Auch Carneol (lat. corneolus, später auch cornelius, engl. cornelian, frz. conaline), eine mikrokristalline, rötliche Variante des Chalcedon, ein Aggregat von feinstem, in faseriger Form vorliegenden Quarz, dessen Kristalle so klein sind, dass man ihre Struktur nur unter dem Mikroskop erkennen kann. Die rötliche Farbe verdankt der K. dem Eisen, das in Form von Eisenoxyd oder Eisenhydroxyd in verschiedenen Mengen enthalten ist. Zudem lässt er sich durch Hitze dauerhaft farblich zum Rot hin verändern. Ob sich der Name von lat. cornum (Kornelkirsche) oder carneolus (fleischfarben) ableitet, ist nicht geklärt. Die Herkunft des K. ist uneindeutig. In Physika, dem lateinisch abgefassten medizinischen Werk der hl. Hildegard von Bingen (1098-1179), wird der Stein cornelius genannt.
In der Natur tritt er als sinterartiger Überzug von Gesteinen oder als Auffüllung von Hohlräumen auf. Die schönsten Karneole kommen aus Indien. Andere Fundstellen sind Brasilien, Australien, Nordafrika, Japan und Sibirien. Seine Härte 7 ermöglicht die Verarbeitung zu Schmuckzwecken, weshalb er schon im Altertum als Schmuckstein verwendet wurde. Der Ring von Tello (Iran, ca. 2500 v. Chr.) ist heute noch im Louvre zu sehen.
Die Ägypter hielten den K. für einen der wertvollsten Edelsteine und trugen ihn stets bei sich, da sie ihm göttliche Kräfte zuschrieben. Sie bezeichneten ihn als Stein der Erneuerung und Treue, daher durfte er im Schmuck der Pharaonen keinesfalls fehlen. Zudem spielte er bei Bestattungsritualen eine Rolle und wird im Ägyptischen Totenbuch erwähnt. Den Griechen galt der K. als Zeichen der wiederkehrenden Sonne.
Dem Stein werden aber auch heilende Kräfte zugeschrieben. Hildegard von Bingen zählt ihn sogar zu den wichtigsten Heilsteinen. Er soll besonders gegen Bluterkrankungen helfen, auf den Blutzuckerspiegel einwirken, den Körper bei der Aufnahme von Sauerstoff unterstützen und zu einer besseren Versorgung von Organen und Haut führen. Auch bei Kopfschmerzen, Husten und Erkältungskrankheiten ist er gefragt.
Nach Marbod von Rennes (1035-1123) und Albertus Magnus (1193-1280) wirke der Stein besänftigend bei Zorn und Konrad von Magdeburg schreibt in seinem Werk Oeconomia (1354):
Wer schwach ist, aber fest sein möchte,
wer lau ist, aber brennen möchte,
wer feig ist, aber kühn sein möchte,
wer Knecht ist, aber Herr sein möchte,
der trage immer einen Karneol.
Astrologen ordnen den K. den Tierkreiszeichen Widder, Stier, Löwe, Jungfrau und Skorpion, aber auch Zwillinge, Jungfrau und Krebs zu. Am Herzen getragen, führe er zu richtigen Entscheidungen in der Partnerschaft.
Zur Gewährleistung der genannten Wirkungen des K. wird empfohlen, ihn einmal im Monat zur Reinigung unter fließendes, lauwarmes Wasser zu halten und anschließend in einer Bergkristallgruppe oder in der Sonne aufzuladen.