(* Um 1633; † ca. 1689), niederländischer protestantischer Mystiker, Visionär mit angeblich paranormalen Fähigkeiten (Xenoglossie, Außerkörperliche Erfahrungen). Von seiner Krankheit sei er während einer Vision geheilt worden.
H. konnte tagelang weder essen noch schlafen und fiel anschließend in einen vierzigstündigen Schlaf. Zum Erstaunen des Pastors Potinius sprach der ungebildete Laie Hebräisch, Griechisch und Latein. In der Folge hatte er immer wieder Visionen und ekstatische Zustände, in denen ihm angeblich Christus erschien, dessen Belehrungen und Heilungen er empfing und dessen Passion er nacherlebte. Dabei legte H. großen Wert auf den ganz persönlichen Charakter seiner Erfahrungen, alles Exoterische oder gar Missionarische lag ihm fern. Sein „Lebenslauf“ wurde auf ausdrücklichen Wunsch der Freunde und ohne Absicht einer Veröffentlichung erzählt. H. selbst schätzte das verschwiegene Wort. Ein „verschlossener Garten“ sei er, zu dem nur Christus den Schlüssel habe, sagte er den Freunden. Er wollte im Verborgenen leben und lehnte jede Publizität strikt ab.
Quellen: Levens-Loop van Hemme Hayen, op begeeren van eenige Vrinden door hem verhaalt, en door de zelven aldus opgeschreeven, den 10 Mey, Ao. 1689, Haarlem 1714 (2. Aufl. ebd. 1745; dt. Übers. in: Johann Henrich Reitz: Historie der Wiedergebohrnen. T. V, Idstein 1717, S. 169-199 [Reprint Tübingen 1982]; weitere dt. Ausg. u.d.T.: Lebensgeschichte des Hemme Hayen, eines niederländischen Bauern und wahrhaften Clairvoyanten, nebst einigen Bemerkungen des deutschen Herausgebers. Nürnberg, 1810).
Lit.: Bernz, Ernst: Die Vision: Erfahrungsform und Bilderwelt. Stuttgart, 1969; Hollweg, Walter: Die Geschichte des älteren Pietismus in den reformierten Gemeinden Ostfrieslands von ihren Anfängen bis zur großen Erweckungsbewegung um 1650-1750 (Abhandlungen und Vorträge zur Geschichte Ostfrieslands, LVII). Aurich, 1978, S. 183-192.