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A. Resch

Andreas Resch: Die Seher von Medjugorje im Griff der Wissenschaft

Andreas Resch: Die Seher von Medjugorje im Griff der Wissenschaft

ANDREAS RSCH

DIE SEHER VON MEDJUGORJE
IM GRIFF DER WISSENSCHAFT

EINLEITUNG

Inhalt

Seher
Untersuchung I
Untersuchung II
Untersuchung III
Programm
Arbeitsgruppe
Arbeitsmethoden
Termine
Marija Pavlovic-Lunetti
Diagnose
Instrumentelle Unters.
Hypnose
Ekstase
Nervensystem
Persönliche Anamnese
Schlussbmerkung

Seit dem 24. Juni 1981 erklären Vicka Ivankovic, Mirjana Dragicevic-Soldo, Marija Pavlovic-Lunetti, Ivan Dragicevic, Ivanka Ivankovic-Elez und Jakov Colo, in Medjugorje (Čitluk, Bosnien-Herzegowina) die Gottesmutter oder – wie mandort sagt – die „Gospa“, gesehen zu haben und zum Teil bis heute noch täglich bzw. jährlich zu sehen (Abb.1). Sie bekräftigten ihre Aussagen sogar unter Eid und werden seither „Seher von Medjugorje“ genannt.

Die Aussagen haben sie bislang nicht widerrufen und so ist Medjugorje inzwischen zu einem weltbekannten Wallfahrtsort geworden, obwohl die kirchliche Anerkennung noch aussteht und die Diskussion um die Echtheit der Phänomene daher weiter anhält.

Während die einen davon überzeugt sind, dass den sechs Sehern tatsächlich die Muttergottes erschienen ist, verweisen andere das Ganze in das Reich der Phantasie oder sprechen gar von einem planwirtschaftlichen Schachzug bzw. Betrug.

Jenseits dieser oft sehr emotionalen Urteile wurde aber vom Beginn der Ereignisse an versucht, das Phänomen Medjugorje durch verschiedene Formen der Beobachtung sowie durch medizinische, psychologische und soziologische Untersuchungen zu klären. Ohne den je eigenen Wert der vielen Einzelinitiativen in diesem Erklärungsbemühen schmälern zu wollen – vom wissenschaftlichen Standpunkt aus sind letztlich nur die psychophysiologischen Untersuchungen von Prof. Joyeux und seinem Team aus Montpellier von 1984 (Untersuchung I), die Untersuchungen des italienischen Ärzteteams von 1985 (Untersuchung II) und die von mir gemeinsam mit Dr. Giorgio Gagliardi geleitete Untersuchung von 1998 (Untersuchung III) von besonderer Bedeutung.

Vicka Mirjana Maria
Ivan Ivanka Jakov
Abb. 1: Die Seher von Medjugorje

Die Ergebnisse dieser umfangreichen Untersuchung von 1998 wurden im Jahr 2000 unter dem Titel I Veggenti di Medjugorje: Ricerca psicofisiologica 1998 veröffentlicht und von der Pfarre Medjugorje allen Kardinälen und Erzbischöfen der Welt sowie den Diözesanbischöfen Europas zugesandt. Ansonsten erreichte die Publikation aufgrund der umfangreichen technischen Daten einen nur begrenzten Leserkreis.

Es war daher angebracht, die Ergebnisse von Untersuchung III zusammen mit den Ergebnissen von Untersuchung I und II unter dem Titel Die Seher von Medjugorje im Griff der Wissenschaft in einer gerafften und allgemein verständlichen Form zugänglich zu machen, wobei neben den medizinischen und psychodiagnostischen Untersuchungen sowie dem experimentell nachgewiesenen Unterschied zwischen Hypnose und Ekstase besonders auf die inhaltlichen Aussagen der Seher in der persönlichen Anamnese eingegangen wird.

In den folgenden Darlegungen werden zunächst die Ergebnisse früherer Untersuchungen zusammengefasst. Aus der Untersuchung von 1998 werden dann lediglich die bei Marija gewonnenen Daten angeführt, weil sie den Verlauf dieser Untersuchung am besten dokumentieren. Die Beschreibungen zu den übrigen Sehern sowie die Anamnesen sind in der genannten Buchveröffentlichung nachzulesen, die zudem mit 56 Farbbildern ausgestattet ist.


I. FRÜHERE UNTERSUCHUNGEN

Der bereits in den ersten Tagen der „Erscheinungen von Medjugorje“ ab dem 24. Juni 1981 erfolgte Andrang von bis zu 15.000 Menschen rief notgedrungen nicht nur die Ordnungskräfte und die öffentlichen Behörden, sondern auch die Vertreter der Kirche auf den Plan. So wurden die „Seher von Medjugorje“ schon von Beginn der Erscheinungen an den verschiedensten Untersuchungen unterzogen.

Die ersten Untersuchungen führte die Polizei von Čitluk durch. Am Samstag, den 27. Juni 1981, wurde von dem Arzt Dr. Ante Vujevic an den Sehern eine erste medizinische Untersuchung vorgenommen, wobei er sie für körperlich und seelisch gesund erklärte. Er erinnert sich wie folgt:

„Ich hatte gerade Wochenenddienst, als jemand von der Gemeindeverwaltung kam und mir erzählte, dass sich bereits eine große Menschenansammlung gebildet hatte. Ich war völlig damit überfordert, dass ausgerechnet ich die Kinder untersuchen sollte. Ich wusste nicht einmal, was ich ihnen für Fragen stellen sollte. Ich habe ihnen dann einige allgemeine Fragen gestellt, um festzustellen, ob die Kinder noch normal sind. Aus diesen allgemeinen Gesprächen ließ sich entnehmen, dass ihr Raum- und Zeitgefühl völlig intakt war. Sie hatten weder Wahnvorstellungen noch Halluzinationen akustischer oder visueller Natur. Sie haben die Ereignisse beschrieben und ich habe sie gefragt, ob sie Drogen genommen hätten. Sie verneinten und waren absolut überzeugt von dem, was sie gesehen hatten.“ (Dokumentarfilm von Michael Mayer, I)

Am Montag, den 29. Juni 1981, erfolgte dann die zweite und letzte Untersuchung auf Anordnung der Polizei. Die Seher wurden in die neuropsychiatrische Abteilung des Krankenhauses S. Mujic in Mostar gebracht und dort von der Ärztin Dr. M. Dzudza untersucht. Auch sie erklärte die Jugendlichen für völlig gesund.

