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A. Resch

Andreas Resch: Teresa von Avila

Andreas Resch: Teresa von Avila

ANDREAS RESCH

TERESA VON ÁVILA

ORDENSGRÜNDERIN, MYSTIKERIN UND KIRCHENLEHRERIN
Zum 500. Geburtstag

     I. Leben
    II. Physis, Bios, Psyche, Pneuma
   III. Wachzustände
   IV. Erhöhte Zustände
   V. Hypnische Zustände
  VI. Letargische Zust ände

Inhalt

Aus Anlass des 500. Geburtstages der Kirchenlehrerin und Mystikerin Teresa von Ávila ist es angebracht, ihr Leben, besonders aber ihre unübertroffenen Beschreibungen religiöser Erfahrung in einen psychologischen Rahmen einzubauen, der auch geeignet ist, mystische Erfahrungen aufzunehmen.

I. LEBEN

Die hl. Teresa von Ávila (Abb. 1) wurde am 28. März 1515 als Tochter von Beatriz de Ahumada und Alonso Sánchez de Cepeda, einer reichen kastilischen Adelsfamilie, in Ávila, Spanien, geboren. Der Vater war zweimal verheiratet. Mit Catalina del Peso hatte er zwei Kinder. Nach ihrem Tod 1507 ehelichte er zwei Jahre später Beatriz de Ahumada, die ihm zehn Kinder schenkte.

Theresia von Avvila

Abb.1

Ihre Kindheit verbrachte Teresa bis zum Tode ihrer Mutter 1528 im Kreis der Familie. Danach kam sie in das Internat der Augustinerinnen in Ávila, das sie wegen schwerer Krankheit aber bald wieder verließ.
Sie fühlte nun immer stärker den Zwiespalt zwischen ihrer Freude am weltlichen Leben und ihrer Angst vor Hölle und Ewigkeit, die sie, gegen den Willen des Vaters, 1535 in das Noviziat der Karmelitinnen in Ávila trieb. Nach tiefen religiösen Erfahrungen erkrankte sie auch hier. Sie spürte, wie sie die Kraft des inneren Gebets verlor und suchte Ablenkung vom gesellschaftlichen Leben des Klosters, das eher ein feudales Damenstift mit Dienerschaft und regem Besucherandrang war. 15 Jahre lang führte sie ein höchst qualvolles Leben. Auf der einen Seite vernahm sie den Ruf Gottes, auf der anderen Seite die Verlockungen der Welt.
1554 erlebte Teresa ihre innere Umkehr und 1558 fasste sie den Entschluss, nach dem Vorbild der Klarissinnen die Regel der Loslösung von der Welt, des Bußgebets und der Armut wiedereinzuführen. Letztere bezog sich auch auf die Fußbekleidung, weshalb die Schwestern dann die Unbeschuhten genannt wurden. 1560 erfolgte die Begegnung mit dem hl. Petrus von Alcantara, der großen Eindruck bei ihr hinterließ.
Am 24. August 1562 gründete sie den Konvent vom hl. Josef, das erste Kloster der Unbeschuhten Karmelitinnen in Ávila. Es folgten die Gründungen von 17 Frauen- und Männerklöstern. Das erste Männerkloster der Unbeschuhten wurde am 1. Adventsonntag 1568 in Duruelo gegründet.

1571 wurde sie Priorin des Convento de la Encarnación in Ávila und als solche verbot sie den Schwestern, über ihre Ekstasen und Levitationen zu berichten.
Teresa von Ávila starb am 4. Oktober 1582 während einer Visitationsreise in Alba de Tormes. In der Nacht ihres Todes trat die gregorianische Kalenderreform in Kraft, sodass der nächste Tag der 15. Oktober war. An diesem Tag wurde Teresa unter dem Chorgitter der Schwestern in der Erde beigesetzt. Bei Öffnung des Grabes am 1. Juli 1583 und dann am 24. November 1585 wurde der Leichnam unversehrt vorgefunden.

Am 24.04.1614 wurde Teresa durch Papst Paul v. seliggesprochen und am 12.03.1622 durch Papst Gregor xv. heiliggesprochen. Am 27.09.1970 ernannte sie Papst Paul vi. zur Kirchenlehrerin. Zum 500. Geburtstag wurde der gelehrten Ordensfrau und Mystikerin am 5. August 2015 schließlich die Ehrendoktorwürde ihrer katholischen Heimatuniversität Ávila verliehen.
Neben ihrer Autobiografie und den Büchern Weg der Vollkommenheit, Das Buch der Gründungen, Die Seelenburg sowie kleineren Schriften verfasste Teresa auch 31 Gedichte und 458 Briefe.

II. PHYSIS, BIOS, PSYCHE, PNEUMA

Nach dieser kurzen Lebensbeschreibung der Teresa von Ávila wollen wir, wie schon angedeutet, anhand ihrer Werke Das Leben der Heiligen Theresia von Jesu, Weg der Vollkommenheit und Die Seelenburg den Versuch unternehmen, ihre Beschreibungen der Bewusstseinsformen des Gebets und der mystischen Erlebnisse in eine umfassende psychologische Gliederung der Bewusstseinszustände einzubauen.

Eine solche Gliederung hat sich nach unserer Vorstellung an den Wechselwirkungen der vier Grundqualitäten des Menschen, Physis, Bios, Psyche und Pneuma, zu orientieren. Dabei versteht man unter Physis die Natur als solche, unter Bios den lebenden Organismus, unter Psyche die Fähigkeit zu Empfinden und Fühlen und unter Pneuma die Fähigkeit der Bildung von Allgemeinbegriffen, der Reflexion, des Denkens, der Intuition, der Kreativität und Weisheit.
Die Eigenart und Wechselwirkung dieser vier Grundqualitäten des Menschen ist in der folgenden tabellarischen Darstellung (Abb. 2) veranschaulicht.

Ganzheitspsychologie
Abb.2
Die Gliederung erwächst aus der Erkenntnis, dass das jeweilige Zusammenwirken von Physis, Bios, Psyche und Pneuma zu Grundformen des Erlebens führt, welche ereignisunabhängig die einzelnen Bewusstseinsformen, mit Ausnahme der Pneumostase, je nach Dominanz mitbestimmen, nämlich:
1) die ozeanische Selbstentgrenzung oder die Erfahrung des Unendlichen,
2) die angstvolle Ich-Auflösung oder die Erfahrung der Enge bzw. des Todes.
Dieser Kontrast kann vom Ich nur durch eine visionäre Umstrukturierung oder durch die äußere und innere Harmonisierung aus der Erfahrung bewältigt werden.1
In den folgenden Ausführungen sollen die in der Tabelle genannten Bewusstseinszustände mit Aussagen der Teresa von Ávila in den genannten drei Schriften veranschaulicht werden.
Um hier höchstmögliche Authentizität zu gewährleisten, werden die betreffenden Texte mit jeweiliger genauer Quellenangabe im Original aneinandergefügt. Dazu ist noch zu bemerken, dass Teresa von Ávila die hier verwendeten Schriften in Gehorsam, letzter Verantwortung und aus persönlich erlebter Erfahrung verfasst hat. Dabei zeigt sie nicht nur eine außerordentliche Beobachtungsgabe, sondern auch noch eine klare Strukturierung der gemachten Erfahrungen durch Nennen der verschiedenen Gebetsformen und der Gliederung derselben durch Zuweisung zu sieben unterschiedlichen Wohnungen in der Seelenburg.

In dieser Seelenburg umfassen die ersten drei Wohnungen oder Abteilungen das aktive oder diskursive Gebet, die 4. bis 7. Wohnung das beschauliche Gebet.
In unserer Gliederung wird das diskursive Gebet in Form eines Selbstgesprächs dem Protobewusstsein und als erklärende Beschreibung der Vigilanz zugeordnet. Das beschauliche Gebet wird hingegen in der Form der dritten und vieren Art des Gebets der Bewusstseinsform Luzidität, als Entrückung und Geistesflug der Ekstase, als Erlebnis der Vereinigung der Psychostase und als mystische Vermählung der Pneumostase zugeordnet.

III. WACHZUSTÄNDE

Die Wachzustände umfassen alle Bewusstseinszustände vom konzentrierten Umweltbezug bis zur relativen Umweltvergessenheit, nämlich: Protobewusstsein, Vigilanz und Luzidität.

1. Protobewusstsein

Der zentralste und ursprüngliche Bewusstseinsbereich, den ich als Protobewusstsein bezeichne, worauf auch der bekannte amerikanische Psychiater Benjamin B. Wolman aufmerksam machte, ist jener Zustand der Selbsterfahrung und Selbstwahrnehmung, in dem das Bewusstsein von den psychischen und geistigen Erlebnissen und Wahrnehmungen so getragen wird, dass die Umweltorientierung mehr oder weniger zurücktritt, wenngleich eine allgemeine oder partielle Vigilanz sowie die Erinnerung an die verlassene Umweltkonzentration aufrechtbleibt. Es ist dies der Zustand des Selbstgesprächs oder, ganz allgemein gesprochen, der inneren Reflexion, der Lebenserfahrung, Lebensgestaltung, der Klarträume, der Meditation und somit Ausgangspunkt und Bezugspunkt aller Bewusstseinszustände.

In diesem Zustand des Protobewusstseins befasst sich die Person in vollem Bewusstsein mit den Inhalten der Langzeiterinnerung, das nach der Kognitionspsychologie mindestens durch zwei Grundformen gekennzeichnet ist.
– von der Tatsache, dass „wir etwas wissen“, und
– von der Tatsache, dass wir wissen, „dass wir es wissen“.
In das Protobewusstsein sind somit bei Teresa von Ávila alle religiösen Erwägungen zwischen Vigilanz und Luzidität einzureihen. Dazu gehören sämtliche Aussagen zu ihren religiösen Erfahrungen, die sie mit „innerer Ruhe“ und „inneren Gesprächen“ kennzeichnet und in die zweite und dritte Wohnung verlegt.

„Hier in den Gemächern dieser dritten Wohnung fehlt es den Seelen nicht an (geistigen) Tröstungen, womit der Herr sie belohnt, er der gerechte und Barmherzige, der immer viel mehr gibt, als wir verdienen.“2
„Nur das eine sei hier erwähnt, dass das innerliche Gebet die Pforte zu jenen so großen Gnaden war, die mir der Herr erwiesen hat.“3
Die Gebetsform war damals folgende:
„Da ich mit dem Verstande nicht nachsinnen konnte, so befliss ich mich, mir Christus als in mir gegenwärtig vorzustellen, und zwar war es mir, wie ich meine, bei der Vorstellung jener Geheimnisse am wohlsten, bei denen ich ihn mehr einsam sah. Mir schien es da, er würde, weil so einsam und betrübt, mich um so lieber in seiner Nähe dulden, wie jemand, der des Trostes bedarf.“4
Teresa hatte schon vorher
„sehr häufig ein gewisses zärtliches Andachtsgefühl empfunden, das man sich, wie mir scheint, zum Teil selbst etwas verschaffen kann. Es ist dies eine Wonne, die weder ganz sinnlich, noch ganz geistig, immerhin aber gänzlich eine Gabe Gottes ist.“5
„Weil wir also nicht alles völlig auf einmal hergeben, darum wird auch der Schatz der vollkommenen Liebe uns nicht auf einmal zuteil.“ 6
Diese Gebetsform liegt auf jener Stufe, die Teresa das Gebet der Ruhe nennt.
„Die Seele beginnt hier sich zu sammeln, indem sie schon etwas Übernatürliches berührt.“7
„Zur Zeit des Ruhegebetes hat nun die Seele nicht anderes zu tun, als sich in stiller Hingabe und ohne Geräusch zu verhalten. Geräusch nenne ich hier, wenn man mit dem Verstande viele Erwägungen anstellt und nach vielen Worten sucht, um für diese Wohltat zu danken.“8
„Ein weiteres Kennzeichen, und zwar das sicherste von allen, ist dieses, dass so eine Selbstansprache ohne Wirkung bleibt, während die Ansprachen des Herrn Worte und Werke zugleich sind.“ 9
„Trotzdem kann der böse Feind doch noch viele Täuschungen verursachen. Darum gibt es hier keine so große Sicherheit, dass man gar nichts mehr zu fürchten, nicht immer auf der Hut zu sein und nicht einen gelehrten Führer nötig hätte, dem man nichts verschweigt.“10
„Den Mut, den mir der Herr wider die bösen Geister gegeben, halte ich für eine der größten Gnaden, die er mir verliehen hat.“11
Auf dieser zweiten Stufe des Gebets stehen jene,
„die das innerliche Gebet schon zu üben begonnen haben und erkennen, wieviel für sie davon abhängt, nicht in der ersten Wohnung zu bleiben. Aber ihr Entschluss steht noch nicht so fest, dass sie nicht oftmals dahin zurückkehrten, weil sie die Gelegenheiten nicht meiden.“12
Dadurch kann die Seele allerdings in besondere Bedrängnisse geraten, weil sie nicht weiß,
„ob sie vorwärts schreiten oder in das erste Gemach zurückkehren soll! Andererseits stellt ihr die Vernunft die Einflüsterungen der bösen Geister als Täuschung vor Augen und gibt ihr zu bedenken, dass alles andere nichts ist im Vergleich mit dem, wonach sie strebt.“13
„Was sollen wir jenen, die durch die Barmherzigkeit Gottes die genannten Kämpfe siegreich bestanden haben und durch ihre Ausdauer in die dritte Wohnung eingegangen sind, anders zurufen als ,Glückselig der Mann, der den Herrn fürchtet?‘ (Ps 111,1).“14
„Der Herr wird euch in deren Verständnis einführen, damit die Trockenheiten Demut in euch bewirken und nicht Unruhe, wie der Teufel es beabsichtigt. Glaubet mir: Wenn eine Seele wahrhaft demütig ist, so wird ihr Gott, sollte er ihr auch niemals Tröstungen verleihen, doch einen Frieden und eine Gleichförmigkeit mit seinem Willen schenken, in der sie viel zufriedener ist, als andere bei ihren Tröstungen.“15

2. Vigilanz

Die Vigilanz oder das Wachbewusstsein ist ganz allgemein gekennzeichnet durch den konzentrierten Umweltbezug, die zielgerichtete Bewegung und die Eigenreflexion.
Der Bewusstseinszustand der Vigilanz stellt sich nur ein, wenn man eine neue Information empfängt oder eine neue Reaktion erlernt, eine erwartete Information oder Reaktion nicht eintritt oder neue Verhaltens- und Reaktionsformen erforderlich werden.

