Kartäusermystik

Schriftliche Zeugnisse mystischer Erfahrungen sowie Beiträge zur Theoriebildung über diese Erfahrungen bei den Kartäusern.
Der Kartäuserorden ist hervorgegangen aus den beiden vom Reimser Magister Bruno von Köln (um 1030-1101) gestifteten Einsiedlergemeinschaften in Chartreuse (1084) bei Grenoble und in Santa Maria della Torre in Kalabrien (Serra San Bruno, 1091/1092). Das Ziel dieser Gemeinschaften bestand darin, das zönobitische Klosterleben aus dem Eremitentum heraus zu erneuern. Die Mönche leben in einzelnen, durch den großen Kreuzgang verbundenen Einsiedeleien, in deren Einsamkeit sie sich dem Gebet und der Betrachtung, aber auch manuellen Arbeiten, wie dem Abschreiben von Büchern, widmen. Ihr Lebensprogramm lässt sich in zwei Worte fassen: „soli Deo“ (nur für Gott), ausgedrückt durch körperliche Askese, Schweigen, Nachtwache und Fasten. Eine eigene Theologie der Mystik hat sich innerhalb des Kartäuserordens aufgrund des fehlenden Ordensstudiums und der Zurückhaltung wissenschaftlicher Tätigkeit gegenüber nie entwickelt. Dennoch hat der Orden von Beginn an wichtige mystische Autoren hervorgebracht und die Tradition der Mystik tiefgreifend beeinflusst:
Erstens haben die Kartäuser die Leben-Jesu-Frömmigkeit und die damit zusammenhängenden Übungen, wie z.B. die tägliche Betrachtung des irdischen Lebens Jesu, mitgeprägt. Sie gehören somit zu den Hauptquellen der Devotio moderna.
Zweitens bejahen die Kartäuser-Autoren die Möglichkeit einer unio mystica mit Gott ohne jegliche vorausgehende oder begleitende Erkenntnis des Verstandes.
Drittens haben die Kartäuserautoren eine wichtigen Beitrag zur Besinnung auf Ziel und Wesen eines kontemplativen Lebensprogrammes geleistet.
Unter den wenigen bekannten Mytikerinnrn der Kartäuserinnen gilt Margarete v. Oingt als hervorragendste Autorin.

Lit.: Kartäusermystik und -mystiker. 3. Internationaler Kongress über die Kartäusergeschichte und -spiritualität. Salzburg: Inst. für Anglistik und Amerikanistik, Univ. Salzburg, 1982.
Setze ein Lesezeichen für den Permalink.