Ebenfalls 1981 wurde vom damaligen Bischof von Mostar, Pavao Zanic, durch die Ernennung einer Kommission eine offizielle Untersuchung eingeleitet, die sich aber nur mit psychologischen und psychiatrischen Fragen befasste, ohne eine eingehende wissenschaftsmethodische Untersuchung unter Einschluss instrumenteller Kontrollen vorzunehmen. Die gemachten Aussagen sind allgemeiner Natur, ohne spezielle wissenschaftliche Bedeutung.

Neben diesen offiziellen Untersuchungen erfolgten mehrere Kontrollen durch Einzelpersonen in Form von Beobachtungen und Befragungen. Hier wären zu nennen: die psychologische Untersuchung durch P. Slavko Barbaric 1982, die Untersuchung durch Dr. Ludvik Stopar von 1982 und 1983, die Beobachtungen und Messergebnisse von Dr. Mario Botta von 1984 und schließlich, neben den Beobachtungen weiterer Experten, der von Nikola Bulat, einem Mitglied der Bischöflichen Kommission, am 2. Juni 1984 durchgeführte Test, bei dem die Schmerzunempfindlichkeit durch Nadelstiche überprüft wurde.


1. Henri Joyeux und sein Team aus Montpellier, 1984

UNTERSUCHUNG I

Die erste systematische Untersuchung erfolgte durch ein Ärzteteam aus Montpellier in Frankreich, das sich folgendermaßen zusammensetzte:

Henry Joyeux
Abb. 2: Untersuchung I: Prof. Henry Joyeux mit Ivan

Dr. Henri Joyeux (Abb. 2), Leiter des Untersuchungsteams, Professor für Onkologie an der medizinischen Fakultät Montpellier und Direktor des Forschungslaboratoriums für Ernährung und experimentelle Onkologie.

Dr. Jacques Philippot, Facharzt für Augenheilkunde. Er führte die Untersuchungen der Augen- und Sehfunktionen der jungen Leute durch.

Dr. Francois Rouquerol , Facharzt für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde und Sachverständiger bei Gerichten, führte die Untersuchungen der Gehör- und Stimmfunktionen durch.

Dr. Bernard Hoarau, Facharzt für Innere Krankheiten, war für die allgemeinärztlich-klinische Untersuchung der Probanden zuständig.

Dr. Renaud Volpilière, leitender Arzt am Herzzentrum der Universität Montpellier und Konziliararzt an anderen Kliniken, war für die Ergebnisse der elektro-kardiographischen Aufzeichnungen und für die Blutdruckmessungen zuständig.

Dr. Jean Cadilhac, Professor für Neurologie, Neurophysiologie und experimentelle Medizin sowie Mitglied der „Jugoslawischen Neurophy-siologischen Gesellschaft“, wertete die neurologischen und neurophysiologischen Untersuchungen, z. B. EEGs, aus und begutachtete die ver-schiedenen Videoaufzeichnungen während der „Ekstasen in Medjugorje“.

René Dubois-Chabert war als Elektronikingenieur für die technischen Abläufe der medizinischen Untersuchungen verantwortlich.

Dr. Joyeux führte mit den Mitgliedern seines Teams bei vier Aufenthalten in Medjugorje (24.–25. März, 9.–10 Juni, 6.–7. Oktober, 28.–29. Dezember 1984) an fünf Sehern, nämlich Vicka, Marija, Ivan, Ivanka und Jakov – nicht anwesend war Mirjana – die im Folgenden angeführten Untersuchungen durch.

Beim ersten Aufenthalt, von 24.–25. März 1984, wurde an Vicka, Ivan, Marija und Jakov lediglich eine klinische Untersuchung vorgenommen.

Beim zweiten Aufenthalt, von 9.–10. Juni 1984, wurde an Ivan, Marija, Jakov und Ivanka eine klinische Untersuchung durchgeführt. Zudem wurden bei Ivan und Marija Elektroenzephalogramme aufgezeichnet und bei Ivanka Herzrhythmus und Blutdruck gemessen.

Das an Ivan durchgeführte EEG zeigte die Rhythmen der Hirntätigkeit an, und zwar auf 8 Diagrammen, denen 8 Elektroden entsprachen, die über 8 Punkte des Schädels verteilt wurden. Ivan unterzog sich diesem Test am 10. Juni 1984 vor, während und nach der Ekstase. Nach dem EEG befand sich Ivan im Rhythmus Alpha, im Rhythmus der Kontemplation, beim stillen Gebet. Das EEG schließt zudem Epilepsie und Halluzination im pathologischen Sinn aus.