Die Intensität der Aufmerksamkeit und der Vorbereitung auf die Reaktion hängen nämlich vom Ergebnis des Vergleichs des Schemas der eintreffenden Reize mit den registrierten Schemata des Langzeitgedächtnisses zusammen. Dieser Vergleichsprozess, der nach 200 – 250 ms nach der Reizung erfolgt, steht zeitlich an der Schwelle zwischen vorbewusster oder protobewusster Verarbeitung und dem Kurzzeitgedächtnis.
Die Vigilanz ist schließlich auch unter dem Aspekt der Selbstwahrnehmung und der Selbsterfahrung zu betrachten. Hier sind daher all jene Aussagen der hl. Teresa von Ávila einzureihen, die das bewusste Alltagsleben betreffen oder reinen Informationscharakter über ihr Leben und ihre Lebenserfahrungen beinhalten. So gereichte die Gabe des Gebets, die der Herr verlieh,
„zu großem Nutzen, da er mich erkennen ließ, was es heiße, in zu lieben; von da an gewahrte ich in kurzer Zeit neue Tugenden an mir,…“16
„Da ich mich in so jugendlichem Alter des Gebrauchs aller Glieder beraubt und durch die Behandlung der irdischen Ärzte so übel zugerichtet sah, entschloss ich mich, zu den himmlischen Ärzten meine Zuflucht zu nehmen, damit diese mich heilen möchten;…“17
„Ich führte ein so unvollkommenes Leben, dass ich die lässlichen Sünden fast gar nicht beachtete. Die Todsünden fürchtete ich zwar noch, doch nicht so, wie es hätte sein sollen, weil ich ihre Gefahren nicht mied. Ich kann sagen, dass diese Lebensweise eine der peinlichsten ist, die man sich meines Erachtens denken kann. Ich fand keinen Genuss in Gott und hatte auch keine Freude an der Welt. Gab ich mich weltlichen Vergnügungen hin, so peinigte mich die Erinnerung an das, was ich Gott schuldig wäre; beschäftigte ich mich mit Gott, so ließen mir die weltlichen Neigungen keine Ruhe.“18
„Von denen, die erst das innerliche Gebet zu üben beginnen, kann man sagen, dass sie jenen gleichen, die das Wasser aus dem Brunnen schöpfen. Dies geschieht, wie gesagt, nur mit großer Mühe von ihrer Seite; denn sie müssen mit ermüdender Anstrengung ihre Sinne einsammeln, was bei deren gewohntem Umherschweifen etwas sehr Hartes für sie ist... Deshalb müssen sie die Einsamkeit aufsuchen und da abgesondert von allem über ihr vergangenes Leben nachdenken.“19
„Wenn ich nun sage, die Seele dürfe sich nicht eher emporschwingen wollen, als bis Gott sie höher stellt, so ist dies eine mystische Redeweise. Wer in dieser Beziehung nur einige Erfahrung hat, der wird mich verstehen; wem aber diese Sache noch unverständlich ist, dem kann ich sie nicht anders erklären.“20
„Darum wollen wir uns bemühen, immer nur auf die Tugenden und guten Werke anderer zu sehen, ihre Fehler aber mit unseren großen Sünden zu bedecken.“21
„Soviel ich verstehen kann, ist die Pforte, durch die man in diese Burg eingeht, das Gebet und die Betrachtung.“22
Dabei besteht das innerliche Gebet darin,
„dass wir bedenken und erkennen, was wir beten, wer der ist, mit dem wir reden, und wer wir sind, die wir mit einem so großen Herrn zu sprechen wagen.“23

3. Luzidität

Die Luzidität ist gekennzeichnet durch psychische und geistige Klarheit sowie durch ein unmittelbares bildhaftes wie auch akustisches Erfassen von Inhalten und Ereignissen, die auf dem normalen Erkenntnisweg nicht wahrnehmbar sind. Dazu gehören das spontane Auftreten von Erlebnissen sowie Inhalte, die über die Sinneswahrnehmung in Form von Visionen, Hellsehen, Telepathie, Auditionen, Paragnosie, Retrokognition, Präkognition usw. hinausgehen. Die Freiheit des Urteils bleibt jedoch bestehen.
Im Unterschied zu Protobewusstsein und Vigilanz sind Ich und Selbst im Zustand der Luzidität in erster Linie passive Empfänger. Die Bewusstseinsinhalte stellen sich im somatischen, psychischen und geistigen Bereich mit überzeugender Klarheit völlig von selbst ein. Die wahrnehmende Person, die von der Luzidität bzw. von der Klarheit einer plötzlichen und der Sinneswahrnehmung völlig fremden Wahrnehmung erfasst wird, bleibt dabei jedoch im Vollbesitz des Bewusstseins und der persönlichen Freiheit. Dieser Zustand der Luzidität ist meist nur von kurzer Dauer und geht nicht selten in den Zustand der Vigilanz, Ekstase, Psychostase oder Pneumostase über.

Bei der Deutung solch luzider Erfahrungen und Erkenntnisse, die nach Teresa von Ávila die dritte und vierte Art des Gebets umfassen, ist jedoch äußerste Zurückhaltung geboten, weil sich nur allzu leicht Selbsttäuschung und Selbstgefälligkeit einschleichen.
„Die Seelenkräfte befinden sich in einem Zustande des Schlafes, wobei sie sich zwar nicht ganz verlieren, aber auch nicht begreifen, wie sie wirken... Es ist dies eine glorreiche Verrücktheit, eine himmlische Torheit, in der man die wahre Weisheit erlernt; ...
Bei diesem Gebete sind die Seelenkräfte zu nichts anderem fähig, als sich nur mit Gott allein zu beschäftigen.“24
„Die Tugenden erstarken hier mehr als bei dem vorigen Gebete der Ruhe.“25
„Hier aber, auf der vierten Gebetsstufe, merkt man gar nichts von einer Arbeit, sondern hat nur Genuss, ohne jedoch zu verstehen, was man genießt. Man erkennt zwar, dass man ein Gut genießt, in dem alle Güter zusammen eingeschlossen sind, aber man begreift nicht dieses Gut. Alle Sinne sind so sehr in diesen Genuss verschlungen, dass es keinem von ihnen möglich ist, sich, sei es innerlich oder äußerlich, mit etwas anderem zu beschäftigen. Auf der vorigen Gebetsstufe war es den Sinnen, wie gesagt, noch gestattet, von der großen Wonne, die sie dort empfanden, einige Andeutung zu geben; hier aber, wo die Seele eine unvergleichlich größere Wonne genießt, kann sie diese weit weniger kundgeben, weil weder dem Leibe noch der Seele soviel Kraft bleibt, dass ihr eine Mitteilung möglich wäre. ...
Wie nun das ist, was man Vereinigung nennt, und was es ist, kann ich nicht erklären.“26
„Die Erhebung oder Vereinigung des Geistes wird durch die himmlische Liebe, von der die Seele innerlichst durchglüht ist, bewirkt; jedoch ist, wie ich es verstehe, zwischen der Vereinigung selbst und zwischen der Erhebung in dieser Vereinigung ein Unterschied.“27
Denn der Herr wirkt „obgleich beide Gnaden wesentlich das nämliche sind, doch bei jeder auf verschiedene Weise, und es wird der Seele beim Geistesfluge eine weit vollkommenere Losschälung von den Geschöpfen zuteil, als dies bei der einfachen Vereinigung der Fall ist.“28
„Als ich mich an einem Festtage des glorreichen heiligen Petrus eben im Gebete befand, sah ich oder, besser gesagt, nahm ich wahr – ich sah nämlich weder mit den Augen des Leibes noch der Seele etwas –, dass Christus ganz nahe bei mir stand. Zugleich erkannte ich, dass er es sei, der, wie mir geschienen, (immer) zu mir spreche. Ich wusste ganz und gar nicht, dass es eine solche Vision geben könne; darum überfiel mich anfangs eine große Furcht, und ich konnte nur weinen. Sobald aber der Herr nur ein einziges Wort zu meiner Beruhigung gesprochen, war ich, wie gewöhnlich, voll Ruhe, voll Trost und ohne alle Furcht.“29
Nach den Gelehrten
„ist es unter allen Arten von Visionen gerade diese, in die sich der böse Feind am allerwenigsten einmischen könne.“30
„Man nimmt diese Gegenwart Gottes nur aus den Wirkungen wahr, die sie, wie gesagt, in der Seele hervorbringt und wodurch Seine Majestät sich ihr fühlbar machen will.“31
Bei dieser Vision kann Teresa sogar mit Sicherheit behaupten, dass es der Herr ist,
„denn ohne etwas zu sehen, nimmt man die Gegenwart des Herrn durch eine so klare Erkenntnis wahr, dass man meines Erachtens daran nicht zweifeln kann. Ja, nach dem Willen des Herrn soll seine Gegenwart dem Verstande so deutlich eingeprägt werden, dass ein Zweifel noch weniger möglich ist, als wenn man etwas mit leiblichen Augen sieht.“32
„Es ist dies eine so himmlische Sprache, dass sie, wenn nicht der Herr selbst sie durch die Erfahrung lehrt, auf Erden nicht wohl verständlich gemacht werden kann, wie gern man auch wollte.“33
„Bei den Ansprachen, von denen zuvor die Rede war, bewirkt Gott, dass der Verstand, wenn er auch nicht will, auf das merkt, was Gott spricht.“34
„Die erwähnte Vision dauerte einige, wenn auch nur wenige Tage sehr anhaltend fort und brachte mir großen Nutzen; ... Wenige Tage darnach schaute ich auch sein göttliches Angesicht, worüber ich vor Staunen ganz außer mir zu sein schien. Ich konnte nicht begreifen, warum der Herr, der mir doch später noch die Gnade erwies, dass ich ihn ganz schauen sollte, sich mir nur so allmählich zeigte.“35
„Es kommt also nicht darauf an, ob man die Vision wolle oder nicht. Der Her will offenbar nichts als Demut, Selbstbeschämung, und dass wir das Gegebene annehmen und den Geber dafür lobpreisen.“36
„Fast immer zeigte sich mir der Herr in der Gestalt seiner Auferstehung, und in dieser Weise sah ich ihn auch in der Hostie. Nur wenn er mich in einer Trübsal stärken wollte, zeigte er mir einigemal seine Wunden.“37
„Es gefiel dem Herrn, mich in diesem Zustande einigemal mit folgender Vision zu begnadigen: Ich sah neben mir, gegen meine linke Seite zu, einen Engel in leiblicher Gestalt... Obgleich mir oft Engel erscheinen, so geschieht dies doch gewöhnlich, ohne dass ich sie sehe,…“38
„In den Händen des mir erschienenen Engels sah ich einen langen goldenen Wurfpfeil, und an der Spitze des Eisens schien mir ein wenig Feuer zu sein. Es kam mir vor, als durchbohre er mit dem Pfeile einigemal mein Herz bis aufs Innerste, und wenn er ihn wieder herauszog, war es mir, als zöge er diesen innersten Herzteil mit heraus. Als er mich verließ, war ich ganz entzündet von feuriger Liebe zu Gott.“39
Zu diesen Liebesbezeugungen gesellten sich auf dieser Stufe immer auch Momente längerer oder kürzerer Versuchungen.
„Diesmal hielt jedoch die Versuchung nur solange an, als dieser Tag dauerte, während sie sonst acht bis vierzehn Tage, auch sogar drei Wochen oder vielleicht noch länger währte.“ 40
„Nachdem ich von einigen inneren und geheimen Anfechtungen und Beunruhigungen gesprochen habe, die der böse Feind mir bereitete, will ich nun von anderen Quälereien reden, die er mir fast öffentlich zufügte, und bei denen niemand zweifeln konnte, dass er im Spiele sei.“ 41
„Einmal, es war auch in dieser Zeit, meinte ich des Nachts, sie würden mich erwürgen; als aber die Schwestern viel Weihwasser aussprengten, sah ich eine große Menge dieser höllischen Geister forteilen, wie wenn sie sich in einen Abgrund stürzten.“ 42
„Lange Zeit, nachdem mir der Herr schon viele der erwähnten und noch andere sehr hohe Gnaden verliehen hatte, glaubte ich eines Tages, da ich eben im Gebete war, plötzlich und ohne zu wissen wie mit Leib und Seele in die Hölle versetzt zu sein. Ich erkannte, dass mir der Herr den Ort schauen lassen wollte, den die bösen Geister dort für mich bereitet hatten, und den ich durch meine Sünden verdient hätte. Dies ging in kürzester Zeit vor sich; allein wenn ich auch noch so viele Jahre leben würde, so kann ich es doch, wie ich glaube, unmöglich vergessen.“ 43
In echtem Kontrast dazu steht die Vision der Gottesmutter.
„Außerordentlich war die Schönheit, in der ich unsere liebe Frau erblickte, obschon ich nicht die einzelnen Züge ihres Antlitzes, sondern nur deren ganze Gestalt auf einmal sah. Sie war weiß gekleidet und von einem übergroßen Glanze umgeben, der das Auge nicht blendete, sondern lieblich erquickte. Den glorreichen heiligen Joseph sah ich nicht so deutlich;….“ 44
„Vor allem ist zu wissen, das bei diesen Gnaden, die der Herr der Seele erweist, mehr oder weniger Wonne ist; denn bei einigen Visionen übertrifft die damit verbundene Beseligung, Süßigkeit und Tröstung die bei anderen mitgeteilte so weit, dass ich über den großen Unterschied der Wonne schon in diesem Leben nur staunen muss.“45
„Als ich eines Tages zur Kommunion ging, sah ich mit den Augen der Seele, und zwar viel deutlicher als mit leiblichen Augen, zwei Teufel in ganz abscheulicher Gestalt, wie sie mit ihren Hörnern die Kehle des armseligen Priesters zu umfangen schienen. Zugleich sah ich in der Hostie, die er in seinen Händen hielt und mir zu reichen im Begriffe stand, meinen Herrn in der geschilderten Majestät.“ 46
„Der Herr teilt eben seine Gnaden aus, wann er will, wie er will und wem er will, ohne dadurch irgend jemanden Unrecht zu tun; sie sind sein Eigentum, über das er frei verfügen kann.
In diese Wohnung drängen sich die giftige Tiere selten ein; ... ich halte es für weit besser, wenn sie eindringen und auf dieser Stufe des Gebetes zum Kampfe reizen, denn wenn die Seele nicht versucht würde, könnte der böse Feind die Süßigkeiten, die Gott ihr verleiht, dazu benützen, sie zu täuschen und ihr einen weit größeren Schaden zuzufügen, als wenn sie unter Versuchungen leben würde;…“ 47
„Um auf diesem Wege weit voranzuschreiten und zu den ersehnten Wohnungen zu gelangen, hängt es nicht davon ab, dass wir viel denken, sondern viel lieben;…“ 48

