Herp, Heinrich

(* Ca. 1400/1410; † 22.02.1477/1478 Mechelen, Belgien), flämischer Franziskaner (Observanten) und Autor mystischer Literatur der Devotio moderna. Seine Schriften und gesammelten Predigten wurden nach seinem Tod vielfach übersetzt, gedruckt und verbreitet und hatten im 16. und 17. Jh. vor allem in den Niederlanden, in Frankreich, Italien und Spanien großen Einfluss. H. predigte die unione mystica, die Einung der Seele mit Gott, und schilderte mit großer Genauigkeit die verschiedenen inneren Zustände der Seele in ihrem Streben nach der mystischen Einung mit Gott.
Sein in mehrere Sprachen übersetztes Hauptwerk, Spieghel der volcomenheit (Spiegel der Vollkommenheit), war an seine Schwiegertochter gerichtet und entstand in der Zeit 1455-1460. Das Werk wurde erstmals 1501 gedruckt, 1513 ins Lateinische übersetzt und zusammen mit einigen kürzeren Abhandlungen zu verwandten Themen unter dem Titel Directorium Aureum contemplativorum in Köln gedruckt, danach ins Italienische, Spanische und Deutsche übersetzt. H. bündelt darin Gedanken und Lehren von Bonaventura, Thomas von Aquin, Hugo de Balma, Rudolf von Biberach, Jan van Ruysbroek, Rulman Merswin, Johannes Tauler und anderen.
1538 erschien in Köln die Theologica Mystica, eine lateinische Übersetzung der Sammlung seiner wichtigsten mystischen Werke, herausgegeben von seinen Schülern.

Lit.: Gleumes, Heinrich: Heinrich Herp, sein Leben und seine Werke. Zeitschrift für Aszese und Mystik 12 (1937), 222-225). Innsbruck: Tyrolia; Kalverkamp, Desiderius: Die Vollkommenheitslehre des Franziskaners Heinrich Herp (1477). (Franziskanische Forschungen; 6). Werl: Dietrich Coelde Verlag, 1940.
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