: Leopold Stocker Verlag, 1989.
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