Die von den antiken Griechen keltoi und den Römern Celtae genannten Populationen können seit dem 8. Jh. v. Chr. als von ihren Nachbarn ethisch verschieden betrachtet werden. Sie wanderten im 2. Jahrtausend v. Chr. aus Asien kommend nach Westen und besiedelten ab dem 11. Jh. v. Chr. große Teile Mitteleuropas und Südeuropas. Sie waren die Träger zweier großer Kulturepochen in Europa, der Hallstatt-Kultur (7.-3. Jh. v. Chr.) und der La-Tène-Kultur (3. bis 1. Jh. v. Chr.). In der Frühzeit kriegerische Hirtenomaden, wurden sie später zu sesshaften Ackerbauern. Die Herstellung von Bronze und später von Eisen war ihnen bereits bekannt. In Europa hinterließen sie viele Kultorte und archäologische Funde.
Der Kult wurde unter freiem Himmel ausgeübt, in eingezäunten Hainen und an Quellen. Kultbilder sind erst seit der römischen Zeit bekannt. Bedeutende Rollen spielten Priester (Druiden), Kultsänger und Mantikerinnen. Seit der Christianisierung wurden uns Heldenlieder und Stammesmythen tradiert.
In der Mythologie lässt sich deutlich zwischen Inselkelten und Festlandkelten unterscheiden. Während die Inselkelten noch heute ihre Nachkommen in den Iren, den Gälen in Schottland, den Sprechern des Kymrischen in Wales und den Bretonen in Nordfrankreich haben, sind alle keltischen Ethnien und deren Sprachen auf dem Kontinent untergegangen. Die ältesten keltischen Inschriften sind aus Norditalien überliefert, nämlich in Lepontisch.
Zum Leben und zur Kultur der Kelten können hier nur stichwortartig Aussagen gemacht werden:
Der magische Kessel: Die Opferpriester (Druiden) benutzten für ihre Opfer und die Orakel einen magischen Kessel, in dem sie das Blut der geopferten Tiere, aber auch der geopferten Menschen sammelten.
Der Kriegsgott Lug war der Schutzgott der Krieger, Händler und Diebe. Als Schutzgott der Krieger konnte er durch magische Kraft Feinde lähmen und bannen.
Das Lugnasad, das große Kultfest, wurde unter dem Schutz des Kriegsgottes Lug zur Zeit der Getreideernte gefeiert.
Dagda, der Gott des Götterhimmels, aber auch des Meeres und der Gestirne erschien den Menschen im Gewitter, in Blitz und Donner, aber auch im Rad der Sonne.
Ogmios, der Kriegsgott, galt als Anführer der Krieger und als großer Held im Kampf.
Mac Oc, der Heilungsgott, war der Beschützer der Heilpflanzen, der den Menschen die Gesundheit schenkte.
Brigit, die Muttergöttin, galt als Beschützerin der Frauen. Sie schenkte den Menschen die Kulturtechniken.
Land der Toten. Wenn Menschen starben, wanderte ihre Seelenkraft aus dem Körper aus und weit über das Meer, bis sie in das Land der Toten kam. Dieses hieß Mag Mell, „Land der Freude“, auch „Land der Jugend“.
Weibliche Göttinnen. Die Kelten verehrten viele weibliche Göttinnen. Heilig waren ihnen die Urmutter Erde und die Schutzgöttinnen des Wassers.
König Artus war König und Kriegsheld in Wales. Ihm gelang es, den Göttern den magischen Kessel zu rauben. So hatte er alle Dinge im Überfluss.
Riese Balor, war eine Gestalt, die Menschen überragte. Er hatte aber nur ein Auge und dieses war böse. Als Großvater des Gottes Lug führte er die Krieger der Formore in die Schlacht von Mag Tured. Der Blick seines bösen Auges hatte auf die Feinde eine tödliche Wirkung.
Heldengott Bran, Sohn des Gottes Llyr, führte die Krieger der Kymerer an. Auch er besaß den magischen Kessel, in den die Toten geworfen wurden. Diese konnte er am nächsten Tag wieder zum Leben erwecken, doch die Sprache konnte er ihnen nicht wieder geben.
König Bress, Sohn der Göttin Eriu und des Königs der Femore in Irland. Er galt als habgierig und böse, die Ernten wurden schlechter und der König wurde von den Kriegern abgesetzt. So bat er den Gott Lug um Gnade und versprach gut zu leben und für die Fruchtbarkeit und den Milchreichtum in ganz Irland zu sorgen. Daher sollen die Menschen auf der Insel heute in Wohlstand und im Überfluss leben.
Gott Cerunnos, starker Schutzgott der Tiere und der Menschen, vor allem in Gallien.
Held Cuchulainn, Sohn des Kriegsgottes Lug und einer Königstochter aus Ulster. Mit seinem Volk zog er in den Krieg und kämpfte gegen alle Feinde. Er trug ein Tabu, er durfte kein Hundefleisch essen und keine Krieger ernennen. Als er sein Tabu verletzte, bahnte sich sein Ende an. Drei Hexen in Rabengestalt verführten ihn zum Essen von Hundefleisch und er verlor seine magischen Kräfte. Als er wieder in den Krieg zog, wurde er von seinen Feinden erschlagen.
Göttin Diana, Urmutter eines Göttergeschlechtes in Irland.
Der Gott mit drei Köpfen konnte in jede Richtung sehen und alles überwachen, was bei Göttern und Menschen geschah.
Von weiteren Gottheiten, Geistwesen, Kriegern, Helden und Festen können hier nur noch die Namen genannt werden: die Pferdegöttin Epona, der Gott Esus, Geistwesen der Natur, die Kriege der Fianna, der Gott Coibniu, die Schweine des Gottes Gwydyon, die drei Erdgöttinnen, der Gott Manannan, die Erdgöttin Medd, der Gott Midir, der Sonnengott Ruith, der Kriegsgott Nuada, das Samhuin-Fest, die Göttin Sirona, die Amme Tailtu, der Gott Teutates, das Volk der Göttin Dana, die Kunst der Magie, die Helden Finn und Osian.
Lit.: Grabner-Haider, Anton/Marx, Helma: Das Buch der Mythen aller Zeiten und Völker. Wiesbaden: marixverlag, 2005, S. 145-162.