Kaisersagen

Volkssagen, die auf verschiedene Kaiser Bezug nehmen, z.B. auf Karl den Großen oder Otto den Großen und an verschiedene Örtlichkeiten geknüpft sind. Inhaltlich decken sie sich insofern, als im Berg ein verzauberter Kaiser mit seinem Kriegsheer sitze und schlafe, um am Tag der Entscheidung zu erwachen und den letzten Kampf zu fechten (z.B. Friedrich I. Barbarossa im Kyffhäuser), woraufhin bessere Zeiten anbrechen sollen. Ähnliche Sagen gibt es auch bei nichtgermanischen Völkern.
Frühe Belege für den Mythos von einem endzeitlichen Kaiser finden sich schon bei
Hrabanus Maurus (780-856), der eine angebliche Prophezeiung des hl. Remigius mit der Erzählung eines fränkischen Königs, der am Ende der Zeiten herrschen werde, ausbaute. Vermischt wird hier die Vorstellung der Endzeitlichkeit mit märchenhaften Motiven, wie der Bergentrückung, zum Zweck der politisch motivierten Prophetie.

Lit.: Meyers Konversationslexikon, neunter Band. Leipzig/Wien: Bibliographisches Institut, 5. Aufl. 1896; Lichtenfels, Karl L. von: Lexikon der Prophezeiungen: eine Analyse von 350 Voraussagen von der Antike bis heute. München: Herbig, 2000; Holzapfel, Otto: Lexikon der abendländischen Mythologie. Freiburg i.Br. u.a.: Herder, 2002.
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