Beim dritten Aufenthalt, am 6. und 7. Oktober 1984, wurden nach der klinischen Untersuchung von Vicka, Marija und Ivanka bei Marija ein Elektroenzephalogramm und bei Vicka ein Elektrokardiogramm mit Messung von Herzrhythmus und Blutdruck aufgezeichnet. Zudem wurden alle vor, während und nach der Ekstase einer ophthalmologischen Untersuchung unterzogen. Mit dem Elektrookulogramm wurde die Fähigkeit des Auges gemessen, sich vertikal und horizontal zu bewegen. Die Untersuchung des Augenhintergrundes diente dem Nachweis eines etwaig vorhandenen Hochdrucks innerhalb des Schädels, wie er beispielweise von einem Tumor verursacht wird. Anhand der Untersuchung der photomotorischen Reflexe wurde die Funktion der Pupille überprüft, die sich normalerweise im Dunkeln zusammenzieht und im Hellen bis zum Blinzeln erweitert. Dieser Reflex verschwand während der Ekstase und setzte am Ende der Ekstase unverzüglich wieder ein.

Zur Kontrolle wurde zudem vor, während und nach der Ekstase an beiden Tagen eine Videoaufzeichnung gemacht.

Beim vierten Aufenthalt, am 28. und 29. Dezember 1984, wurde nach der klinischen Untersuchung von Jakov, Marija, Ivan und Ivanka bei Ivan und Marija während der Ekstase simultan eine Aufzeichnung der Augenbewegungen durchgeführt, während bei Ivanka die Kehlkopfbewegung untersucht wurde. Bei Ivan kam noch die Aufzeichnung der evozierten auditiven Potentiale hinzu. Dabei wurden nach Dr. F. Rouquerol u. a. folgende Feststellungen gemacht:

Die Augenbewegungen hörten zu Beginn der Ekstase bei beiden Sehern gleichzeitig auf die Sekunde genau auf. Die Hörwege besaßen vor und während der Ekstase die normale Leitfähigkeit. Doch während Ivan vor der Ekstase auf 70 Dezibel reagierte, zeigte er in der Ekstase nicht einmal auf 90 Dezibel eine Reaktion. Die Kehlkopfbewegung hörte bei Ivanka bei Beginn der Ekstase mit dem Erlöschen der Stimme auf und setzte auch nicht ein, wenn sie mit der Erscheinung sprach.

Auch an diesen Tagen wurde vor, während und nach der Ekstase eine Videoaufzeichnung gemacht.

Durch die Untersuchungen sollte vor allem folgende Frage geklärt werden:

Zeigen die psychophysiologischen Funktionen der Seher während der Ekstase besondere Veränderungen oder ist lediglich Betrug am Werk?

H. Joyeux fasst die Ergebnisse seiner Untersuchungen in einer Videomitteilung wie folgt zusammen:

„Alle Ergebnisse sind sehr verblüffend und finden wissenschaftlich keine Erklärung. Außerdem ergibt eine durch längere Zeit hindurch mehrfach gemachte wissenschaftliche Untersuchung, dass alle fünf Seher vom wissenschaftlichen „Standpunkt“ her seelisch und geistig völlig normal einzustufen sind. Die klinischen und paraklinischen Untersuchungen erlauben festzustellen, dass es keine Epilepsie ist, was durch die Elektroenzephalogramme bestätigt wird. Es handelt sich auch nicht um einen Schlaf oder einen Traum, weil auch dies die medizinischen Messungen bestätigt hätten. Es handelt sich auch nicht um Halluzinationen, wie die Medizin nachweisen kann; ebenso ist keine Unregelmäßigkeit betreffend die Sinnesorgane Auge und Ohr festgestellt worden. Betreffend Halluzinationen ist auch noch zu bemerken, das auch die verschiedenen Spielarten von Halluzinationen im Wach- oder Schlafzustand usw. nicht in Frage kommen. Es handelt sich auch nicht um Hysterie in irgendeiner Spielart, da keinerlei Anzeichen dafür bei den Sehern festzustellen sind. Bei der Ekstase tritt die Augentätigkeit der Seher nahezu gleichzeitig auf. Der Unterschied beträgt nur eine Fünftel Sekunde. Die Untersuchungen lassen die Schlussfolgerung zu, dass die Seher mit einem Gegenüber Kontakt haben, das wir jedoch mit unseren Möglichkeiten nicht feststellen können.

Die Seher von Medjugorje sind keine Träumer und Fantasten, sondern realistisch in unsere Zeit und in unsere Welt integriert. Alles was wir an Fakten medizinisch exakt untersucht haben, kann in keinerlei Hinsicht auf parapsychologische Ursachen zurückgeführt werden. Ebenso ist die Ekstase in keinerlei Weise auf Krankheitsursachen zurückzuführen. “(Dokumentarfilm von Michael Mayer, I)


2. Dr. Luigi Frigerio und Dr. Giacomo Mattalia mit italienischem Ärzteteam, 1985

UNTERSUCHUNG II

Die Untersuchung II der Seher von Medjugorje wurde von italienischen Forschern 1985 und 1986 durchgeführt (Abb. 3). Während 1985 eine Gruppe von Ärzten eine Reihe psychophysiologischer Experimente machte, wurde 1986 von Technikern die Ionisation der Luft in Medjugorje geprüft.

a) Psychophysiologische Untersuchungen durch italienische Ärzte

Nach den Untersuchungen der französischen Gruppe und einigen medizinischen Kontrollen durch italienische Ärzte von 8.–10. März 1985 kam schließlich vom 7.–9. September 1985 eine italienische Gruppe nach Medjugorje, die sich aus folgenden Mitgliedern zusammensetzte:

Abb. 3: Die Forscher Frigerio, Mattalia, Gagliardi (von links)    mit den Sehern Marija und Jakov

Dr. Luigi Frigerio und Dr. Giacomo MattaliaKoordinationsärzte

Prof. Giuseppe Bigi, Physi

opathologe, Universität Mailand

Dr. Giorgio Gagliardi, Kardiologe und Psychologe

Dr. Paolo Maestri, Hals-Nasen-Ohrenarzt

Dr. Marco Margnelli, Neurophysiologe

Dr. Raffaele Pugliese, Chirurg

Prof. Maurizio Santini, Neuropsychopharmakologe, Universität Mailand.

