(Griech. katharós, rein), Anhänger einer christlichen Glaubensbewegung vom 12. bis zum 14. Jh. vornehmlich im Süden Frankreichs, aber auch in Italien, Spanien und Deutschland. Verbreitet ist ebenso die Bezeichnung Albigenser bzw. Albingenser, benannt nach der südfranzösischen Stadt Albi, einer ehemaligen Katharerhochburg. Die K. selbst bezeichneten sich als veri christiani („die wahren Christen“) oder boni homines bzw. Bonhommes („gute Menschen“). Als Fremdbezeichnungen unter Zeitgenossen waren auch die Bezeichnungen Patarener bzw. Pateriner gebräuchlich.
Die K. wurden im Zuge des Albigenserkreuzzuges und weiterer Feldzüge sowie durch die Inquisition als Häretiker verfolgt und vernichtet.
1143 traten die K. erstmals in Europa auf, und zwar in Köln. Zum bedeutendsten Katharergebiet entwickelte sich jedoch das Languedoc in Südfrankreich (Okzitanien), zu einem weiteren wichtigen Zentrum wurde Oberitalien. Die K. waren in Südfrankreich beliebt, da die Bevölkerung in den von ihnen kontrollierten Gebieten keinen Zehnten als Kirchensteuer zu entrichten brauchte.
Bis zum Albigenserkreuzzug 1209 konnten die K. ihre Organisation ausbauen. Für die römisch-katholische Kirche stellten sie eine gefährliche und völlig neue Bedrohung dar. Erstmals war in Europa der Versuch unternommen worden, eine Gegenkirche zu etablieren, mit regionalem Erfolg. In den Augen der Päpste galt die katharische Bewegung als Häresie. So leitet sich der Begriff Ketzer von Katharer ab.
Die theologischen Standpunkte der K. wurden als absurd betrachtet. 1179 wurden die K. von Papst Alexander III. (1159-1181) auf dem Dritten Laterankonzil erstmals verurteilt und exkommuniziert. Unter Papst Lucius III. (1181-1185) kam es in der Bulle Ad Abolendam 1184 auf dem Konzil von Verona zu einer neuerlichen Verurteilung. Hierin wurden auch erstmals konkrete Maßnahmen gegen sog. Ketzer dargelegt, wie etwa der Beschluss, dass alle Bischöfe in ihren Pfarreien solche zur Anzeige bringen sollten.
Papst Innozenz III. (1198-1216) entsandte 1206 eine Gruppe von Zisterziensermönchen nach Südfrankreich, darunter Pierre de Castelnau, Diego de Acebo sowie den jungen Dominikus, um die K. auf dem Weg des Gesprächs und der gütlichen Einigung wieder für die Kirche zu gewinnen. Als alle Versuche, ihrer Herr zu werden, gescheitert schienen, rief Innozenz III. noch im gleichen Jahr gegen sie zum Kreuzzug auf. Als Ergebnis brachte der Kreuzzug zwar die militärische Niederlage der mit den Katharern verbündeten Fürsten und letztlich die Eingliederung Okzitaniens in das Königreich Frankreich, nicht aber die vom Heiligen Stuhl erhoffte vollständige Ausrottung der K. und ihrer Organisation. So ließ Katharerbischof Guilhabert de Castres († 1241/42) die Bergfestung Montségur nach 1229 weiter ausbauen. Dennoch war die Bewegung schwer getroffen worden. Die Unterstützung des Adels ging nach dem Kreuzzug verloren und die Päpste und ihre Unterstützer bedienten sich mittlerweile des neuen Instruments der Inquisitionsverfahren erstmals flächendeckend. So überzog die 1229 unter Papst Gregor IX. (1227-1241) einberufene Synode von Toulouse die okzitanische Diözese mit einem dichten Netz an inquisitorischen Untersuchungen.
