Hestia

Tochter des Kronos und der Rheia, griechische Göttin des Herdes und des Herdfeuers. Als himmlische Jungfrau der Artemis und Athene verwandt, zählte H. zu den olympischen Zwölfgöttern, wurde jedoch bei den Griechen zu keiner lebendigen Gestalt, sodass man sich über sie auch keine Mythen erzählte.
Seit ältester Zeit war der Herd Mittelpunkt des Hauses und des Familienlebens der Hellenen, wo sich auch der Fremde, der Schutzflehende, geborgen fühlte. Hier wurde H. vor jeder Mahlzeit ein kleines Opfer dargebracht. Bei Opferhandlungen pflegte man zuerst zu ihr zu beten, sodass der Spruch „fang mit Hestia an“ sprichwörtlich wurde.
Man verehrte H. aber auch am gemeinsamen Herd des Stammes oder der Gemeinde. Den gemeinsamen Herd ganz Griechenlands repräsentierte die delphische H.
In den Städten des Hellenismus schwand die Bindung des einzelnen Menschen an Haus und Hof, sodass auch das Bild der Göttin H. zunehmend verblasste.

Lit.: Hunger, Herbert: Lexikon der griechischen und römischen Mythologie. Wien: Verlag Brüder Hollinek, 81988.
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