Zudem stand für die technischen Belange der Elektronikingenieur Saverio Brigante mit einer Reihe von Geräten zur Messung und Aufzeichnung der verschiedenen physiologischen Reaktionen bereit, wie Schmerzempfindlichkeit, Augenreaktionen, Herzfrequenz, Atmung, elektrischer Hautwiderstand, Venenveränderungen, akustische, somatische und visuelle Reaktionen auf evozierte Reize usw. Eine Telekamera diente zur Messung der Pupillenreaktion.

Die beiden Koordinatoren der Untersuchung, die Ärzte Dr. Luigi Frigerio und Dr. Giacomo Mattalia fassen die Ergebnisse von 1985 unter Einschluss der Beobachtungen und Einzeluntersuchungen von 1983 in folgende Aussagen zusammen:

Während der Ekstase ist die Schmerzempfindung aufgehoben bzw.
die Schmerzschwelle um 700% erhöht. Außerhalb der Ekstase ist das Schmerzempfinden der Seher normal.

Betrug und Simulation sind ausgeschlossen.

Während der Ekstase ist ein mittlerer Anstieg folgender physiologischer Parameter festzustellen: Herzfrequenz, Blutdruck, Pupillenerweiterung.

Bei allen untersuchten Sehern konnte während der Ekstase eine diffuse Hypertonie des orthosympatischen Nervensystems festgestellt werden. Dabei ist festzuhalten, dass das neurovegetative Nervensystem sich dem Willen des Individuums entzieht.

Die elektrische Hautaktivität zeigt das Entschwinden der Sinneswahrnehmung der Seher im Augenblick der Erscheinung an. Das beweist das Vorhandensein dessen, was wörtlich mit Ekstase bezeichnet wird.

 Die Untersuchung der evozierten Seh- und Gehörpotentiale und die Stapediusreflexmessung zeigen eine Normalität der Hör- und Sehbahnen sowie des Stapediusreflexes vor, während und nach der Ekstase.

Die funktionale Integrität der Sinnesbahnen während der Ekstase widerspricht offensichtlich dem Zustand einer vollständigen Schmerzunempfindlichkeit verbunden mit einer völligen Aufhebung des Umweltkontaktes.

 Außerhalb des ekstatischen Zustandes erweisen sich die Jugendlichen psychophysisch als völlig normal. Der ekstatische Zustand der Seher von Medjugorje ist rein wissenschaftlich nicht zu erklären.

 Die Persönlichkeitsuntersuchungen zeigten keine pathologischen Züge.

Damit wurde der Nachweis erbracht, dass es sich beim Zustand der Ekstase um einen durchaus normalen Zustand handelte, der aber von hoher Emotionalität begleitet war.

b) Ionisation der Luft

Am 16. und 19. Juni 1986 untersuchten Emanuele Mor, Prof. für Elektrochemie an der Universität Mailand, und Paolo Ameglio, Prof. für Theorie und Technik der Nukleareaktoren der Universität Mailand, die Ionisation der Luft von Medjugorje, um die zuvor von Prof. Lipinsky aus Boston gemachten Untersuchungen zu überprüfen. Lipinsky hatte während der Erscheinungen in der Nähe der Seher und in der Kirche S. Jakob eine erhöhte atmosphärische Ionisation festgestellt.

Die beiden Professoren wurden dabei vom Vertreter der Firma des von Lipinsky verwendeten Elektroskops, C. Balbis, sowie von F. Scherrer, dem Inhaber des Electronics Researches Laboratory, Periso, Schweiz, und seinem Elektronik-Ingenieur L. Guerra begleitet. Ein weiterer Anlass für die Untersuchungen war die von Prof. Mor gemachte Beobachtung, dass eine große Zahl von Pilgern beim Aufenthalt in Medjugorje jenseits der spirituellen und psychischen Faktoren ein körperliches Wohlbefinden verspürt.

Die Untersuchungen, die am 17. und 18. Juni 1986 durchgeführt und deren Daten am genannten Electronics Researches Laboratory und am Polytechnikum von Zürich ausgearbeitet wurden, erbrachten folgende Ergebnisse:

Die erhöhten konstanten Werte der Ionenkonzentration von über 1.000 positiven Ionen/cm3 und über 700 negativen Ionen/cm3 im Erscheinungsraum sind logisch nicht erklärbar, sofern man nicht irgendeine natürliche oder künstliche Ionisation (Radioaktivität, ionisierende Strahlungen) annimmt, die allerdings nicht festgestellt und zudem durch Kontrolluntersuchungen ausgeschlossen wurde.

Normalerweise hätte die genannte Konzentration nach Ankunft von 25 Personen im Raum nicht konstant bleiben dürfen, sondern auf Minimalwerte absinken müssen. Woher kamen diese Ionen? Die Frage wurde offen gelassen.


II. PSYCHOPHYSIOLOGISCHE UNTERSUCHUNG, 1998

UNTERSUCHUNG III

Im Jahre 1998 beauftragte mich, wie erwähnt, nach eingehenden Vorgesprächen und entschiedenem Drängen von P. Slavko Barbaric die Pfarrei von Medjugorje unter Pfarrer P. Ivan Landeka mit einer neuerlichen Untersuchung der „Seher von Medjugorje“.

