Hierogamie

(Griech. hierogamía, dt. der Brauch, heilige Hochzeiten abzuhalten) oder Hieros gamos (griech. hierós gámos, dt. ‚heilige Hochzeit‘, auch Theogamie), die Hochzeit zweier Götter. Manchmal wird der Terminus auch auf die Vereinigung zwischen einer Gottheit und einem Sterblichen angewendet.
Die H., besonders jene zwischen Zeus und Hera, spielte im Kult der Griechen eine wichtige Rolle. In den mesopotamischen Kulturen von Sumer, Assur und Babylon hatte die H. die bedeutendste Stellung im Kult inne. Das andere wesentliche durchgängige Motiv für H. ist die geschlechtliche Vereinigung mit der Gottheit, vollzogen mit einem Stellvertreter (Priester, Hierodule, Tempelmädchen). Diese symbolisch dargestellte sexuelle Vereinigung verweist auf die Sehnsucht des Menschen nach Hingabe und kosmischer Einheit.
Den Gnostikern ist die H. ebenfalls bekannt. Da nach ihrer Meinung die Differenzierung der Welt durch Zeugung erfolgt ist, versuchen sie den Weg zurück zur Einheit durch mystisch-symbolische oder tatsächliche rituelle Liebesvereinigung zu beschreiten.
Von H. lässt sich auch die Brautmystik ableiten, die schon im AT in sprachlicher Symbolik zum Ausdruck kommt und das Verhältnis Jahwe ‒ Israel charakterisiert, das im NT im Verhältnis Christus ‒ Kirche weiterlebt. Später wird die christliche Brautmystik individualisiert: Die Seele wird die Braut des Logos, mit ihm im pneumatikos gamos verbunden.

Lit.: Waldenfels, Hans (Hg.): Lexikon der Religionen. Begründet von Franz König unter Mitwirkung zahlreicher Fachgelehrter. Freiburg/Basel/Wien: Herder, 1987.
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