Inzwischen entwickelte sich die uneinnehmbar scheinende Katharerfestung Montségur zum Hauptzentrum und letzten großen Refugium der verfolgten französischen K. Hier befand sich auch ihre Kirchenleitung. 1243 begannen Truppen des französischen Königs mit der Belagerung der Burg. Zwar hatten die K. zuvor ihre Kirchengelder noch nach Italien schaffen lassen, ein Asylangebot der italienischen K. aber abgelehnt. Im März 1244 kapitulierten die Verteidiger Montségurs. Etwa 200 K. wurden am 16. März 1244 in den Palisaden der Festung verbrannt. Der Fall von Montségur bedeutete das Ende der katharischen Kirchenorganisation in Frankreich.
In Italien mussten sich die nach Erfolgen der Inquisition in den 1250er Jahren noch verbliebenen Katharer nach Norditalien zurückziehen. Sie hatten sich die Festung Sirmione am Gardasee als letzte Zufluchtstätte auserkoren, wo auch etliche geflüchtete französische K. weilten. 1276 wurde die Burg eingenommen und die überlebenden K., insgesamt 178 Perfecti, im Jahr 1278 in der Arena von Verona verbrannt.
Glaube und Lehre der K. erweisen sich als äußerst uneinheitlich. Erkennbar sind zwei theologische Hauptrichtungen, die beide von der dualistischen Urerfahrung des unversöhnlichen Gegensatzes einer überirdischen, von Gott geschaffenen guten Welt, und einer irdischen, vom Teufel geschaffenen bösen Welt ausgehen (Dualismus).Während die gemäßigte dualistische Richtung der frühen K. im Schöpfer der sichtbaren Welt entweder einen von Gott abgefallenen Engel oder Gottessohn sah und nur ein Urprinzip annahm (Monoprinzipialismus), stellte eine offenbar jüngere, radikale Richtung den Teufel in der Gestalt Satans gleichrangig neben den guten Gott und sprach von zwei Ur-Prinzipien (Diprinzipialismus). Beide Richtungen sahen im Menschen die im Gefängnis des vom bösen Gott geschaffenen Leibes festgehaltenen Seelen der vom guten Gott abgefallenen Engel, die durch völlige Weltenthaltung und strengste Askese auf dem ihnen durch den Engel Christus gezeigten Weg durch Selbsterlösung die Rückkehr in die himmlische Heimat erreichen können, sofern sie durch die Geisttaufe („Consolamentum“, „Tröstung“, generell von den meisten „Gläubigen“ erst am Lebensende empfangen) als sündenlose „Erwählte“ (electi) bzw. „Vollkommene“ (perfecti) zu Mitgliedern der katharischen Kirche würden.
Trotz aller bis zur gegenseitigen Verfluchung führenden Bekenntnisunterschiede weisen sämtliche K. große Übereinstimmung in Kult und religiöser Praxis sowie in der Ausbildung einer Art „Zwei-Klassen-Gesellschaft“ auf, in der nur die Elite der perfecti von ihren Anhängern (boni homines oder Christiani genannt) zu Weltabkehr und Askese verpflichtet war und die eigentliche Kirche bildete, während die große Anhängerschaft der credentes noch im Bannkreis des Teufels verblieb und sich das Heil durch den Empfang des Consolamentum auf dem Totenbett erhoffte.
Lokaler Suchagent
Translator
Themenkatalog
Artikel
Beati e Santi
Bücher
Burkhard Heim
Glossar: Ethik
Glossar: Paranormologie
Paranormologie
Selige Heilige
Zeitschrift: GW
Zeitschrift: ETHICAAUDIOTHEK
Resch: Predigten
Resch: Radio VatikanVIDEOTHEK
Resch: Spuk
Außerk. Erf.: Experiment
Ekstase: Marija, Medjugorje
Gemeinschaften: Umbanda
Hypnose: Zahnbehandlung
Levitation: Levitation Owaku
Spritismus: Spiritistische Sitzung
Psychokinese: Kulagina
Trance-Chirurgie: Dr. DeQueiros
Verfluchung: VoodooritualNeuere Bücher
Auch das könnte interessieren
- Geister
- Grabtuch und Schleier
- Inselbegabungen
- Kosmologie
- Leben und Tod
- Marienerscheinungen
- Mystik