Schließlich ist noch darauf zu verweisen, dass bei all diesen Formen des Wachzustandes auch stets die Zustände der möglichen Übergänge (Transite) zu den anderen Zuständen zu beachten sind, zumal der einzelne Zustand oft nur Bruchteile von Sekunden dauern kann, wie etwa ein Gedankenblitz als Zustand der Luzidität.

4. Ekstase

Eine Ekstase ist die volle Inanspruchnahme durch einen psychischen und geistigen Inhalt bis zur völligen Ausschaltung des Umweltbezugs und Verminderung der Sensibilität für äußere Reize sowie der motorischen Bewegung, verbunden mit einer Modifizierung von Blutkreislauf, Atmung und Stoffwechsel.

Im Unterschied zur Luzidität sind in der Ekstase Psyche und Pneuma so sehr von einer Erfahrung mit persönlicher Bedeutung erfasst, dass sich das Ich auf der psychisch-geistigen Ebene dermaßen stark mit den Inhalten der Erfahrung identifiziert, dass es jeden Bezug zu anderen Erfahrungen, Erinnerungen, Vorstellungen und jede Form des Umweltbezugs, zuweilen sogar unter Einschluss des eigenen Körpers, völlig aufgibt, wie Teresa von Ávila eindrucksvoll dokumentiert.
„Die Erhebung oder Vereinigung des Geistes wird durch die himmlische Liebe, von der die Seele innerlich durchglüht ist, bewirkt;... und es wird der Seele beim Geistesfluge eine vollkommenere Losschälung von den Geschöpfen zuteil, als dies bei der einfachen Vereinigung der Fall ist.“ 49
„Während also die Seele in besagter Weise Gott sucht, fühlt sie, wie sie in übergroßer, süßer Wonne fast ganz dahinschmachtet und in eine Art Ohnmacht versinkt. Der Atem stockt, und alle Körperkräfte schwinden,…“50
„Es schwindet nämlich alle äußere Kraft, indes die Kräfte der Seele zunehmen, damit diese ihre innere Seligkeit um so besser genießen könne...
Indessen ist überhaupt zu bemerken, dass die Zeit, während der alle Vermögen der Seele zugleich aufgehoben sind, auch in ihrer längsten Dauer meines Erachtens nur sehr kurz ist. Hält es eine Stunde an, so ist dies schon sehr viel;…“51
„Mir selbst sind diese Erhebungen oft äußerst unlieb, so dass ich alle meine Kräfte aufbiete, um zu widerstehen, besonders wenn sie, wie das schon einigemal der Fall war, öffentlich geschehen, aber auch wenn ich allein bin, strenge ich mich oft an, aus Furcht, ich möchte getäuscht werden.“52
„Zu anderen Zeiten war es unmöglich; die Seele wurde mir erhoben, und fast immer folgte ihr, ohne dass ich es verhindern konnte, das Haupt, manchmal auch der ganze Körper nach, so dass dieser frei über der Erde schwebte. Letzteres indessen begegnete mir bisher nur selten.“53
„Da dieser Fall sich erst ereignete, seitdem ich Priorin bin, so befahl ich den Nonnen zu schweigen. Ein anderes Mal – es war am Feste unseres Kirchenpatrons unter der Predigt – widerfuhr mir in Gegenwart mehrerer vornehmer Damen das Nämliche. Hier warf ich mich, sobald ich gewahrte, dass der Herr mich erheben wolle, der Länge nach auf den Boden; aber desungeachtet und trotzdem die herbeigeilten Nonnen mich zu halten versuchten, wurde die Verzückung dennoch bemerkt. So erging es mir noch bei mehreren anderen Gelegenheiten. Deshalb bat ich den Herrn recht inständig, er wolle mir doch ferner nicht Gnaden erteilen, die das Aufsehen anderer erregen; denn ich war es bereits müde, immer in so großer Sorge zu sein, und die göttliche Majestät konnte mir die Gnade der Verzückung ja auch erweisen, ohne dass es andere merkten. Nun scheint es dem Herrn in seiner Güte gefallen zu haben, mich zu erhören;…“54
„Die Kraft, die mich unter den Füßen emporhob, wenn ich widerstehen wollte, kam mir so gewaltig vor, dass ich sie mit nichts vergleichen kann.“55
„Diese Wirkungen sind außerordentlich. Fürs erste offenbart sich die große Macht des Herrn, und es zeigt sich, dass wir den Leib ebensowenig als die Seele zurückzuhalten imstande sind, wenn die göttliche Majestät auch ihn erheben will. Mag es uns auch nicht lieb sein, so erfahren wir es hier doch, dass wir nicht Herr über uns selbst sind, dass wir vielmehr einen Höheren über uns haben, von dem uns diese Gnaden gegebenen werden, indes wir aus uns selbst nichts vermögen. Dadurch aber prägt sich der Seele eine tiefe Demut ein. Ich bekenne auch, dass mich eine große Furcht ergriff, die anfangs außerordentlich war. Denn während man sieht, wie der Körper so über die Erde erhoben wird, verliert man – obschon der Geist, wenn man nicht widersteht, ihn mit Wonne nachzieht – doch die Empfindung noch nicht; wenigstens war ich so bei mir, dass ich die Erhebung gewahren konnte... Scheint es ja doch, Gott sei nicht zufrieden damit, die Seele in aller Wahrheit zu sich zu erheben, da er auch noch den sterblichen Leib, diese durch so viele Sünden verunreinigte Erde, haben will. Nebstdem bleibt eine ganz ungewöhnliche, nicht zu erklärende Losschälung von allen Dingen zurück; ja ich glaube sagen zur dürfen, dass diese Losschälung in gewisser Weise sich von jeder anderen unterscheidet, ich meine, dass sie vollkommener ist als jene, die die rein geistigen Gnaden in uns wirken. Durch diese ist die Seele zwar dem Geiste nach von den Dingen dieser Erde schon gänzlich losgeschält; durch die Verzückungen aber soll, wie es scheint, dem Willen des Herrn gemäß auch der Leib dasselbe ins Werk setzen. Man wird also den Dingen dieser Erde auf eine bisher ungewohnte Weise entfremdet, die das Leben noch weit unerträglicher macht als zuvor, und in der Folge eine Pein bewirkt, die wir selbst weder in uns hervorrufen, noch, wenn einmal davon ergriffen, wieder von uns entfernen können... Zuvor muss ich bemerken, dass mir diese Dinge erst jetzt und ganz zuletzt nach all den Visionen und Offenbarungen, die ich noch beschreiben werde, ... widerfahren sind.“56
„Der einzige Trost, den die Seele von da etwa noch erwarten könnte, wäre nur der Umgang und die Unterredung mit jemand, der die nämliche Pein gleichfalls schon erfahren hat; denn es scheint ihr, dass sonst niemand aus allen, denen sie klagen wollte, ihr glauben würde.
Auch das martert die Seele,... es ist, wie wenn einer, dem der Strick schon um den Hals gelegt und der nahe dem Ersticken ist, sich noch bemüht, Atem zu schöpfen. ... ja, ich glaube, sagen zu können, dass diese Todesgefahr so groß sei wie die anderen alle. Das natürliche Widerstreben, voneinander getrennt zu werden, das Leib und Seele empfinden, ist es darum, was Hilfe begehrt, um Atem zu holen.“57
„Solange die Verzückung währt, ist der Leib wie tot, so dass ihm gar oft jede Tätigkeit unmöglich ist; und wie ihn die Verzückung überfällt, sitzend, mit offenen oder geschlossenen Händen, so bleibt er in ihr beständig. Selten jedoch verliert man den Gebrauch der Sinne, wiewohl es bei mir schon einigemal, wenn auch selten und immer nur auf kurze Zeit, der Fall war, dass ich ihn gänzlich verlor; gewöhnlich sind sie nur verwirrt, und obschon man unfähig ist, nach außen etwas zu tun, so hört und vernimmt man doch wie von der Ferne.“58
„Im Zustande der Verzückung ist also die Fähigkeit des Leibes, aus sich selbst etwas zu tun, sehr gering; wenn aber die Seelenkräfte sich wieder vereinigen, geht dies um so leichter vor sich. Darum soll der, dem der Herr die Gnade der Verzückung erweist, sich nicht betrüben, wenn er sieht, dass sein Leib viele Stunden lang so gebunden ist, während Verstand und Gedächtnis dabei öfter zerstreut sind. Gewöhnlich besteht hier die Zerstreuung in nichts anderem, als dass die genannten Kräfte in das Lob Gottes versenkt sind, aber dass sie sich bemühen, das zu erfassen oder zu erkennen, was mit ihnen vorgegangen ist. Aber auch dazu sind sie nicht munter genug, sondern sie gleichen einem Menschen, der aus einem tiefen, traumvollen Schlafe noch nicht recht erwacht ist...
Wenn da jene, die solche Personen leiten, nicht selbst ein Gleiches erfahren haben, so werden sie, besonders wenn sie nicht gelehrt sind, vielleicht meinen, man müsste in der Verzückung wie tot sein.“59
„Trotz aller Bemühungen besitzt der Körper noch lange nach der Verzückung nicht soviel Kraft, um sich bewegen zu können, da alle Kraft die Seele an sich gezogen hat... Kommt die Seele wieder zu sich, so ist sie, wenn die Verzückung stark war, einen, zwei, auch wohl drei Tage lang wie verblüfft, da die Vermögen so von Staunen hingerissen sind, dass es den Anschein hat, die Seele sei nicht bei sich.
Hier ist es eine Pein, wieder zum Leben zurückkehren zu müssen.“60
„Sind die Verzückungen echt, so trägt sich dies alles in Wahrheit so zu; die Seele empfindet als dann die Wirkungen und den Gewinn, wovon ich gesprochen habe. Andernfalls würde ich sehr daran zweifeln, ob die Verzückungen von Gott sind;…“61
„Man erkennt es klar, dass hier der Geist seinen Flug nimmt, und sich über alles Erschaffene und vorab über sich selbst zu erheben; aber es ist ein sanfter Flug, ein wonnevoller Flug, ein Flug ohne Geräusch.“62
„Nur ganz kurze Zeit hatte ich so gebetet, als mich eine Geistesentzückung mit solcher Gewalt überkam, dass ich nicht widerstehen konnte. Es schien mir, ich sei in den Himmel entrückt; und die ersten Personen, die ich da erblickte, waren mein Vater und meine Mutter. Zugleich schaute ich in so kurzer Zeit, als jemand ein Ave Maria beten kann, so außerordentliche Dinge, das ich ganz außer mir war; denn allzu groß schien mir diese Gnade.“63
„Immer aber sah ich nur so viel, als der Herr mir zeigen wollte; denn es ist da in keiner Weise möglich, dass eine Seele mehr schaue, als ihr gezeigt wird.“64
„Einmal befand ich mich länger als eine Stunde in einem solchen Zustande des Schauens.“65
„Wenigstens halte ich dafür, dass einer die Türe zum Empfange dieser außerordentlichen Gnaden fest verschlossen hält, der nicht glaubt, dass Gott noch größere vollbringen kann, und nicht für wahr hält, dass er in seiner Güte seine Geschöpfe mit solchen Gunstbezeigungen begnadigt hat und auch jetzt noch begnadigt.“66
„Ihr wisst schon, dass die Seele, die Gott ganz zur Törin gemacht hat, um ihr die wahre Weisheit desto tiefer einzuprägen, während der Dauer dieses Zustandes weder sieht, noch hört, noch versteht. Dieser Zustand dauert jedoch nur kurze Zeit, und er kommt der Seele noch viel kürzer vor, als es wirklich sein mag. Aber Gott lässt sich im Innern der Seele in einer Weise nieder, dass sie, wenn sie wieder zu sich kommt, durchaus nicht zweifeln kann, sie sei in Gott und Gott in ihr gewesen.“67
„Wie hat denn die Seele wahrgenommen oder verstanden, dass sie in Gott und Gott in ihr war, wenn sie in diesem Zustand überhaupt weder sieht noch versteht? Ich antworte: Die Seele hat zwar diesen geheimnisvollen Vorgang nicht wahrgenommen, aber nachher hat sie dessen Wirklichkeit klar erkannt. Sie nahm dieses Geheimnis nicht in einer (geistigen) Schauung wahr, aber es bleibt ihr davon eine Gewissheit, die Gott allein geben kann.“68
„Ihr dürft euch aber keiner Täuschung hingeben und nicht meinen, diese Gewissheit beziehe sich auf etwas Körperliches, wie es der Fall ist bezüglich der unsichtbaren Gegenwart des Leibes unseres Herrn Jesu Christi im Allerheiligsten Sakramente; denn hier ist er nicht leiblich, sondern allein der Gottheit nach. Aber wie können wir eine solche Gewissheit über das haben, was wir nicht sehen? Das weiß ich nicht, das sind Gottes Werke; aber ich weiß, dass ich die Wahrheit sage...
Durch die Bemerkung, dass wir uns nicht aus uns selbst in diesen Zustand versetzen können, drängen sich meinem Geiste die Worte auf, die, wie ihr schon gehört habt, die Braut im Hohenliede spricht: ,Der König hat mich in seinen Weinkeller geführt‘ (Hld 1,3)...
Durch eigene Anstrengungen aber können wir in diesen Weinkeller nicht eintreten; die göttliche Majestät muss uns hineinbringen und selbst eintreten in unseren Seelengrund. Und damit der Herr seine Wunder um so deutlicher zeige, will er nicht, dass wir uns dabei in anderer Weise beteiligen als mit unserem Willen, der sich ihm ganz hingegeben hat. Auch lässt er nicht zu, dass ihm die Pforte zu unseren Seelenvermögen und Sinnen, die alle im Schlafzustand sich befinden, geöffnet werde. Nein, er will bei verschlossenen Türen in den Seelengrund eintreten,…“69
„Ihr werdet wohl der Meinung sein, es sei schon alles besprochen, was in dieser Wohnung zu schauen ist, und doch fehlt noch vieles; denn es gibt hier, wie ich schon erwähnt habe, ein Mehr und ein Weniger.“70
„Wie herrlich geht die Seele aus diesem Gebete hervor, bei dem sie für kurze Zeit – nach meinem Dafürhalten währt dies nie eine halbe Stunde – in die Größe Gottes versenkt und so innig mit ihm verbunden war! Ich rede die Wahrheit, wenn ich sage, dass die Seele sich selber nicht mehr kennt... Sie gewahrt in sich ein so mächtiges Verlangen, den Herrn zu preisen, dass sie dabei vergehen und tausendmal für ihn sterben möchte.“71
Die Schwäche, welche die Seele „früher bei Übung der Bußwerke zu fühlen glaubte, findet sie jetzt in Stärke verwandelt. Ihre Anhänglichkeit an Verwandte, Freunde und zeitliche Güter ist geschwunden... Alles Irdische ist ihr zum Überdruss, da sie aus Erfahrung weiß, dass ihr die Geschöpfe die wahre Ruhe nicht geben können.“72
„Ich will jedoch nicht sagen, dass jene die zum Gebete der Vereinigung gelangt sind, keinen Frieden genießen. Sie genießen ihn wirklich, und zwar einen sehr tiefen Frieden, denn die Leiden, die hier die Seele erduldet, sind so edlen Ursprungs und haben einen solchen Wert, das aus ihnen trotz ihrer Größe und Schwere der Friede und die Freude quillen.“73
„Weil sich die Seele schon den Händen Gottes übergeben, hat die große, in ihr brennende Liebe sie so sehr eingenommen, dass sie nichts anderes mehr weiß und will, als dass er mit ihr nach seinem Wohlgefallen verfüge;... Und so will er sie nicht anders aus dem Weinkeller hervorgehen lassen als bezeichnet mit seinem Siegel, das er ihr aufgedrückt hat, ohne dass sie wusste wie...
Hier seht ihr also, meine Schwestern, was unser Gott in diesem Gebete der Vereinigung vollbringt, damit die Seele sich fortan als sein Eigentum erkenne.“74
„Es versteht sich von selbst, dass hier die Seele bemüht sein muss, im Dienste unseres Herrn und in der Selbsterkenntnis stetig voranzuschreiten.“75
„Denn die wahre Vereinigung lässt sich mit der Hilfe des Herrn gar wohl von uns erringen, wenn wir ernstlich nach Vereinigung unseres Willens mit dem göttlichen streben, so dass wir nur den Willen Gottes im Auge haben.“76
„In dieser Hinsicht müsst ihr jedoch beachten, dass es verschiedene peinliche Gefühle gibt. Wie es bei manchen freudigen Erregungen der Fall ist, werden auch hier einige plötzlich von der Natur hervorgerufen, andere von der Liebe, die uns zum Mitleid mi dem Nächsten anregt, wie wir es bei unserem Herrn bei der Auferweckung des Lazarus sehen... Es ist also, um zu dieser Art von Vereinigung zu gelangen, die Aufhebung der Seelenkräfte nicht notwendig; denn der Herr ist mächtig genug, um den Seelen nicht nur auf dem zuerst besprochenen kurzen Pfade, sondern auch auf verschiedenen Wegen die Reichtümer seiner Gnaden zukommen zu lassen und sie in diese Wohnungen zu führen...
Dieses Ertöten, ich gestehe es, ist zwar viel mühevoller als jenes Sterben, aber es hat auch seinen besonderen Wert, und es wird darum euer Lohn um so größer sein, wenn ihr siegriech den Kampf besteht; ... Diese Vereinigung ist es, die ich mir mein ganzes Leben lang gewünscht habe;... Sie ist die reinste und sicherste Vereinigung.
Aber leider, wie wenige aus uns werden sie erreichen!“77
Allein wenn die Seelen
„auch nicht weiter als bis zur Pforte dieser Wohnung gelangen, so ist dies schon für sie eine große Erbarmung von seiten Gottes. Die Worte: ,Viele sind berufen, aber nur wenige auserwählt‘ (Mt 22,14), finde ich auch hier angewendet.“78


