(Engl./fr. clairvoyance; ital. chiaroveggenza), außersinnliche Wahrnehmung (ASW), die nicht durch bekannte sinnliche Erfahrungen oder Wissensquellen erklärbar is (engl. extrasensory perception/ESP).
In der älteren Literatur wird H. meist unter das mehrdeutige Wort „clairvoyance“ subsumiert; als annähernd synonyme Termini kommen bisweilen unter Implikation des Sachverhalts der Telepathie noch folgende Begriffe vor: Metagnomie, Telepsychie, Diapsychie (Emile Boirac, 1851-1917); Telästhesie (F.W.H. Myers, 1843-1901); Telemnesie (J.H. Hyslop, 1854-1920); Kryptästhesie (Charles Richet, 1850-1935).
Die Einteilung der Hellseh-Arten erfolgt meist nach der zeitlichen „Lage“ des paranormal empfangenen Sachverhalts: 1. zeitliches H.: Information über einen zukünftigen Sachverhalt (Präkognition, bei heilsgeschichtlichen, theologischen Aussagen spricht man von Prophetie); hellseherische Rückschau in die Vergangenheit, > Retrokognition. 2. räumliches H.: gegenwärtige, simultan gegebene, jedoch fernliegende Objekte werden hellseherisch erfasst: z.B. Auffinden von Gegenständen oder Personen unbekannten Aufenthalts, > Telästhesie. Der Sonderfall des sog. „reisenden Hellsehens“ (travelling clairvoyance) kann nicht immer streng vom Sachverhalt einer Astralprojektion im Sinne einer Ich-Exkursion getrennt werden.
Hellsehen soll sowohl im Wachbewusstsein als auch in anderen Bewusstseinszuständen auftreten, z.B. in Trance oder im Schlaf bzw. Traum. Der Intensität nach werden bei außersinnlichen Wahrnehmungen sichere Kenntnis, unbestimmtes Ahnen oder ein Pseudo-Sinneseindruck (Halluzination oder Traum, realistisch oder verschlüsselt) unterschieden. Die historischen Berichte zu H. sind zahlreich und einzeln auf ihre Echtheit zu untersuchen.
Lit.: Resch, Andreas: Der Traum im Heilsplan Gottes: Deutung und Bedeutung des Traums im Alten Testament. Freiburg i.Br. u.a.: Herder, 1964; Bender, Hans: Telepathie, Hellsehen und Psychokinese. München: Piper, 1989; Bauer, Eberhard/Schetsche, Michael (Hrsg.): Alltägliche Wunder: Erfahrungen mit dem Übersinnlichen, wissenschaftliche Befunde (Grenzüberschreitungen; 2). Würzburg: Ergon-Verlag, 2. Aufl. 2011.