Kempe, Margery

(* Ca. 1373 King’s Lynn, England; † nach 1438), Mystikerin und Visionärin.
Die Tochter des Bürgermeisters von Lynn (bei Norwich), John Burnham, heiratete in jungen Jahren den Handelskaufmann John Kempe († um 1437). Nach der Geburt eines ihrer Kinder (von den insgesamt 14 starben 13 noch im Kindesalter) lag sie acht Monate im Koma. Als sie erwachte, soll ihr Christus erschienen sein, der ihr Trost zusprach und sie heilte. Daraufhin bereute sie ihr allzu weltliches Leben, legte 1413 mit ihrem Gemahl vor dem Bischof von Lincoln ein eheliches Keuschheitsgelübde ab und betrachtete sich fortan als Braut Christi. Allein unternahm sie gewagte Pilgerreisen u.a. nach Jerusalem (1413-1415), Rom, Compostela (1417), Aachen, Danzig und Norwegen (1433).
Als äußeres Zeichen ihr Gottesbrautschaft trug sie weiße Gewänder. Aufgrund ihrer unverhohlenen Kritik an Missständen in der Kirche entging sie nur knapp einer Verurteilung als Ketzerin. Ihre exzentrische Lebensweise, ihre Visionen, Auditionen und als Besessenheit gedeuteten plötzlich hervorbrechenden Weinkrämpfe wurden zum öffentlichen Ärgernis. In dieser schwierigen Situation wandte sich K. an die Seelenführerin und Visionärin Juliana von Norwich, die ihr die Echtheit aller „besonderen Gaben“ (Erscheinungen, Visionen, Auditionen usw.) ausdrücklich bestätigte.
Ihre Schrift The Booke of Margery Kempe wird von manchen als die erste volkssprachliche Autobiografie in englischer Sprache angesehen und ging als erster Reisebericht in die englische Literatur ein. Darin beschreibt sie ihre Pilgerreisen zu verschiedenen heiligen Stätten in Europa und Asien.
Wenngleich ihre Erfahrungen zum Teil als pseudomystisch und pathologisch abgetan wurden, gesteht ihr die neuere Kritik, ungeachtet ihrer exzentrischen Persönlichkeit, die Echtheit zumindest einiger Charismen zu.

Lit.: Collis, Louise: Leben und Pilgerfahrten der Margery Kempe: Erinnerungen einer exzentrischen Lady. Berlin: Verlag Klaus Wagenbach, 1986.
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