IV. ERHÖHTE ZUSTÄNDE

Die erhöhten Zustände umfassen alle Formen des Bewusstseins mit Aufhebung des Umweltbezugs aufgrund der völligen Dominanz des inneren Erlebnisses. Dabei wird das Ich, das in der Ekstase noch tragend ist, vom Selbst als integrales Empfinden wie in der Psychostase oder als geistiges Einheitserlebnis wie in der Pneumostase abgelöst.

1. Psychostase

Die Psychostase bezeichnet einen Bewusstseinszustand allgemeiner psychischer und geistiger Ruhe des Selbst mit emotionaler Dominanz, der auf somatischer Ebene als völlige körperliche Entspannung bis hin zur Biokömese, dem Körperschlaf, ja sogar bis zum Scheintod, der Biostase, führen kann.
Die Person erlebt eine ozeanische Entgrenzung, indem sie sich in eine kosmische Einheit oder in Gott versenkt und jegliche Kontrolle des Selbst aufhebt. Die Grenzen von Subjekt und Objekt, zwischen Ich und Umwelt lösen sich auf. So sagt Teresa von Ávila:
„Eine Art der Verzückung besteht darin, dass die Seele, und zwar auch dann, wenn sie nicht im Gebete sich befindet, von einem Worte Gottes, das sie vernimmt, oder an das sie sich erinnert, mächtig betroffen wird.“79
„Ich meine hier gewisse Ansprachen an die Seele, die sich auf mannigfache Weise vollziehen. Es scheinen nämlich einige dieser Ansprachen von außen, einige ganz aus dem Inneren der Seele und wieder andere aus deren oberen Teil zu kommen.“80
„Hier können zuweilen, ja oft, Täuschungen vorkommen, besonders bei Personen von schwacher Einbildungskraft oder von melancholischer Gemütsart,...
Das wirksamste Mittel wird sein, ihnen die Übung des innerlichen Gebetes zu verbieten und soviel als möglich dahin zu wirken, dass sie auf dergleichen Dinge nicht achten.“81
„Es können also, wie gesagt, alle Ansprachen von Gott sein, mögen sie aus dem Innersten der Seele oder von deren oberem Teile oder auch von außen kommen. Die sichersten Zeichen sind meines Erachtens folgende: Das erste und sicherste Zeichen ist die Macht und Herrschaft, die diese Ansprachen Gottes an sich tragen; denn da ist Sprechen und Wirken ein und dasselbe...
Das zweite Kennzeichen des göttlichen Ursprungs solcher Ansprachen ist eine in der Seele bleibende tiefe Ruhe; sie wird in eine andächtige und friedvolle Sammlung versetzt und zum Lobe Gottes angeregt...
Das dritte Zeichen endlich, woran man die von Gott kommenden Ansprachen erkennt, besteht darin, dass sie sehr lange dauern und manchmal gar nicht mehr dem Gedächtnisse entschwinden.“82
„Entspringen diese Ansprachen der Einbildungskraft, dann findet sich keines der genannten Zeichen vor, weder die Gewissheit, noch der Friede, noch die innere Freude. Nur das eine kann vorkommen, wie ich es schon an einigen Personen des öfteren wahrgenommen: Wenn sie in das Gebet der Ruhe sehr vertieft oder vom geistigen Schlaf ganz eingenommen sind, so befinden sie sich in dieser großen Sammlung wegen schwacher Körperbeschaffenheit oder schwacher Einbildungskraft oder aus einem anderen, mir unbekannten Grund in Wahrheit derart außer sich, dass sie äußerlich nichts mehr wahrnehmen und alle Sinne so eingeschlummert sind wie bei einem schlafenden Menschen. Vielleicht ist es auch so, dass sie wirklich eingeschlafen sind. Da erscheint es ihnen wie im Traumzustand, als redete jemand zu ihnen oder als sähen sie etwas, und halten das für eine göttliche Ansprache; allein dies sind nur Wirkungen eines Traumes.“83
„Auch noch auf andere Art spricht der Herr zur Seele, und ich halte das ganz sicher als von Gott kommend, ich meine mittels einer Verstandesschauung. Es vollzieht sich dieser Vorgang ganz im Innersten der Seele; diese glaubt, die Ansprache mit ihren geistigen Ohren vom Herrn selbst so deutlich und doch so geheim zu vernehmen , dass schon die Art und Weise dieses Vernehmens und der Eindruck, den die Schauung auf sie macht, sie versichert und ihr die Gewissheit gibt, der böse Feind könne hier nicht beteiligt sein...
Zweitens vernimmt man den Inhalt der göttlichen Ansprachen oftmals, ohne daran gedacht zu haben,…“84
„Drittens verhält es sich bei der Ansprache Gottes an die Seele ebenso, wie wenn jemand den Worten eines anderen nur zuhörte;...
Viertens sind die göttlichen Worte ganz verschieden von anderen Worten; ein einziges enthält viel mehr, als unser Verstand so schnell erfinden könnte...
Fünftens wird der Seele auf eine mir unerklärliche Weise zugleich in Verbindung mit dem was ihr Gott durch Worte zu verstehen gibt, in wortloser Form noch viel mehr geoffenbart, als Worte besagen.“85
In diesem Zusammenhang spricht Teresa auch von den bildhaften Schauungen.
„Mit diesen kann der Teufel, wie man sagt, leichter sein Spiel treiben als mit den besprochenen...; ausgenommen sind jene Schauungen, die der Herr in der letzten Wohnung zu kosten gibt; denn diesen kommen keine anderen gleich.“86
„Wenn ich jedoch hier von einem Bilde spreche, so darf man das nicht so verstehen, als sei es ein gemaltes: nein, es ist nach dem Dafürhalten dessen, der es schaut, ein wahrhaft lebendiges Bild, das bisweilen zur Seele spricht und ihr auch wohl große Geheimnisse offenbart...
Wahrlich, da ist es nicht nötig, zu fragen, wie die Seele, ohne dass es ihr gesagt wird, den Herrn erkennen kann; denn er gibt sich ihr deutlich als den Herrn des Himmels und der Erde zu erkennen.“87
„Ganz anders verhält es sich bei den Schauungen, von denen ich spreche. Diese stellen sich der Seele ganz unerwartet und, ohne dass sie daran gedacht hätte, schnell und auf einmal dar, indem sie alle ihr Vermögen und Sinne in große Furcht und Verwirrung setzen, um sie alsbald in einen seligen Frieden zu betten.“88
„Der Herr teilt sich der Seele durch die genannten Erscheinungen auf mannigfache Weise mit. Zuweilen tritt er vor sie hin, wenn sie in Betrübnis sich befindet; dann wieder, wenn ihr ein großes Leid bevorsteht,…“89
„Will der Herr in dieser Verzückung der Seele einige Geheimnisse, z.B. gewisse Dinge offenbaren oder sie mit bildhaftem Schauen begnadigen, so kann sie diese Vorgänge nachher erzählen; sie bleiben ihrem Gedächtnisse so tief eingeprägt, dass sie gar nie mehr daraus entschwinden.“90
„Wenn der Herr die Seele zur Verzückung erheben will, wird ihr der Atem derart entzogen, dass sie durchaus nicht mehr sprechen kann. Die übrigen Sinne bleiben manchmal noch kurze Zeit frei, manchmal aber werden sie plötzlich alle miteinander entrückt. Es erkalten die Hände und der ganze Leib, so dass es den Anschein hat, die Seele sei entwichen; manchmal merkt man es nicht einmal, ob der Leib noch atme. Dieser Zustand dauert in einem fort nur eine kurze Zeit. Sobald diese gewaltige Entrückung etwas nachlässt, scheint der Körper wieder einiges Leben zu gewinnen und atmet wieder auf, um aufs neue zu sterben und der Seele ein neues Aufleben zu verschaffen; so währt denn bei all dem diese so große Ekstase nie lange. Indessen kommt es doch vor, dass nach dieser Entrückung der Wille noch versenkt bleibt und der Verstand so verloren ist, dass er scheinbar nur auf das achten kann, was den Willen zur Liebe anzuregen vermag; denn davon ist er jetzt ganz eingenommen, während er sich den Geschöpfen gegenüber wie schlafend verhält und kein Verlangen hat, sich irgendwie damit zu beschäftigen.“91
„Wie beschämt ist aber die Seele, wenn sie wieder ganz zu sich gekommen, und welch inniges Verlangen beseelt sie, sich dem Dienste Gottes hinzugeben, mag er sich ihrer nun in dieser oder jener Weise bedienen!... Und so beklagen sich denn solche Seelen bei Seiner Majestät, wenn sich ihnen keine Gelegenheit zum Leiden darbietet.
Erweist ihnen Gott die Gnade der Verzückung im geheimen, so schätzen sie dies für ein großes Glück; geschieht es aber vor anderen Personen, dann fühlen sie sich sehr betroffen und beschämt.“92
„Ich erachte es nicht als schädlich, davon zu reden; denn es ist wichtig zu wissen, was wahre Verzückungen sind, um sie von Scheinverzückungen unterscheiden zu können... Da hier die Zeichen und Wirkungen den wahren Verzückungen, die eine große Gnade sind, nicht entsprechen, so kommen auch diese selbst in den Verdacht der Unechtheit.“93
„Eine andere Art der Verzückung nenne ich Geistesflug. Sie ist ihrem Wesen nach mit den vorigen zwar eins, aber in ihrem Innern wird sie in einer von dieser ganz verschiedenen Weise empfunden... Denn im ersten Augenblick dieser plötzlichen Erhebung ist man noch nicht so gewiss, ob sie von Gott ist.“94
„Zuweilen gefällt es dem Herrn, die Seele, während sie im Gebete und ganz bei Sinnen ist, plötzlich in eine Verzückung zu versetzen, in der er ihr große Geheimnisse enthüllt, die sie in Gott selbst zu sehen scheint.“95
„Eine andere, ebenso schnell vorübergehende und nicht zu erklärende Gnade erweist Gott der Seele dadurch, dass er ihr in sich selbst eine Wahrheit zeigt. Vergleicht man mit dieser Wahrheit alles Wahre, das sich in den Geschöpfen findet, so ist es Finsternis. Durch diese Wahrheit gibt ihr Gott klar zu erkennen, dass er allein die Wahrheit ist, die nicht lügen kann.“ 96
„Daraus entnahm jene Person, um wieviel heftiger die Schmerzen der Seele sind, als die des Leibes. Zugleich erkannte sie, dass die Peinen der Seelen im Fegfeuer von eben dieser Art seien; denn die Befreiung vom Leibe ist für sie kein Hindernis, weit größere Schmerzen zu leiden als alle jene, die hienieden noch im Leibe leben.“97
„Indessen ist überhaupt zu bemerken, dass die Zeit, während der alle Vermögen der Seele zugleich aufgehoben sind, auch in ihrer längsten Dauer meines Erachtens nur sehr kurz ist. Hält es eine halbe Stunde an, so ist dies schon sehr viel; bei mir hat es, wie mich dünkt, nie so lange gedauert.“98
