Später Abdel Wahid Yahia (* 15.11.1886 Blois, Frankreich; † 07.01.1951 Kairo), französischer Metaphysiker und esoterischer Schriftsteller, gilt als Begründer der Traditionalistischen Schule.
Aus Gesundheitsgründen konnte G. erst mit 12 Jahren die öffentliche Schule besuchen.1903 begann er in Paris Mathematik zu studiern, wechselte dann aber zur Philosophie. 1912 wurde er in einem traditionellen Sufiorden initiiert und nahm den Sufinamen Abdel Wahid Yahia an. Mit 26 Jahren hatte sich G. bereits in diversen okkultistischen und freimaurerischen Zirkeln bewegt. Er erhielt auch Einweihungen in indische und taoistsche Lehren.
Ebenfalls 1912 heiratete er (katholisch) Berthe Loury. Bald darauf begann er in einer antifreimaurerischen Zeitschrift zu publizieren und Studien über christliche Symbolik, Ikonographie und Dante zu betreiben. 1921 wurde seine Dissertation über die Hindulehren abgelehnt und sein erstes Buch (gegen die Theosophie) fertiggestellt.
Nachdem G. in seiner Jugend in Pariser Okkult-Kreisen verkehrt hatte, übte er nun scharfe Kritik am Okkultismus, an der Theosophischen Gesellschaft von Madame Blavatsky, am O.T.O. und am Golden Dawn.
Seine Sufizugehörigkeit verbarg er, bis er nach dem Tod seiner Frau 1930 nach Ägypten reiste, um in Kairo nach Sufischriften zu suchen. G. trat zum Islam über und heiratete die des Lesens und Schreibens unkundige Fatma Hanem, die ihm drei Kinder schenkte. 1949 wurde ihm die ägyptische Staatsbürgerschaft verliehen.
G. starb am 7. Januar 1951 im Alter von 64 Jahren und hinterließ ein breitgefächertes Werk, um das sich verschiedene Gruppen und Autoren bemühten, so auch der deutsche Philosoph Leopold Ziegler, der insbesondere in seinen Werken Überlieferung (1936) und Menschwerdung (1948) die Lehre von G. unter christlich-katholischen Vorzeichen weiterführte.
Von den zahlreichen Werken seien hier nur einige genannt:
W.: Le Roi du Monde1(1927), dt. Ausg.: Der König der Welt. Planegg: O.W. Barth, 1956; La crise du monde moderne (1927), dt. Ausg.: Die Krisis der Neuzeit. Köln: Hegner, 1950; Lʼésotérisme de Dante (1925). Freiburg i.Br.: Aurum, 1987; Le symbolisme de la croix (1931), dt. Ausg.: Die Symbolik des Kreuzes. Freiburg i.Br.: Aurum, 1987; Les états multiples de lʼÊtre (1932), dt. Ausg.: Stufen des Seins: die Vielzahl der Welten. Freiburg i.Br.: Aurum, 1987.
Lit.: Neumann, Wolfgang: René Guénon: Ein französischer Esoteriker des 20. Jahrhunderts, in: Michael Klöcker/Udo Tworuschka (Hrsg.): Handbuch der Religionen: Kirchen und andere Glaubensgemeinschaften in Deutschland (1997ff.).