P. Slavko P. Ivan Landeka
P. Slavko Barbaric P. Ivan Landeka
Abb. 4: P. Slavko und P. Ivan 1998

Da eine solche nur mit einem interdisziplinären Team aus Medizinern, Psychologen und Theologen zu bewältigen ist, wandte ich mich nach reiflicher Überlegung an den mittlerweile leider verstorbenen Dr. Marco Margnelli, Direktor des Centro di Studi e Ricerche sulla Psicofisiologia degli stati di Coscienza in Mailand, und dessen Vizedirektor Dr. Giorgio Gagliardi. Die beiden Forscher haben mit ihrem Institut umfangreiche Untersuchungen zur Psychophysiologie der Bewusstseinszustände, vor allem auch im religiösen Kontext, durchgeführt. Als Mitglieder des italienischen Untersuchungsteams von 1985 konnten sie zudem noch die damals gemachten Erfahrungen in die neue Untersuchung einbauen. Außerdem waren mir die beiden durch ihre Mitarbeit bei Kongressen wohl bekannt. So waren wir uns auch über das weitere Vorgehen rasch einig. Margnelli übernahm die wissenschaftliche Beratung und Gagliardi die wissenschaftliche Koordination, während ich die Gesamtleitung innehatte.


A. UNTERSUCHUNGSPROGRAMM UND UNTERSUCHUNGSTERMINE

Wir entschieden uns für eine umfassende psychophysiologische Untersuchung und gaben dieser, in Beachtung der beiden bereits genannten Untersuchungen, die Bezeichnung Untersuchung III.

Die Pfarrei Medjugorje und die sie betreuenden Franziskaner erwarteten sich durch eine neuerliche und eingehende Untersuchung Antworten auf die immer noch anstehenden Fragen hinsichtlich der Ekstasen und Visionen der „Seher“ Marija Pavlovic-Lunetti, Ivan Dragicevic, Vicka Ivankovic, Mirjana Dragicevic-Soldo, Ivanka Ivankovic-Elez und Jakov Colo.


1. Untersuchungsprogramm

Zur Verwirklichung des Vorhabens war es notwendig, den schon 1984 und 1985 konstatierten medizinischen und psychischen Gesundheitszustand der Seher mittels umfangreicher Tests noch einmal genau zu überprüfen. Ferner sollten die Seher in Hypnose versetzt werden, um zu ergründen, ob die Erscheinungen und die Ekstase durch Suggestion von außen hervorgerufen werden können. Darüber hinaus wurde eine eingehende persönliche Anamnese angesetzt, um die Erinnerungen, Erlebnisse und Empfindungen der Seher bei den Ereignissen in den ersten 10 Tagen wachzurufen und die Erlebnistiefe, die Aussagenkonkordanz sowie die persönlichen Überzeugungen der Seher zu prüfen. Zusätzlich standen folgende Fragen zur Diskussion:

- Wurden die genannten Personen aus persönlichen Motiven in die Erwartung außergewöhnlicher Phänomene getrieben?

- Wurden die genannten Personen religiös-kulturellen Einflüssen ausgesetzt, die diese außergewöhnlichen Phänomene auslösten oder förderten?

- Unterstanden die genannten Personen einer geistigen Konditionierung, die zur Bildung der Gruppe der sogenannten „Seher“ führte?

l Wurden die genannten Personen von jemandem hörig gemacht oder manipuliert, der sie für seine Zwecke einer solchen suggestiven Erfahrung aussetzte, die dann zur Auslösung der kollektiven Ekstasen / Visionen führte?

- Hatten die genannten Personen tiefgreifende spontane Initialerfahrungen, wie die nicht induzierten modifizierten religiösen Bewusstseinszustände?

- lHaben die genannten Personen ihre Erlebnisse nach den anfänglichen Erfahrungen von Ekstasen / Visionen / Erscheinungen gleichsam zur Verteidigung ihrer ursprünglichen Aussagen lediglich durch Wiederholung der diesbezüglichen Verhaltensmuster aufrechterhalten?

2. Arbeitsgruppe

Zur bestmöglichen Durchführung der genannten Untersuchungen und zur Klärung der gestellten Fragen wurde folgende spezielle Arbeitsgruppe eingesetzt, die sich am 22. und 23. April 1998 im Casa Incontri Cristiani, Capiago bei Como, Italien, konstituierte:

Prof.  P.  Resch Dr. Gagliardi
 Prof. P. A. Resch  Dr. G. Gagliardi
Dr. M. Margnelli Dr. F. Alberghina
 Dr. M. Margnelli  Dr. F. Alberghina
Dr. M. Cigada Dr. G. LiRosi
 Dr. M. Cigada  Dr. G. Li Rosi
Dr. V. Nava Dr. L. Ravagnati
 Dr. V. Nava  Dr. L. Ravagnati
Dr. G. Rafaelli F. Gagliardi
 Dr. G. Raffaelli  F. Gagliardi
Abb. 5: Einige Mitglieder der Arbeitsgruppe

Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch, Theologe / Psychologe, Redemptorist, Direktor des Instituts für Grenzgebiete der Wissenschaft (IGW) in Innsbruck und Prof. für Klinische Psychologie und Paranormologie an der Accademia Alfonsiana, Päpstliche Lateranuniversität, Rom: Leiter der Untersuchung

Dr. Giorgio Gagliardi, Arzt, Psychophysiologe, Psychotherapeut, Vizedirektor des Centro di Studi e Ricerche sulla Psicofisiologia degli Stati di Coscienza in Mailand, Mitglied des Lehrkörpers der Europäischen Schule für Hypnose und Hypnotherapie in Mailand und Mitglied des Zentrums für Parapsychologie in Bologna: Wissenschaftlicher Koordinator