„Ich könnte nur das eine noch beifügen: Die Seele nimmt wahr, dass sie mit Gott vereint ist; und davon bleibt ihr eine solche Gewissheit, dass sie von diesem Glauben durchaus nicht lassen kann. Hier schwinden alle Seelenkräfte und werden derart aufgehoben, dass man an ihnen, wie schon gesagt, durchaus keine Tätigkeit wahrnimmt.“99
„Bei der (einfachen) Vereinigung stehen wir immer noch auf unserem eigenen Boden... Dies ist bei der Verzückung nicht mehr der Fall, so dass wir also meistens gar keines Widerstandes fähig sind.“100
„Seine Majestät verlieh mir nämlich sehr häufig das Gebet der Ruhe und oftmals auch das der Vereinigung, das eine geraume Zeit anhielt.“101
„Was der Herr zu mir gesprochen, ging vollkommen in Erfüllung; denn seitdem kann ich keine besondere Freundschaft mehr unterhalten und Trost darin suchen, noch eine besondere Liebe gegen jemand hegen, außer wenn ich erkenne, dass die Personen Gott lieben und ihm zu dienen beflissen sind.“102
„Ich kommunizierte und blieb in der Messe, weiß aber nicht, wie ich ihr beiwohnen konnte. Ich glaubte, es wäre nur eine kurze Zeit verflossen; aber wie groß war meine Verwunderung, als ich die Uhr schlagen hörte und bemerkte, dass ich zwei Stunden lang in der Verzückung und Beseligung gewesen.“103
Die Geistesentrückung
„vollzieht sich in einer Weise, dass es wahrhaft den Anschein hat, der Geist scheide vom Leibe; und doch ist es andererseits gewiss, dass die Person nicht tot ist. Sie kann indessen, wenigstens für einige Augenblicke, selbst nicht sagen, ob die Seele im Leibe ist oder außer dem Leibe. Ist sie aber wieder zu sich gekommen, so meint sie, in einem ganz anderen Lande gewesen zu sein als da, wo wir leben. Das Licht, das sich ihr dort zeigte, ist von dem irdischen so verschieden, dass sie sich davon, wie von anderen Dingen, die sie geschaut, unmöglich eine Vorstellung machen könnte, wenn sie auch ihr ganzes Leben lang sich abmühen würde. Auch wird ihr bei dieser Entrückung in einem Augenblick vieles auf einmal gelehrt, von dem sie, selbst wenn sie viele Jahre lang mit ihrem Verstande und mit ihrer Einbildungskraft sich mühen wollte, auch nicht den tausendsten Teil zu erdenken vermöchte...
Zuweilen werden einer solchen Person zugleich mit den Dingen, die sie mit den Augen der Seele wahrnimmt, durch eine Verstandesschauung noch andere Dinge gezeigt, insbesondere eine Schar von Engeln mit ihrem Herrn... Ob die Seele während dieser Vorgänge im Leibe oder außer ihm ist, kann ich nicht sagen, wenigstens möchte ich nicht schwören, dass die Seele im Leibe, noch auch, das der Leib ohne die Seele sei.“104
„Wisset aber, dass dies die Wirkungen sind, die ohne allen Zweifel von diesen Entrückungen oder Ekstasen in der Seele bleiben; denn es sind nicht vorübergehende, sondern fortwährend andauernde Regungen, und wo immer eine Gelegenheit sich bietet, ihnen zu entsprechen, da zeigt es sich, dass sie keine Einbildungen sind.“105
„Dieses Verlangen wird manchmal so quälend, das ihr es nicht unterstützen dürft, sondern, wo möglich, euch davon abwenden müsst.“106
„Nebst den übrigen Gnaden, die die Seele peinlich und wonnevoll zugleich berühren, verleiht ihr der Herr zuweilen auch einen gewissen inneren Jubel und ein so seltsames Gebet, dass sie gar nicht verstehen kann, was es ist.“107
„Die Seele hat das Verlangen, sich ganz der Liebe hinzugeben, und möchte auf gar nichts anderes mehr achten; allein sie wird, wenn sie auch wollte, dies nicht vermögen. Ist auch der Wille nicht erstorben, so ist doch das Feuer, das ihn gewöhnlich entzündet, am Erlöschen und muss wieder angefacht werden, damit es aufs neue Wärme von sich ausströme.“108
„Zuweilen gefällt es dem Herrn, die Seele, während sie im Gebete und ganz bei Sinnen ist, plötzlich in eine Verzückung zu versetzen, in der er ihr große Geheimnisse enthüllt, die sie in Gott selbst zu sehen scheint...
Eine andere ebenso schnell vorübergehende und nicht zu erklärende Gnade erweist Gott der Seele dadurch, dass er ihr in sich selbst eine Wahrheit zeigt.“109
„Welch eine Herrschaft behauptet doch eine Seele, die der Herr zu dieser Höhe erhebt, von wo sie über alles herabschaut, ohne darein verwickelt zu sein!“110
„Ihr werdet schon oft gehört haben, dass sich Gott mit den Seelen geistigerweise verlobt... Das Körperliche steht da ganz ferne, und die geistigen Freuden, die hier der Herr gewährt, sind auf tausend Meilen von jenen Freuden verschieden, die irdische Verlobte genießen mögen...
Die Seele ist schon fest davon überzeugt, wie vorteilhaft die einzugehende Verbindung für sie ist;.... er kommt mit ihr zusammen und vereinigt sie mit sich.“111
„Hier ist die Seele schon verwundet von der Liebe zum Bräutigam; sie ist bemüht, noch mehr als sonst die Einsamkeit aufzusuchen und alles, was immer sie daran stören könnte, aus dem Weg zu räumen, soweit dies ihrem Stande entspricht. Jener Anblick der göttlichen Majestät, von dem ich sprach, bleibt der Seele so tief eingeprägt, dass ihr ganzes Verlangen dahin zielt, dies Glück aufs neue zu genießen. Ich habe schon bemerkt, dass man bei dieser Art des Gebetes nichts, auch nicht mittels der Einbildungskraft, in der Weise sieht, dass es ein Anschauen zu nennen wäre;...
Er will, dass sie noch inniger danach verlange und ihr dieses Gut, das alle Güter übersteigt, etwas koste...
Mein Gott, welch eine Unsumme von Leiden, innerer und äußerer Art, muss doch die Seele auf sich nehmen, bis sie in die siebente Wohnung eingeht!“112
„Kurz, es gibt in dieser Bedrängnis kein anderes Mittel als zu harren auf die Erbarmung des Herrn, der unerwartet in einem einzigen Worte oder durch irgendeinen herbeigeführten Zufall alles so plötzlich verscheucht, als wäre in der Seele keine trübe Wolke gewesen;...
Zum innerlichen Gebete aber ist sie in dieser Zeit gar nicht fähig, da sie dabei ihre Kräfte nicht gebrauchen kann; die Einsamkeit würde ihr eher schaden als nützen, obwohl auch das wieder eine Qual für sie ist, wenn jemand ihr Gesellschaft leistet und sie anspricht. So ist denn die Seele, wie sehr sie auch dagegen kämpft, so verdrießlich und übel gelaunt, dass man es an ihrem Äußeren gar wohl bemerkt... Ich weiß kein Mittel, um von diesen Leiden loszukommen; aber um sie wenigstens erträglich zu machen, ist es am besten, sich den Werken der Liebe und anderen Beschäftigungen hinzugeben sowie das Vertrauen auf die Barmherzigkeit Gottes zu bewahren, der jene nie verlässt, die auf ihn hoffen.“113
„Oft, wenn die Seele ganz achtlos ist und gar nicht an Gott denkt, wird sie von Seiner Majestät wie von einem schnell vorüberziehenden Sternenlichtglanz oder wie durch einen plötzlichen Donner geweckt. Sie hört zwar keinen Schall, aber sie erkennt gar wohl, dass Gott sie gerufen,... Sie fühlt sich auf das lieblichste verwundet, ohne jedoch zu wissen, wie und von wem sie diese Wunde empfangen;...
Diese Gnade bringt in der Seele eine solche Wirkung hervor, dass sie gleichsam vergeht vor Verlangen und doch nicht weiß, um was sie bitten soll, weil sie ganz klar erkennt, dass ihr Gott bei ihr ist...
…; hier aber bleiben alle Sinne und Kräfte von jeder Entrückung frei... Ebenso zeigt es sich ganz klar, dass diese Pein keine bloße Einbildung sein kann; denn wie sehr man sich sonst auch Mühe geben wollte, man könnte doch nie so etwas in sich zuwege bringen...
Der Herr pflegt noch auf eine andere Weise die Seele zu wecken. Unerwartet und ohne an etwas Innerliches zu denken, scheint die Seele zuweilen in wonnevoller Weise vor Liebe zu entbrennen, während sie nur mündlich betet.“114
„Zwar haben jene, die der Herr schon in die siebente Wohnung eingeführt, nur sehr selten oder fast nie mehr nötig, sich mit dem Verstande zu betätigen;... Aber dort wandeln die Seelen beständig mit Christus, unserem Herrn, auf eine wunderbare Weise, in der er, der Gottmensch, immer ihr Begleiter ist...
Dieses Gebet meine ich, wenn ich sage, dass jene Seelen die Gott schon zu übernatürlichen Dingen und zur vollkommenen Beschauung erhoben hat, recht haben mögen (mit ihrer Behauptung, es nicht üben zu können).“115
„… die genannten Schauungen bleiben dem Gedächtnis so tief eingeprägt, dass sie die Seele meines Erachtens nie wieder vergessen kann.“116
„Die Seele erkennt seine Anwesenheit deutlich aus der Art seiner Mitteilungen und Liebesbezeigungen, nämlich durch Erscheinungen und Schauungen. Diese sind so wunderbar, dass ihr euch leicht darüber entsetzen könntet, falls der Herr euch eine dieser Gnaden erweisen sollte und ihr noch nichts davon gehört hättet....
Während die Seele an den Empfang einer solchen Gnade gar nicht denkt und nicht einmal den Gedanken hegt, sie zu verdienen, kommt es vor, dass sie neben sich Jesus Christus, unseren Herrn, gewahrt, obschon sie ihn weder mit den Augen des Leibes noch mit den Augen der Seele sieht....
Manchmal ist es irgendein Heiliger, den die Seele in der genannten Weise wahrnimmt, und auch diese Schauung bringt ihr großen Gewinn. Da werdet ihr mich aber fragen: Wenn man hier nichts sieht, wie kann man dann erkennen, ob Christus oder seine glorreiche Mutter oder ein Heiliger an der Seite steht? Darauf antworte ich: Die Seele vermag dies nicht zu sagen und versteht es selbst nicht, wie sie es erkennt: sie kann nur sagen, dass sie es mit der größten Gewissheit weiß....
Gott wird es der Seele, die in der hier gesprochenen Weise den Wirkungen dieser göttlichen Gnaden gemäß wandelt, zum Nutzen gereichen lassen, wenn er zuweilen gestattet, dass der Teufel sich an sie heranwagt und dann mit Beschämung abziehen muss.“117

