Höhle

Ist als Begriff mehrdeutig:
1. Als Orte kultischer, ritueller oder religiöser Handlungen im weitesten Sinn sind H.n ein weltweit verbreitetes Phänomen, das sich weder historisch eingrenzen noch mit speziellen Gesellschaftsformen verbinden lässt. Als „Tore zu einer anderen Welt“ spielen sie eine eminente Rolle in der kulturellen und mythologischen Erschließung der Umwelt.
2. Aus H.n stammen die ersten eindeutigen, repräsentativen Kunstäußerungen des Menschen, veranschaulicht durch dort gefundene Kleinkunstobjekte oder angebrachte Malereien.
3. In allen Teilen der Welt sind H.n bedeutsame Markierungspunkte. Sie waren bzw. sind niemals nur Behausungen (Höhlenmenschen), sondern stets auch Teil einer belebten Welt und somit selbst kleine Universen. Sie fungieren z.T. als Schnittpunkte mit dem „Übersinnlichen“ und Eingänge in eine andere Welt. Sie wurden und werden für Meditationen oder spirituelles Fasten im Zusammenhang mit Initiationsriten und Visionssuchen verwendet.
4. Aus den genannten Gründen haben H.n auch niemals ihre Bedeutung für die religiöse Welt verloren. In traditionellen Geschichten und Sagen steht die H. für Natur- und Erdverbundenheit und wird mit Vorstellungen von einer „Erdmutter“ in Verbindung gebracht.

Lit.: Auffahrt, Christoph/Bernard, Jutta/Mohr, Hubert: Metzler Lexikon Religion. Gegenwart – Alltag – Medien. Bd 2. Stuttgart/Weimar: J.B. Metzler, 1999.
Setze ein Lesezeichen für den Permalink.