Dr. Marco Margnelli, Psycho- und Neurophysiologe, Direktor des Centro di Studi e Ricerche sulla Psicofisiologia degli stati di Coscienza in Mailand und Mitglied des Zentrums für Parapsychologie in Bologna: Wissenschaftlicher Fachberater

Dr. Fabio Alberghina, Arzt für Allgemeinmedizin in Valbrona, Como

Dr. Marianna Bolco, Ärztin für Psychiatrie und Psychoanalyse, Dozentin für Spezialisierung in Psychotherapie an der Universität von Bologna

Dr. Mario Cigada, Arzt, Psychotherapeut, Augenfacharzt und Mitglied des Lehrkörpers der Europäischen Schule für Hypnose und Hypnotherapie in Mailand

Dr. Rosanna Costantini, Psychologin, Dozentin an der Päpstlichen Fakultät für Erziehungswissenschaften „Auxilium“ in Rom

Dr. Giovanni Li Rosi, Frauenarzt am Spital von Varese und Experte in Hypnose

Dr. Daniela Lucini, MD, PhD, Zentrum für Neurovegetative Therapie, Universität Mailand

Dr. Virginio Nava, Psychiater, ehemaliger Primar der Psychiatrie von Como

Dr. Massimo Pagani, Prof. der Medizin und Direktor des Forschungszentrums für Neurovegetative Therapie, Universität Mailand

Dr. Gaetano Perricone, Internist am Spital der Barmherzigen Brüder von Erba (Como)

Dr. Luigi Ravagnati, Neurochirurg, ehemaliger Assistent für Neurochirurgie der Universität Mailand, Dozent an der Europäischen Schule für Hypnose und Hypnotherapie in Mailand

Dr. Gabriella Raffaelli, Sekretärin des Centro Studi e Ricerche sulla Psicofisiologia degli Stati di Coscienza in Mailand: Wissenschaftssekretärin der Gruppe

Fiorella Gagliardi, ehemalige Sekretärin des Centro Studi e Ricerche sulla Psicofisiologia degli Stati di Coscienza in Mailand und ehemalige Assistentin von Therapiegruppen: Assistentin der Gruppe.

3. Arbeitsmethoden

Die Untersuchungen wurden von den einzelnen Fachexperten auf der Basis des aktuellen psychophysiologischen und psychologischen Wissensstandes unter Anwendung der folgenden Methoden mit insgesamt 42 Tests durchgeführt:

Medizinische Anamnese: Li Rosi

Psychologische Tests: Bolco, Nava, Gagliardi, Raffaelli

- MMPI (Minnesota Multiphasic Personality Inventory) EPI (Eysenck-Persönlichkeits-Inventar)
- MHQ (Middlesex Hospital Questionary)
- Baumtest
- Persönlichkeitstest
- Progressiver Matrizen-Test von Raven
- Rorschachtest
- Hand-Test
- Lügentest von Valsecchi

Neurologische Untersuchung: Ravagnati

Psychophysiologische Untersuchung: Alberghina, Cigada, Gagliardi, Margnelli, Perricone

- Computerisierte Polygraphie (Elektrische Hautaktivität / Galvanische Haut-Reaktion-GSR), Plethysmographie und Herzfrequenz, kostale und diaphragmatische Pneumographie)

- während des Erscheinungserlebnisses
- während des Bewusstmachens der Erscheinungserfahrung durch Hypnose
- während der geführten Visualisierung.

- Holter-Monitoring des Blutdruckes

- Holter-Monitoring des EKG und des Respirogramms

- Pupillenreflex- (fotomotorisch) und Blinzelreflexkontrolle

Persönliche Anamnese: Resch

Video-Aufnahmen: Li Rosi, Raffaelli

Fotografie: Gagliardi Fiorella

4. Untersuchungstermine

Die konkrete Durchführung der Untersuchungen erfolgte aufgrund der unterschiedlichen Disponibilität der Seher in vier Etappen:

22./23. April1998: Untersuchung von Marija Pavlovic-Lunetti, Ivan Dragicevic und Vicka Ivankovic in Capiago Intimiano (Como), Italien

23./24. Juli 1998: Untersuchung von Mirjana Dragicevic-Soldo und Ivanka Ivankovic-Elez durch Prof. Resch, Dr. Gagliardi und Dr. Alberghina in Medjugorje, Bosnien-Herzogowina; mit Vicka Ivankovic wurde ein weiteres Gespräch geführt.

3. November 1998: Psychologische Anamnese mit Jakov Colo in Medjugorje im Auftrag der Gruppe durch die kanadische Psychologin Lori Bradvica in Zusammenarbeit mit P. Landeka

12. Dezember 1998: Neuerliche psychophysiologische Aufzeichnung der Ekstase von Marija Pavlovic-Lunetti durch Dr. Gagliardi und Prof. Resch in Capiago Intimiano

 

B. UNTERSUCHUNGEN AN MARIJA PAVLOVIC-LUNETTI

Capiago, 22. und 23. April 1998

Nach diesen einführenden Hinweisen können nun die 1998 durchgeführten Untersuchungen an Marija näher beschrieben werden. Die Beschreibung folgt dem Ablauf der Untersuchung und dem Ausmaß der an Marija gewonnenen Daten.

Neben einer kurzen biographischen Einführung und dem Hinweis auf die medizinischen, psychodiagnostischen und neurologischen Untersuchungen werden die Ergebnisse der psychophysiologischen Untersuchungen beschrieben. Hier geht es vor allem darum, die aus Hypnose und Ekstase gewonnenen Daten zur Abklärung der wiederholt geäußerten Ansicht, dass Ekstase eine Form der Hypnose sei und folglich durch Suggestion hervorgerufen werden könne, auszuwerten.