2. Pneumostase

Die Pneumostase ist der Bewusstseinszustand der geistigen Begegnung des Selbst mit dem Wesen der lebenden und unbelebten Dinge wie auch mit Gott. Diese Begegnung bedeutet für den Geist eine unbeschreibliche Erfüllung, die von der Überzeugung getragen wird, dass der Geist das Wesen der Welt selbst ergründe und erkenne. In diesem Zustand sieht man nicht, hört man nicht, versteht man nichts mehr, man kann für kurze Zeit sogar das Bewusstsein des eigenen Selbst verlieren. In solchen Momenten kann die Person die Trennung des Geistes von der Psyche erleben. Der Geist löst sich von den Zwängen der Wünsche und erfreut sich der Betrachtung des Pleroma, der Fülle, wobei er den Körper verlässt, der sich in einem Zustand des Scheintodes, der Biostase, befindet. Es handelt sich hier um jene geistige Erfahrung, in der sich dem Geist des Menschen die Unendlichkeit einer absoluten Seligkeit auftut, die in der unio mystica ihre höchste Vollendung findet.

Nach Eintritt in diesen Zustand des Glücks ist die Seligkeit sehr nahe. Dieses Glück besteht jedoch nicht in der Erfüllung unserer Wünsche, sondern in der Erfahrung der Gegenwart des Heiligen Geistes, den die Seele nunmehr in sich fühlt, wie die hl. Teresa von Ávila bei ihrer Beschreibung der siebten Wohnung sagt.
„Wenn unser Herr in seinem Mitleid über das, was die schon geistigerweise zur Braut erhobene Seele durch ihre Sehnsucht nach ihm bisher gelitten hat und noch leidet, sich ihrer erbarmen will, so führt er sie, bevor die mystische Vermählung vollzogen wird, in seine eigene, das ist in diese siebente Wohnung ein; denn wie er im Himmel eine Wohnung hat, so muss wohl auch in der Seele ein Stätte oder, sagen wir, ein anderer Himmel sein, wo er allein wohnt….
Denn die große Wonne, die die Seele dort empfindet, verursacht das Schauen der Gottesnähe; hat aber Seine Majestät sie mit sich vereinigt, so erkennt sie nichts mehr, weil alsdann alle ihre Vermögen sich verloren haben....
Während er sie durch die Verstandesschauung in diese Wohnung einführt, treten vor sie ganz wahrheitsgetreu die drei Personen der Allerheiligsten Dreifaltigkeit in einer Liebesentflammung, die sich zuerst wie eine Wolke von überaus großer Klarheit im Verein mit diesen drei verschiedenen Personen auf ihren Geist niederlässt. Durch eine ihr zuteil gewordene wunderbare Erkenntnis sieht die Seele alsdann mit großer Gewissheit, wie alle drei Personen nur e i n e Wesenheit, e i n e Macht, e i n Wissen und e i n Gott sind... Alle drei Personen teilen sich ihr hier mit, sprechen zu ihr und erschließen ihr das Verständnis des Evangeliums, die der Herr gesprochen: Er und der Vater und der Heilige Geist werden kommen und Wohnung nehmen in der Seele, die ihn liebt und seine Gebote hält.“118
„Allein dieses Mal war die Erscheinung von der früheren so verschieden, dass die Seele darüber erschrak und ganz verwirrt wurde; denn erstens vollzog sich diese Schauung in gewaltsamer Weise, zweitens erschreckten sie die Worte des Herrn, und dann hatte sie im Inneren der Seele, wo sich diese Erscheinung zeigte, außer der ebenerwähnten noch keine andere geschaut. Ihr müsst nämlich wissen, dass alle früher besprochenen Schauungen von denen in dieser Wohnung ganz verschieden sind und dass auch zwischen der geistigen Verlobung und der mystischen Vermählung ein ebenso großer Unterschied ist, wie zwischen zwei Verlobten und zwei Verehelichten, die sich nicht mehr voneinander trennen können.“119
„Die geistige Verlobung ist hiervon verschieden; denn da gibt es oft noch eine Trennung. Dasselbe ist auch bei der einfachen Vereinigung der Fall. Wenn auch Vereinigung die Zusammenfügung zweier Dinge ist, so können diese doch wieder getrennt werden, so dass jedes für sich allein bestehen bleibt... Bei jener Gnade des Herrn, von der in dieser Wohnung die Rede ist, ist dies nicht der Fall; da bleibt die Seele in jenem innersten Grunde immer bei ihrem Gott.“120
„Hier tut alles die göttliche Majestät; denn die Beschauung ist Gottes Werk, da sie unsere Natur übersteigt.“121
„Gott hat großes Wohlgefallen an einer Seele, die in Demut seinen Sohn zum Mittler nimmt und ihn so sehr liebt, dass sie sich auch dann, wenn Seine Majestät sie zu einer sehr hohen Beschauung erheben will, dessen für unwürdig erkennt und mit dem heiligen Petrus spricht: ,Herr, gehe weg von mir, denn ich bin ein sündhafter Mensch.‘ (Lk 5,8) ...
Wie kommt es, dass eine Seele, der der Herr so erhabene Gnaden wie die der vollkommenen Beschauung zu erweisen beginnt, nicht sogleich ganz vollkommen ist? Dies sollte man ja doch billigerweise erwarten.122
„Dies gilt noch weit mehr von der mystischen Vermählung; denn diese geheimnisvolle Vereinigung geht im innersten Seelengrunde vor sich, an dem Orte, wo Gott selber wohnen muss. Meines Erachtens hat er auch keine Tür nötig, um da einzugehen;… denn bei allem bisher Besprochenen scheint er sich der Sinne und Vermögen zu bedienen, und auch die erwähnte Erscheinung der Menschheit des Herrn muss sich wohl in dieser Weise zugetragen haben. Was aber durch die Vereinigung durch die mystische Ehe vor sich geht, ist ganz anderer Art. Hier zeigt sich der Heer im Seelengrunde nicht in einer bildhaften, sondern in einer Verstandesschauung, die noch zarter ist als die früher besprochenen, sowie er auch, ohne durch die Türe einzugehen, den Aposteln erschienen ist, als er zu ihnen sprach: ,Der Friede sei mit euch!‘ (Lk 24,36)...
Was Gott hier der Seele in einem Augenblick mitteilt, ist ein so großes Geheimnis, eine so hohe Gnade und erfüllt sie mit so außerordentlichen Wonne, dass ich es mit nichts anderem vergleichen kann als mit der himmlischen Glorie, die der Herr ihr für jenen Augenblick offenbaren will, und zwar auf eine so erhabene Weise, wie es bei keiner anderen Schauung oder geistigen Süßigkeit geschieht. Man kann darüber nicht mehr sagen, als dass nun die Seele oder vielmehr der Geist der Seele, soweit man es erkennen kann, eins mit Gott geworden ist; er, selbst ein Geist, wollte seine Liebe zu uns dadurch bekunden, dass er einigen Personen offenbarte, wie weit dieselbe gehe, damit wir die Größe seiner Erbarmung preisen. Denn er hat sich in einer Weise mit dem Geschöpfe verbinden wollen, dass er sich nicht mehr von ihm trennen will, sowie auch die Verehelichten untrennbar miteinander verbunden sind…
Diese erhabene Vermählung, die die Vereinigung der göttlichen Majestät mit der Seele voraussetzt, ist es vielleicht, auf die der heilige Paulus anspielt mit den Worten: ,Wer Gott sich nähert und sich mit ihm verbindet, wird e i n Geist mit ihm‘ (1 Kor 6,17). Und von sich spricht er: ,Christus ist für mich das Leben, und das Sterben ist mir Gewinn‘ (Phil. 1,21). So kann auch die Seele, wie mir scheint, hier sprechen;...
Ich weiß nicht, ob es eine größere Liebe geben kann als diese. Und davon ist niemand von uns allen ausgeschlossen; denn so sprach die göttliche Majestät: ,Nicht für sie allein bitte ich, sondern auch für alle jene, die an mich glauben werden‘ (Joh 17,20), und: ,Ich bin in ihnen‘ (Joh 17,23)...
Wenn der Herr die Seele in diese seine Wohnung, in den Seelengrund selbst, eingeführt hat, befindet sie sich in dieser Wohnung des Herrn wie im höchsten Himmel, von dem man sagt, dass er unbeweglich sei, während die anderen Himmelskörper sich bewegen. Es scheinen alsdann die Antriebe, die sie zuvor in den Vermögen und in der Einbildungskraft empfand, derart aufzuhören, dass sie ihr nicht mehr schaden oder ihren Frieden rauben können.
Es könnte den Anschein haben, als wollte ich damit sagen, die Seele, die dieses Gnadenerweises Gottes teilhaftig werde, sei ihres Heiles gewiss und könne fortan nicht mehr fallen. Aber so sage ich nicht; und so oft ich von einem Zustande rede,... ist dies immer nur bedingungsweise zu verstehen, d.h. nur solange, als der Herr sie an seiner Hand hält und sie ihn nicht beleidigt...
Wenn auch in den übrigen Wohnungen vielfache Ruhestörungen zutage treten, giftige Tiere sich einschleichen und lauter Lärm vernommen wird, so dringt doch nichts in jenen Grund, was die Seele daraus vertreiben könnte.“123
„Soweit ich es verstehen kann, sind die Wirkungen folgende:
Die erste Wirkung ist ein solches Selbstvergessen der Seele, dass, wie schon erwähnt, ihr Sein ein Ende genommen zu haben scheint, denn sie ist so völlig verändert, dass sie sich selbst nicht mehr kennt...
Die zweite Wirkung ist ein großes Verlangen nach Leiden; doch dieses Verlangen beunruhigt jene Seelen nicht in der Weise, wie es sonst der Fall war. Denn sie ersehnen in allem so sehr die Erfüllung des Willens Gottes, dass sie mit allem einverstanden sind, was immer seine Majestät tut.“124
„Diese Wohnung unterscheidet sich von den anderen dadurch, dass in ihr, wie gesagt, fast nie Geistesdürre oder Beunruhigungen auftreten, wie es in allen übrigen Wohnungen zu Zeiten der Fall ist; die Seele lebst also hier in einer fas beständigen Ruhe....
Es wundert mich wirklich, dass alle Verzückungen ein Ende nehmen, wenn die Seele zu dieser Stufe gelangt ist (dieses Aufhören der Verzückungen ist nur von dem Sichverlieren der Sinne zu verstehen). Kommen sie zuweilen auch noch vor, so sind es doch nicht jene Entrückungen und Geistesflüge...
Sobald nämlich der Herr die Seele in diese Wohnung versetzt und ihr zu zeigen beginnt, was sie da schauen darf, verliert sie diese große Schwäche, die ihr sehr peinlich war und sie nie verließ.“125
„Ihr dürft nicht glauben,... dass die hier beschriebenen Wirkungen immer in einem fort andauern;... Zu Zeiten belässt sie unser Herr wieder in ihrem natürlichen Wesen, und dann scheint all das giftige Ungeziefer des Vorhofes und der Wohnungen der Burg sich zusammenzurotten, um sich an ihnen zu rächen für die Zeit, in der es ihnen nicht beikommen konnte.
Dies dauert zwar nur kurze Zeit, höchstens einen Tag oder ein wenig darüber;...
Ich sage darum noch einmal: Damit das Gebäude des geistlichen Lebens dauerhaft sei, ist es nicht hinreichend, den Grund dazu bloß mit mündlichen Gebete und mit der Beschauung zu legen; denn wenn ihr nicht bemüht seid, Tugenden zu erwerben und zu üben, werdet ihr immer Zwerginnen bleiben. ...; denn ihr wisst schon, dass Nichtzunehmen gleich Abnehmen ist...
Freilich könnt ihr nicht aus eigenen Kräften, so groß diese euch auch scheinen mögen, in alle Wohnungen eintreten, sondern der Herr der Burg selbst muss euch einführen. Darum ermahne ich euch, nicht gewaltsam vordringen zu wollen, wenn ihr irgendeinen Widerstand findet;…“126
„Am Schlusse meiner Erklärung angekommen, bemerke ich, dass der Herr bei dieser Gebetsstufe der Zustimmung der Seele nicht bedarf.“127

