Daktyliomantie

Griech. daktylos, Finger; mantiké, Wahrsagung; engl. dactylomancy, it. dattilomanzia, Fingerringorakel, Wahrsagen mit Hilfe von Fingerringen. Dabei wird im Allgemeinen ein > Ring an einen Faden gebunden und dieser mit Daumen und Zeigefinger so gehalten, dass sich der Ring entsprechend der Mikroreaktion der Muskeln der Finger frei bewegen kann. Diese Methode geht auf das berühmte Orakel von > Dodona zurück, wo man die Bewegung des Ringes über einem Buchstabenkreis auf einem Becken Zeus zuschrieb. Die Methode erfreute sich großer Beliebtheit. So schreibt Ammianus Marcellinus (330-395) in seinen Rerum Gestarum:

„Dann lässt er einen an einem sehr dünnen carfathischen Faden befestigten und unter Zauberriten geweihten Ring schwingen: wenn nun dieser Ring von Zeit zu Zeit, von einzelnen Buchstaben angezogen, sprungweise ausschlägt, macht er heroische Verse, entsprechend den gestellten Fragen mit genau jener Silbenzahl und jenem Versmaß schließend wie pythische Verse oder jene der Orakel der Branchiden lauten.“ Als sie dann die Frage nach dem Nachfolger von Fulvius Valens (364-378) stellten und der Ring die Silbe ,Theo‘ anzeigte wussten sie: „Theodorus sei es nach dem Ratschluss des Schicksals“ (Rerum Gestarum, XXVIII.1.5).

 Diese Form der D. hat sich bis heute nicht wesentlich verändert, mögen auch Ring und Buchstabenträger verschiedene Materialien aufweisen und die Anrufungen an andere Wesenheiten gerichtet sein, wie etwa bei spiritistischen Sitzungen an Verstorbene oder in Wahrsagekreisen an Naturkräfte, Götter oder Dämonen.

Lit.: Ammianus Marcellinus: Rerum Gestarum Libri qui supersunt. Recensuit, Rhytmiceque distinxit Carolus U. Clarc. Vol. II Paris I, Libri XXVI-XXXI. Berolini Apud Weidmannos MDCCCCXV (Übers. Autor); Resch, Andreas: Zur Geschichte und Theorie des siderischen Pendels mit Bericht über eigene Experimente. Diss., Innsbruck, 1967, S. 4-7.

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