Um hier die Fülle des Untersuchungsmaterials, das bereits ausführlich vorgestellt wurde, nicht unnötig wiederzugeben, wird in dieser Zusammenfassung auf die Untersuchungen an Marija mit Hinweis auf Ivan eingegangen, weil die beiden auch täglich die Ekstase erlebten und gerade der Zusammenhang von Hypnose und Ekstase von grundsätzlicher Bedeutung für die Klärung der Eigenart der Ekstase ist.

Neben diesen psychologischen und psychophysiologischen Untersuchungen, die zur Absicherung der Echtheit des spontanen Phänomens der Ekstase dienen, aber nichts über den Inhalt der Erlebnisse der Seher aussagen, habe ich eine persönliche Anamnese derselben über den Zeitraum der ersten 10 gemeinsamen Ekstasen anberaumt und, außer bei Jakov, auch selbst durchgeführt, um einen persönlichen Einblick in die Erlebnis- und Gefühlswelt der Seher zur Zeit der ersten Erscheinungen und Visionen zu erhalten und für ein Gesamturteil gerüstet zu sein. Auf diese Gespräche kann hier, wie erwähnt, jedoch nicht eingegangen werden; sie finden sich aber in dem schon genannten Buch.

Die Seherin Marija Pavlovic-Lunetti wurde am 1. April 1965 als Tochter der Landwirte Filippo und Iva Pavlovic in Bijakovici, Pfarrei Medjugorje, geboren. Sie hat zwei Schwestern, Ruzica und Milka, sowie drei Brüder, Pero, Andrija und Ante, und ist die Cousine von Jakov. Nach der Pflichtschule machte sie die Friseurausbildung in Mostar. Am 8. September 1993 heiratete sie in Mailand Paolo Lunetti und zog nach Monza. Sie ist Mutter von vier Kindern. Durch sie wurden bis 1985 wöchentlich und werden seit dem 25. Januar 1987 jeweils am 25. des Monats Botschaften vermittelt.

Marija erlebt bis heute täglich die Ekstase und war daher für unsere Untersuchungen vor allem für den Vergleich von Hypnose und Ekstase von besonderer Bedeutung, weil man derartige Vergleiche nur anstellen kann, wenn man Ekstase und Hypnose derselben Person in derselben Untersuchung vergleichen kann.


1. Medizinische, psychodiagnostische und neurologische Untersuchungen

Grundvoraussetzung jedweder Untersuchung angeblicher Ekstasen, Erscheinungen und Visionen ist eine eingehende medizinische, psychodiagnostische und neurologische Begutachtung der betreffenden Person. Diese Untersuchungen wurden an Marija von den einzelnen Sachverständigen wie folgt durchgeführt:

Die medizinische Anamnese, also die Untersuchung des aktuellen Gesundheitszustandes, wurde von Giovanni Li Rosi übernommen.

Die neurologische Untersuchung erfolgte durch Luigi Ravagnati, der zudem noch das Verhalten von Marija und Ivan während der Ekstase begutachtete, wovon später die Rede sein wird.

Die psychodiagnostischen Untersuchungen teilten sich Marianna Bolco, Rosanna Costantini, Giorgio Gagliardi, Virginio Nava und Gabriella Raffaelli, wobei folgende Tests zum Einsatz kamen:

MMPI (Minnesota Multiphasic Personality Inventory): Messung der wesentlichen Persönlichkeitsbereiche, die für krankhafte oder in anderer Weise störende psychische Auffälligkeiten charakteristisch sind.

EPI (Eysenck-Persönlichkeits-Inventar): Messung von Extraversion / Intraversion und emotionaler Stabilität / Labilität.

MHQ (Middlesex Hospital Questionnaire): Multidimensionaler Gesundheitsfragebogen.

Baumtest: Baumzeichnen zur Darstellung des persönlichen „In-zu-der-Welt-Stehens“.

Persönlichkeitstest: Erfassung der Persönlichkeitsdimensionen, welche die Art und Weise des Vollzugs von Verhalten bestimmen, wie Stabilität, Labilität, Ich-Stärke, Dominanzstreben usw.

Progressiver Matrizen-Test von Raven: sprachfreies Erfassen des Intelligenzpotentials

Rorschachtest: Messung von Persönlichkeitsstruktur und -dynamik

Hand-Test: Erfassung der Aggressivität

Lügentest von Valsecchi

Die genannten Untersuchungen dienten vor allem der Feststellung, ob wir es bei der Seherin mit einer kranken, psychisch gestörten oder mit einer medizinisch gesunden und psychisch ausgeglichenen Person zu tun haben, um eine einwandfreie instrumentelle psychophysiologische Untersuchung von Hypnose, Ekstase / Erscheinung durchführen zu können.

Die psychodiagnostischen Verfahren sollten außerdem klären, inwieweit die Person zu Aggression, Fixierung, erhöhtem Geltungsdrang, Lügenhaftigkeit, Missionierungsdrang, Phantasieproduktion, Selbstdarstellung, Simulation, Situationsanpassung, Weltflucht usw. neigt.

Abb. 6: Marija Pavlovic-Lunetti bei Tests mit Dr. Gagliardi


Es versteht sich von selbst, dass über so persönliche Daten keine näheren Aussagen gemacht werden können, doch darf ich ganz allgemein vermerken, dass Marija in jeder Hinsicht eine gesunde, ausgeglichene und verantwortungsbewusste Person ist, ohne erhöhten Drang zur Selbstdarstellung. Sie hat vielmehr eine Vorliebe für Ruhe und Innerlichkeit und zeichnet sich durch ein besonderes Maß an Nächstenliebe aus, hat sie doch ihrem Bruder eine Niere gespendet. Damit waren bei ihr alle Voraussetzungen für eine verwertbare instrumentelle psychophysiologische Untersuchung gegeben.