GLÜCKSELIGKEIT

Dieses Innewohnen Gottes erhält seine letzte Vollendung erst nach dem Durchgang durch den Tod, sodass die Erfahrungen der Pneumostase an der Nahtstelle zur endgültigen Seligkeit den Wunsch nach einem Abschied von dieser Welt aufkommen lassen, wie dies der von Teresa von Ávila so geschätzte Johannes vom Kreuz treffend zum Ausdruck bringt:.
„Und weil nur so wenig fehlt und die Seele durch dieses Hindernis vom wirklichen Besitz der Seligkeit getrennt ist, so spricht sie in heftigem Sehnsuchtsdrang zur Flamme, d.h. zum Hl. Geiste, er möge doch ihr sterbliches Leben bei dieser süßen Begegnung beendigen und ihr wirklich einmal die volle und ganze Beseligung verleihen, die er ihr bei seiner Begegnung nur scheinbar gewähren und verleihen will.“128


V. HYPNISCHE ZUSTÄNDE

Die hypnischen Bewusstseinszustände sind im Gegensatz zu den Erhöhten Zuständen durch eine Bewusstseinseinengung und eine Bewusstseinssenkung gekennzeichnet, verbunden mit einer Modifizierung der somatischen Funktionen. Diesen Zuständen begegnen wir bei den von Teresa von Ávila oben angeführten Erfahrungen in Bewusstsein und Mystik auch als jeweils bedingte somatische Reaktionen in Form von Schlaf, Trance und Biokömese.

1. Schlaf

Der Schlaf ist ein Zustand herabgesetzter Bewusstseins- und Funktionsfähigkeit, hervorgerufen durch sensorische Hemmung aufgrund von Ermüdung zwecks körperlicher, psychischer und geistiger Regeneration. Er ist gekennzeichnet durch Periodizität, Verlust der Vigilanz, verschiedene Stadien der Gehirnaktivität und durch Träume. So sagt Teresa von Ávila:
„Entspringen diese Ansprachen der Einbildungskraft, dann findet sich keines der genannten Zeichen vor, weder die Gewissheit, noch der Friede, noch die innere Freude. Nur das eine kann vorkommen, wie ich es schon an einigen Personen des öfteren wahrgenommen: Wenn sie in das Gebet der Ruhe sehr vertieft oder vom geistigen Schlaf ganz eingenommen sind, so befinden sie sich in dieser großen Sammlung wegen schwacher Körperbeschaffenheit oder schwacher Einbildungskraft oder aus einem anderen, mir unbekannten Grund in Wahrheit derart außer sich, dass sie äußerlich nichts mehr wahrnehmen und alle Sinne so eingeschlummert sind wie bei einem schlafenden Menschen. Vielleicht ist es auch so, dass sie wirklich eingeschlafen sind. Da erscheint es ihnen wie im Traumzustand, als redete jemand zu ihnen oder als sähen sie etwas, und halten das für eine göttliche Ansprache; allein dies sind nur Wirkungen eines Traumes.“129

2. Trancezustände

Die Trance (transitus = Übergang) bezeichnet ganz allgemein den Zustand des Übergangs vom Protobewusstsein zur Hypnose und besteht in einer Bewusstseinsverengung durch Konzentration auf einen Erfahrungsbereich mit Abschwächung von Denken, Wollen, Wahrnehmen und Kontrolle der Körperhaltung. Sie kann durch monotone Rhythmen, physische Erschöpfung und Erwartungshaltung hervorgerufen werden, wobei im Gegensatz zum Schlaf das Bewusstsein durch die Konzentration auf einen Erfahrungsbereich und im Gegensatz zur Hypnose die Selbststeuerung nicht völlig aufgehoben werden. Trancezustände sind daher insbesondere die somatische Reaktion bei Bewusstseinsformen des Protobewusstseins. Dazu sagt Teresa von Ávila:
„Zur Zeit des Ruhegebetes hat nun die Seele nicht anders zu tun, als sich in stiller Hingabe und ohne Geräusch zu verhalten. Geräusch nenne ich hier, wenn man mit dem Verstande viele Erwägungen anstellt und nach vielen Worten sucht, um für diese Wohltat zu danken;…“130

3. Biokömese

Die Biokömese bezeichnet den natürlich oder künstlich hervorgerufenen Zustand des „verlangsamten“ Lebens des Organismus von völliger Entspannung bis zur Unbeweglichkeit. Der Begriff (bios = lebender Organismus, koimesis = Schlaf: Körperschlaf) wurde 1954 vom französischen Arzt Colonel Jaulmes zur Bezeichnung des Zustandes des „verlangsamten Lebens“ eingeführt, das vor allem im Winterschlaf der Tiere und bei künstlicher Abkühlung des Organismus, aber auch bei Reaktionsformen wie Ohnmacht, Totstellung, speziellen Atem- und Yogaübungen, Zuständen der Luzidität, Ekstase, Psychostase, Pneumostase und der Hypnose auftritt bzw. auftreten kann. Damit ist auch gesagt, dass es zwischen all diesen Zuständen einen Übergang zur Biokömese gibt und umgekehrt, je nachdem wo der Ausgangspunkt des veränderten Bewusstseinszustandes gelegen ist. So sagt Teresa von Ávila:

„Im Zustande der Verzückung ist also die Fähigkeit des Leibes, aus sich selbst etwas zu tun, sehr gering; wenn aber die Seelenkräfte sich wieder vereinigen, geht dies um so leichter vor sich. Darum soll der, dem der Herr die Gnade der Verzückung erweist, sich nicht betrüben, wenn er sieht, dass sein Leib viele Stunden lang so gebunden ist, während Verstand und Gedächtnis dabei öfter zerstreut sind. Gewöhnlich besteht hier die Zerstreuung in nichts anderem, als dass die genannten Kräfte in das Lob Gottes versenkt sind, oder dass sie sich bemühen, das zu erfassen oder zu erkennen, was mit ihnen vorgegangen ist. Aber auch dazu sind sie nicht munter genug, sondern sie gleichen einem Menschen, der aus einen tiefen, traumvollen Schlafe noch nicht recht erwacht ist.“131
„Trotz aller Bemühungen besitzt der Körper noch lange nach der Verzückung nicht soviel Kraft, um sich bewegen zu können, da alle Kraft die Seele an sich gezogen hat... Kommt die Seele wieder zu sich, so ist sie, wenn die Verzückung stark war, einen, zwei, auch wohl drei Tage lang wie verblüfft, da die Vermögen so von Staunen hingerissen sind, dass es den Anschein hat, die Seele sei nicht bei sich.
Hier ist es eine Pein, wieder zum Leben zurückkehren zu müssen.“132
„Wenn der Herr die Seele zur Verzückung erheben will, wird ihr der Atem derart entzogen, dass sie durchaus nicht mehr sprechen kann. Die übrigen Sinne bleiben manchmal noch kurze Zeit frei, manchmal aber werden sie plötzlich alle miteinander entrückt. Es erkalten die Hände und der ganze Leib, so dass es den Anschein hat, die Seele sei entwichen; manchmal merkt man es nicht einmal, ob der Leib noch atme. Dieser Zustand dauert in einem fort nur eine kurze Zeit. Sobald diese gewaltige Entrückung etwas nachlässt, scheint der Körper wieder einiges Leben zu gewinnen und atmet wieder auf, um aufs Neue zu sterben und der Seele ein neues Aufleben zu verschaffen; so währt denn bei all dem diese so große Ekstase nie lange. Indessen kommt es doch vor, dass nach dieser Entrückung der Wille noch versenkt bleibt und der Verstand so verloren ist, dass er scheinbar nur auf das achten kann, was den Willen zur Liebe anzuregen vermag; denn davon ist er jetzt ganz eingenommen, während er sich den Geschöpfen gegenüber wie schlafend verhält und kein Verlangen hat, sich irgendwie damit zu beschäftigen.“133

VI. LETHARGISCHE ZUSTÄNDE

Die lethargischen Zustände sind gekennzeichnet durch die Herabsetzung der Körperfunktionen bis zum Funktionsstillstand. Sie beinhalten zwei Zustände, Biostase und Thanatose, wobei Erstere reversibel, Letztere irreversibel ist.

1. Biostase

Die Biostase ist der Zustand des völligen Stillstandes der Lebensfunktionen ohne somatische Veränderungen. Dieser Stillstand bildet daher die theoretische Grenze der Verlangsamung der Biokömese, bei der die Körperfunktionen noch aufrechtbleiben. Der Zustand der Biostase muss daher vom funktionellen Tod unterschieden werden, weil die Empfänglichkeit für spontane oder provozierte Wiederbelebung erhalten bleibt. Daher kann die Biostase auch als „suspendiertes Leben“ oder als „Scheintod“ bezeichnet werden. Dazu Teresa von Ávila:

„Indessen ist überhaupt zu bemerken, dass die Zeit, während der alle Vermögen der Seele zugleich aufgehoben sind, auch in ihrer längsten Dauer meines Erachtens nur sehr kurz ist. Hält es eine halbe Stunde an, so ist dies schon sehr viel; bei mir hat es, wie mich dünkt, nie so lange gedauert.“134
„Ich könnte nur das eine noch beifügen: die Seele nimmt wahr, dass sie mit Gott vereint ist; und davon bleibt ihr eine solche Gewissheit, dass sie von diesem Glauben durchaus nicht lassen kann. Hier schwinden alle Seelenkräfte und werden derart aufgehoben, dass man an ihnen ... durchaus keine Tätigkeit wahrnimmt.“135

Die Geistesentzückung
„vollzieht sich in einer Weise, dass es wahrhaft den Anschein hat, der Geist scheide vom Leibe; und doch ist es andererseits gewiss, dass die Person nicht tot ist. Sie kann indessen, wenigstens für einige Augenblicke, selbst nicht sagen, ob die Seele im Leibe ist oder außer dem Leibe. Ist sie aber wieder zu sich gekommen, so meint sie, in einem ganz anderen Lande gewesen zu sein als da, wo wir leben. Das Licht, das sich ihr dort zeigte, ist von dem irdischen so verschieden, dass sie sich davon, wie von anderen Dingen, die sie geschaut, unmöglich eine Vorstellung machen könnte, wenn sie auch ihr ganzes Leben lang sich abmühen würde. Auch wird ihr bei dieser Entrückung in einem Augenblick vieles auf einmal gelehrt, von dem sie, selbst wenn sie viele Jahre lang mit ihrem Verstande und mit ihrer Einbildungskraft sich mühen wollte, auch nicht den tausendsten Teil zu erdenken vermöchte...
Zuweilen werden einer solchen Person zugleich mit den Dingen, die sie mit den Augen der Seele wahrnimmt, durch eine Verstandesschauung noch andere Dinge gezeigt, insbesondere eine Schar von Engeln mit ihrem Herrn...
Ob die Seele während dieser Vorgänge im Leibe oder außer ihm ist, kann ich nicht sagen; wenigstens möchte ich nicht schwören, dass die Seele im Leibe, noch auch, dass der Leib ohne die Seele sei.“136
„Solange die Verzückung währt, ist der Leib wie tot, so dass ihm gar oft jede Tätigkeit unmöglich ist; und wie ihn die Verzückung überfällt, sitzend, mit offenen oder geschlossenen Händen, so bleibt er in ihr beständig. Selten jedoch verliert man den Gebrauch der Sinne, wiewohl es bei mir schon einigemal, wenn auch selten und immer nur auf kurze Zeit, der Fall war, das ich ihn gänzlich verlor; gewöhnlich sind sie nur verwirrt, und obschon man unfähig ist, nach außen etwas zu tun, so hört und vernimmt man doch wie von der Ferne.“137

2. Thanatose

Die Thanatose ist der Zustand des suspendierten Todes oder des Scheinlebens, der Kampf des Soma gegen seine Vernichtung wie bei der Unverweslichkeit des Körpers. Von der Thanatose gibt es keine Rückkehr zum Leben, weshalb wir darüber auch keine Informationen persönlicher Erfahrungen haben. In diesem Zustand kann man nicht selten beobachten, dass nicht alle Teile des Körpers gleichzeitig absterben und dass zuweilen postmortal Automatismen weiterbestehen, als ob die Motorik, die nach der Geburt als Erste in Erscheinung tritt, auch als Letzte sterben würde.

