Am 27. November 1982 begann in der Wohnung der Familie Nazzour in Damaskus die von Nikolaus Nazzour aus Sofia mitgebrachte, auf Karton gedruckte Ikone der Gottesmutter von Kazan in der Größe von 6 x 8 cm Öl abzusondern.
Bei der Gottesmutter von Kazan handelt es sich um die berühmteste Ikone Russlands. Sie wurde am 8. Juli 1579 von der zehnjährigen Matryona gefunden, nachdem diese das Bild im Traum unter der Asche in den Ruinen eines Hauses in Kazan, der heutigen Hauptstadt von Tartastan, entdeckt hatte. Der Legende nach hatte die genannte Ikone Kuzma Minin und Dimitry Pozharsky 1612 geholfen, Moskau mit der Bürgerwehr von Kazan von der polnischen Invasion zu befreien. Zur Erinnerung wurde in Moskau die Kazan-Kathedrale errichtet, heute besser bekannt als Roter Platz, wo die Ikone bis 1721 verehrt wurde. Dann kam sie nach St. Petersburg, wohin Peter der Große 1703 die Hauptstadt verlegt hatte.
Zwischen 1801 und 1811 erbaute dort der Architekt Andrej Woronkin nach dem Vorbild von St. Peter in Rom die mächtige Kathedrale der Gottesmutter von Kazan. 1904 verschwand die Ikone. Nach der Oktoberrevolution von 1917 wurden die Heiligtümer geplündert und die Kathedrale in ein Museum für „Religion und Atheismus“ umgewandelt, bis sie 1994 neuerlich als Kathedrale der Gottesmutter von Kazan geweiht wurde.
Die Ikone selbst blieb verschollen und tauchte erst 1970 wieder auf, als sie einem Jesuiten in San Francisco, USA, dem Rektor des Russisch-Katholischen Zentrums Unserer Lieben Frau von Fatima, zum Kauf angeboten wurde. Nach rechtlicher Beratung und mit der Erlaubnis orthodoxer Priester wurde die Ikone von der amerikanischen katholischen Organisation „Blue Army“ für drei Millionen Dollar auf dem Ikonenmarkt gekauft und am 21. Juli 1970, nach dem Julianischen Kalender der Jahrestag der Gottesmutter von Kazan, nach Fatima gebracht. 1993 wurde die Ikone Papst Johannes Paul II. geschenkt, der sie in seine Privatgemächer aufnahm.
Dies veranlasste den Oberbürgermeister von Kazan, Kamil Ischakov, obwohl islamischer Tatar, die Rückkehr des Kleinods, das seine Stadt in der ganzen christlichen Welt bekannt gemacht hatte, mit besonderem Einsatz voranzutreiben. Er erbat sich zu diesem Zweck eine Audienz bei Johannes Paul II., die ihm auch gewährt wurde. Der Papst wollte die Ikone allerdings gerne persönlich nach Russland bringen, jedoch nicht ohne Zustimmung des Patriarchen Aleksej II. von Moskau. Dieser befürwortete die Rückkehr der Ikone, lehnte einen Besuch des Papstes aber ab. Rom gab schließlich nach und so überbrachte am 25. August 2004 Kardinal Walter Kasper die Ikone dem Patriarchen Aleksej II. von Moskau (1929-2008) und damit der gesamten Russisch-Orthodoxen Kirche zur Verehrung durch das russische Volk.
Am 21. Juli 2005 brachte Aleksej II. von Moskau anlässlich der Einweihung der renovierten Kathedrale Maria Verkündigung die in ganz Russland verehrte, auf Lindenholz gemalte Ikone in der Größe von 31.5 x 26.1 cm schließlich
nach Kazan.
Nachdem dann Oberbürgermeister Ischakov seinen islamischen Glaubensbrüdern die neu erbaute Moschee Kul Scharif übergeben konnte, bekam die russisch-orthodoxe Bevölkerung die Kathedrale Maria Verkündigung. Am 20. Juli 2007 kam dann auch Myrna Nazzour auf Einladung nach Kazan, womit der internationale Bedeutungsgehalt der Ikone von Sufanieh gewürdigt wurde.
Diese historischen Zusammenhänge zwischen der Gottesmutter von Kazan, Fatima, Papst und Orthodoxie sollten zum Ausdruck der Vorsehung für Sufanieh als Gebetsstätte für die Einheit der Kirche mit dem einen Datum für das Osterfest werden.
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