Kellner, Karl

(* 08.09.1850 Wien; † 07.06.1905 ebd.), Großindustrieller, Chemiker, Freimaurer, Okkultist.
In einem Wiener Privatlaboratorium arbeitend, machte K. bereits mit 22 Jahren jene entscheidenden Beobachtungen, die nach seinem 1876 erfolgten Eintritt in die Fabrik des Hektor Frh.von Ritter-Záhony in Podgora bei Görz in dem nach ihm und Ritter benannten und schon bald von zahlreichen Papierfabriken in Verwendung genommenen Sulfit-Zelluloseverfahren (Patente von 1884) gipfelten. Seine Arbeiten zur Holzzellstoffabrikation und zur Bleichung von Zellulose führten ihn zur Elektrochemie, die ihm ebenfalls die Ausarbeitung wertvoller technischer Verfahren verdankt. Als die Frh. von Ritter-Záhonyschen Fabriken in andere Hände übergingen, widmete sich K. der Gründung eigener Unternehmungen (The Kellner-Partington Paper Pulp Co. Ltd., The Castner-Kellner Alkali Co.). Er befasste sich auch mit technischen Erfindungen auf verschiedenen anderen Gebieten, wie der Gewinnung von Gespinstfasern, Beleuchtung, Fotografie, künstliche Edelsteine usw.
Neben seinem Industriellen- und Erfinderdasein war K. aber auch Freimaurer und kam so in Kontakt mit dem Theosophen und Rosenkreuzer Franz Hartmann. Gemeinsam mit Theodor Reuß gründete er den Orientalischen Templer-Orden (Ordo Templi Orientis – O.T.O.). Ebenso sollten die Lehren der Hermetic Brotherhood of Light (Hermetische Bruderschaft des Lichts), Freimaurer-Symbolik sowie die tantrische Sexualmystik eine wesentliche Rolle einnehmen.
Erst nach dem Tod von K. und der Übernahme des O.T.O. durch Reuß wurde der Orden dann in der Version von 1906 in der Öffentlichkeit bekannt.

Lit.: Frick, Karl R.H.: Licht und Finsternis, Teil 2: Geschichte ihrer Lehren, Rituale und Organisationen. Graz: ADEVA, 1978.
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