Diese Form der Unverweslichkeit, der Thanatose, wurde nach dem Tod auch bei Teresa von Ávila festgestellt. Teresa starb, wie bereits eingangs gesagt, am 4.10.1582 während einer Visitationsreise im Karmelitinnenkloster von Alba de Tormes und wurde, dem damaligen Brauch entsprechend, bereits am nächsten Tag in dem in der Erde ausgehobenen tiefen Grab unter dem Chorgitter der Schwestern beigesetzt.

Am 1. Juli 1583 kam P. Hieronymus Gracián, der damalige Obere der Karmeliten, der ihr schon das Abfassen ihrer Lebenserinnerungen befohlen hatte, nach Alba, um das Grab zu besuchen. Als man ihm erzählte, dass seit Teresas Tod ein unerklärlicher Duft das Grab umgab, beschloss er die Ausgrabung ihres Körpers. Als man auf den Sarg stieß, war dieser zwar halb verfault und Teresas Kleider waren morsch und zerrissen, ihr Körper aber war völlig unversehrt. Das Fleisch war weich und biegsam und aus allen Gliedern floss tropfenweise ein wunderbares Öl. Man wusch den Leichnam und legte ihm frische Kleider an. Bevor man ihn wieder ins Grab legte, trennte P. Gracián die linke Hand der Toten ab, um sie nach Ávila zu bringen.
Im Jahre 1585 versammelte sich das Generalkapitel der Unbeschuhten Karmeliten und verordnete die Überführung des Leichnams nach Ávila. Am 24. November 1585 wurde das Grab abermals geöffnet und der Leichnam wiederum unversehrt vorgefunden. Auf Wunsch des Kapitels musste ein dazu bestimmter Pater den linken Arm vom Leichnam trennen, um ihn den Schwestern zur Verehrung in Alba zu lassen. Wohl in diesem Zusammenhang hatte eine Laienschwester den makabren Einfall, das Herz der Teresa aus der Brust des Leichnams zu schneiden, um es in ihrer Zelle zu verwahren. Der genaue Zeitpunkt steht allerdings nicht fest. Entweder geschah es in Alba oder in der ersten Zeit der Überführung nach Ávila.
Das Herz, das einst vom Pfeil eines Engels verwundet wurde, zeigt diese Verwundung äußerlich sichtbar. Man sieht heute noch eine horizontale Wunde, die sehr tief ist und an den Rändern Zeichen von Verbrennungen trägt, sagte doch Teresa, wie erwähnt, schon zu Lebzeiten:
„In den Händen des mir erschienenen Engels sah ich einen langen goldenen Wurfpfeil, und an der Spitze des Eisens schien mir ein wenig Feuer zu sein. Es kam mir vor, als durchbohre er mit dem Pfeile einigemal mein Herz bis aufs Innerste, und wenn er ihn wieder herauszog, war es mir, als zöge er diesen innersten Herzteil mit heraus. Als er mich verließ, war ich ganz entzündet von feuriger Liebe zu Gott.“138
Die geheime Überführung des Leichnams nach Ávila wurde jedoch publik und man erreichte durch den Einsatz der Herzogin von Papst Sixtus v. ein Breve, das den Unbeschuhten Karmeliten befahl, den Leichnam Teresas wieder nach Alba zurückzubringen. So fand eine neuerliche Überführung statt, diesmal nach Alba. 1594 wurde das Grab ein weiteres Mal geöffnet. Man fand den Körper immer noch unverwest und herrlich duftend.

ANMERKUNGEN

1 Dittrich, Adolf: Empirische Dimensionen veränderter Bewusstseinszustände, in: A. Resch: Veränderte Bewusstseinszustände (1990), S. 73 –116; Wolman, Benjamin B.: Protoconscious and Psychopathology, in: B. B. Wolman / M. Ullmann (Hg.): Handbook of States of Consciousness (1986), S. 311–331.
2 Teresa von Ávila: Die Seelenburg der heiligen Theresia von Jesu. Bd. 5 (21952), S. 56.
3 Teresa von Ávila: Das Leben der heiligen Theresia von Jesu. Bd. 1 (21952), S. 91.
4 Ebd., S. 94.
5 Ebd., S. 99.
6 Ebd., S. 107.
7 Ebd., S. 133.
8 Ebd., S. 143.
9 Ebd., S. 233.
10 Ebd., S. 239.
11 Ebd., S. 245.
12 Teresa von Ávila: Die Seelenburg der heiligen Theresia von Jesu. Bd. 5, S. 36.
13 Ebd., S. 38.
14 Ebd., S. 45.
15 Ebd., S. 51.
16 Teresa von Ávila: Das Leben der heiligen Theresia von Jesu. Bd. 1, S. 64.
17 Ebd., S. 66.
18 Ebd., S. 86.
19 Ebd., S. 109.
20 Ebd., S. 117–118.
21 Ebd., S. 126.
22 Teresa von Ávila: Die Seelenburg der heiligen Theresia von Jesu. Bd. 5, S. 22.
23 Teresa von Ávila: Weg der Vollkommenheit. Bd. 6 (1941), S. 131.
24 Teresa von Ávila: Das Leben der heiligen Theresia von Jesu. Bd. 1, S. 150 –151.
25 Ebd., S. 157.
26 Ebd., S. 162.
27 Ebd., S. 164.
28 Ebd., S. 164 –165.
29 Ebd., S. 250.
30 Ebd., S. 251.
31 Ebd., S. 251–252.
32 Ebd., S. 252.
33 Ebd.
34 Ebd., S. 253.
35 Ebd., S. 261.
36 Ebd., S. 273.
37 Ebd., S. 274.
38 Ebd., S. 280.
39 Ebd., S. 281.
40 Ebd., S. 288.
41 Ebd., S. 295.
42 Ebd., S. 299.
43 Ebd., S. 310.
44 Ebd., S. 331.
45 Ebd., S. 374.
46 Ebd., S. 392.
47 Teresa von Ávila: Die Seelenburg der heiligen Theresia von Jesu. Bd. 5, S. 61.
48 Ebd., S. 64.
49 Teresa von Ávila: Das Leben der heiligen Theresia von Jesu. Bd. 1, S. 164 –165.
50 Ebd., S. 166.
51 Ebd., S. 167.
52 Ebd., S. 181.
53 Ebd., S. 182.
54 Ebd., S. 182–183.
55 Ebd., S. 183.
56 Ebd., S. 183 –184.
57 Ebd., S. 187–188.
58 Ebd., S. 189 –190.
59 Ebd., S. 191.
60 Ebd., S. 192.
61 Ebd., S. 193.
62 Ebd., S. 194.
63 Ebd., S. 381–382.
64 Ebd., S. 382.
65 Ebd., S. 383.
66 Teresa von Ávila: Die Seelenburg der heiligen Theresia von Jesu. Bd. 5, S. 90.
67 Ebd., S. 90 – 91.
68 Ebd., S. 91.
69 Ebd., S. 92– 94.
70 Ebd., S. 94.
71 Ebd., S. 97– 98.
72 Ebd., S. 98 – 99.
73 Ebd., S. 99.
74 Ebd., S. 101.
75 Ebd., S. 103.
76 Ebd., S. 104.
77 Ebd., S. 105.
78 Ebd., S. 85.
79 Teresa von Ávila: Die Seelenburg der heiligen Theresia von Jesu. Bd. 5, S. 141.
80 Ebd., S. 130.
81 Ebd., S. 131.
82 Ebd., S. 132–133.
83 Ebd., S. 136.
84 Ebd., S. 137.
85 Ebd., S. 138.
86 Teresa von Ávila: Die Seelenburg der heiligen Theresia von Jesu. Bd. 5, S. 179 –180.
87 Ebd., S. 181.
88 Ebd., S. 183.
89 Ebd., S. 188.
90 Ebd., S. 142–143.
91 Ebd., S. 147–148.
92 Ebd., S. 148.
93 Ebd., S. 149.
94 Ebd., S. 150.
95 Ebd., S. 189.
96 Ebd., S. 190.
97 Ebd., S. 193.
98 Teresa von Ávila: Das Leben der heiligen Theresia von Jesu. Bd. 1, S. 167.
99 Ebd., S. 168.
100 Ebd., S. 181.
101 Ebd., S. 216.
102 Ebd., S. 231.
103 Ebd., S. 409.
104 Teresa von Ávila: Die Seelenburg der heiligen Theresia von Jesu. Bd. 5, S. 153 –154.
105 Ebd., S. 158.
106 Ebd., S. 159.
107 Ebd., S. 161.
108 Ebd., S. 167.
109 Ebd., S. 189 –190.
110 Teresa von Ávila: Das Leben der heiligen Theresia von Jesu. Bd. 1, S. 194.
111 Teresa von Ávila: Die Seelenburg der heiligen Theresia von Jesu. Bd. 5, S. 110 –111.
112 Ebd., S. 117.
113 Ebd., S. 123 –124.
114 Ebd., S. 126 –130.
115 Ebd., S. 168 –169.
116 Ebd., S. 155.
117 Ebd., S. 173 –178.
118 Teresa von Ávila: Die Seelenburg der heiligen Theresia von Jesu. Bd. 5, S. 200 –203.
119 Ebd., S. 207.
120 Ebd., S. 209.
121 Teresa von Ávila: Weg der Vollkommenheit. Bd. 6, S. 131.
122 Teresa von Ávila: Das Leben der heiligen Theresia von Jesu. Bd. 1, S. 211–213.
123 Teresa von Ávila: Die Seelenburg der heiligen Theresia von Jesu. Bd. 5, S. 207–213.
24 Ebd., S. 214 –215.
125 Ebd., S. 218 –220.
126 Ebd., S. 221–231.
127 Teresa von Ávila: Das Leben der heiligen Theresia von Jesu. Bd. 1, S. 197.
128 Johannes vom Kreuz: Lebendige Liebesflamme. Bd. 3 (31952), S. 6 –7.
129 Teresa von Ávila: Die Seelenburg der heiligen Theresia von Jesu. Bd. 5, S. 136.
130 Teresa von Ávila: Das Leben der heiligen Theresia von Jesu. Bd. 1, S. 143.
131 Ebd., S. 191.
132 Ebd., S. 192.
133 Teresa von Ávila: Die Seelenburg der heiligen Theresia von Jesu. Bd. 5, S. 147–148.
134 Teresa von Ávila: Das Leben der heiligen Theresia von Jesu. Bd. 1, S. 167.
135 Ebd., S. 168.
136 Teresa von Ávila: Die Seelenburg der heiligen Theresia von Jesu. Bd. 5, S. 153 –154.
137 Teresa von Ávila: Das Leben der heiligen Theresia von Jesu. Bd. 1, S. 189 –190.
138 Teresa von Ávila: Das Leben der heiligen Theresia von Jesu. Bd. 1, S. 281.

L i t e r a t u r

Dittrich, Adolf: Empirische Dimensionen veränderter Bewusstseinszustände. Zwischen Himmel, Hölle und Visionen, in: A. Resch: Veränderte Bewusstseinszustände. Träume, Trance, Ekstase. Innsbruck: Resch, 1990 (Imago Mundi; 12), S. 73 –116.
Lebendige Liebesflamme. Dritter Band der sämtlichen Werke von Johannes vom Kreuz. München: Kösel, 31952.
Resch, Andreas: Veränderte Bewusstseinszustände. Träume, Trance, Ekstase. Innsbruck: Resch, 1990 (Imago Mundi; 12).
Resch, Andreas: Bewusstseinsformen religiöser Erfahrung, in: A. Resch: Paranormologie und Religion. Innsbruck: Resch, 1997, S. 379 – 418.
Teresa von Ávila: Sämtliche Schriften, übersetzt und bearbeitet von P. Aloysius Alkhofer. München: Kösel, 1931ff.
Waach, Hildegard: Theresia von Avila. Leben und Werk. Wien: Herder, 1949.
Wolman, Benjamin B.: Protoconscious and Psychopathology, in: Benjamin B. Wolman / Montague Ullmann (Hg.): Handbook of States of Consciousness. New York: Van Nostrand Reinhold Company Inc., 1986, S. 311–331.