Hortus Deliciarum

Garten der Köstlichkeiten, eine im ausgehenden 12. Jh. verfasste Enzyklopädie der Äbtissin Herrad von Landsberg (* zwischen 1125 und 1130; † 25.07.1195 Kloster Hohenburg auf dem Odilienberg im Elsass).
H. D. ist die erste von einer Frau erstellte Enzyklopädie, eine höchst wertvolle, mit 344 Miniaturen illustrierte Handschrift, die um 1175 entstand und bald darauf in lateinischer Sprache herauskam. Darin fasste Herrad das theologische und profane Wissen ihrer Zeit zur Belehrung der Mitschwestern zusammen. Nach dem Brand von 1546, der die Klostergebäude fast zur Gänze zerstörte, übergab die letzte Äbtissin, Agnes von Oberkirch, den Besitz des Klosters dem Bischof von Straßburg. So gelangte der Hortus Deliciarum in das bischöfliche Archiv in Zabern und anschließend in das Kartäuserkloster in Molsheim, wo im 17. Jh. eine Abschrift des Textes hergestellt wurde. Während der Französischen Revolution kam die Handschrift in die Straßburger Distriktsbibliothek.
In der Nacht vom 24. auf den 25. August 1870 verbrannte das damals in der Universitätsbibliothek Straßburg aufbewahrte Original bei der Belagerung der Stadt während des Deutsch-Französischen Krieges. Lediglich Nachzeichnungen, darunter ein mittlerweile fast genauso wertvolles, von dem Gelehrten Christian Moritz Engelhart erstelltes Faksimile von 1818 blieben erhalten. Durch akribische Aufarbeitung vorhandener Kopien und Abschriften gelang es, einen Großteil der Miniaturen samt lateinischem Begleittext wiederherzustellen.
Der H. D. stellt nicht nur eine Enzyklopädie des gesamten Wissens der Zeit, sondern auch eine für den klösterlichen Unterricht bestimmte Sammlung von Auszügen aus der Bibel und dem kirchlichen Schrifttum dar.

Lit.: Walter, Joseph: Herrade de Landsberg: Hortus deliciarum. Straßburg/Paris, 1952; Heinsius, Maria: Der Paradiesgarten der Herrad von Landsberg: ein Zeugnis mittelalterlicher Kultur- und Geistesgeschichte im Elsass. Colmar/Paris/Freiburg i.Br.: Alsatia, 1968.
Setze ein Lesezeichen für den Permalink.