2. Instrumentelle psychophysiologische Untersuchungen

Die instrumentellen psychophysiologischen Untersuchungen an Marija wurden von Alberghina, Cigada, Gagliardi, Margnelli, Perricone und Ravagnati durchgeführt und ausgewertet. Es standen dabei vor allem die Untersuchung von Hypnose, Ekstase / Erscheinung und die Prüfung der Beziehungen zwischen den beiden veränderten Bewusstseinszuständen im Mittelpunkt. Konkret ging es um die Bestätigung bzw. Widerlegung der Ansicht, dass Ekstasen / Erscheinungen durch Hypnose hervorgerufen werden können. Sollte es nämlich möglich sein, die Ekstase willkürlich durch Autosuggestion oder Fremdsuggestion zu evozieren, hätten die genannten Ekstasen / Erscheinungen rein subjektive Bedeutung.

Zudem wollten wir bei diesen Untersuchungen 17 Jahre nach der ersten Erscheinung auch in Erfahrung bringen, ob die Veränderungen, die sich bei den Untersuchungen von 1984 und 1985 während und nach der Ekstase zeigten, immer noch bestehen. Wir erstellten daher für die Zusammenkunft am 22. und 23. April 1998 in Capiago ein Untersuchungsprogramm, bei dem drei der Seher von Medjugorje, nämlich Marija, Ivan und Vicka einer Hypnose mit Registrierung der Reaktionen auf dem Polygraphen unterzogen werden sollten, um diese dann mit der Registrierung der Ekstasen zu vergleichen.

Beim Polygraphen handelt es sich, wie schon der Name sagt, um ein Mehrzweckinstrument: der erste Kanal misst die Brustatmung, der zweite die Zwerchfellatmung, der dritte die Hautelektrizität, der vierte die Herzfrequenz und der fünfte den Blutdruck. All diese Aufzeichnungen können direkt in den Computer eingespeist, am Monitor angezeigt, gespeichert und am Gerät selbst ausgedruckt werden.

Zur Beurteilung des Zusammenhangs zwischen Hypnose und Ekstase wurde vor allem die einmalige Gelegenheit der Hypnose und Ekstase von Marija und Ivan voll ausgeschöpft. Zu diesem Zweck legte Cigada Marija und Ivan, die noch täglich die Ekstase erleben, über einen Zeitraum von 24 Stunden das Langzeit-EKG oder Holter-EKG-Gerät zur Messung von Herzrhythmus und Atmung an, um in einer Spektralanalyse die verschiedenen Tätigkeiten des vegetativen Nervensystems bei Hypnose und Ekstase darzustellen, die Marija und Ivan im Verlauf dieser 24-stündigen Langzeitmessung zeigten.

a) Hypnose, 22. und 23. April 1998

Nachdem Marija die medizinischen, psychodiagnostischen und neurologischen Untersuchungen erfolgreich abgeschlossen hatte, versetzte sie Dr. Gagliardi am 22. und 23. April in Hypnose (Abb. 7)

Abb. 7: Marija in Hypnose bei Suggestion einer früheren Vision

Da sich die Ergebnisse der beiden Hypnosen im Wesentlichen decken, sei hier nur auf die Hypnose vom 23. April näher eingegangen, weil Marija an diesem Tag auch das Gerät zur Messung des 24-Stunden-EKG bzw. Holter-EKG an sich trug, wie später noch ausgeführt wird. In der Hypnose wurde Marija mit direkten Schlüsselwörtern aufgefordert, sich die letzte Erscheinung vorzustellen: „Jetzt erscheint die Madonna“, suggerierte ihr Gagliardi. „In Kürze wirst du die Gestalt sehen, die du schon oft gesehen hast.“ Der hypnotische Zustand dauerte 28 Minuten.

Abb. 8: Marija in Hypnose: Hinweis auf Ekstase

Die Aufzeichnungen des Polygraphen (Abb. 8) zeigen, dass Marijas Atmung in der Hypnose völlig normal ist. Die elektrische Hautaktivität ist sehr niedrig, nur bei den Schlüsselwörtern zur Emotionalisierung tritt eine phasische Reaktion auf (Pfeil). Die Herzfrequenz ist normal und die Ausdehnung der Kapillaren beachtlich, weil die Person sehr entspannt ist.

Als Gagliardi Marija dann die vollständige und genaue Vorstellung der Vision suggeriert (Abb. 9), erreicht die Hautelektrizität einen sehr geringen Wert mit phasischen Reaktionen auf die Schlüsselwörter (Pfeile). Herzfrequenz und Atmung bleiben dagegen gleich. Nur die Ausdehnung der Kapillaren ist geringer. Wie am Vortag hat auch diesmal die Suggestion der Ekstase / Erscheinung keine besondere Reaktion hervorgerufen.

Abb. 9: Marija in Hypnose mit Evokation der Ekstase

Ziel dieser Rückführung in Hypnose war es, wie schon erwähnt, zu klären, ob die mit der Ekstase verbundene Erscheinung durch Suggestion hervorgerufen werden kann und somit in den Bereich der Autosuggestion und Einbildung einzureihen ist. Damit könnte man die Seher als Simulanten bezeichnen.

Kann hingegen die Ekstase durch Hypnose nicht hervorgerufen werden, was bei Marija der Fall war, so kann auch die Erscheinung im Zustand der Ekstase weder als Selbsthypnose oder Autosuggestion noch als Einbildung bezeichnet werden.

b) Ekstase, 22.– 23. April und 12. Dezember 1998

Der Zustand der Ekstase bei Marija wurde am 22. und 23. April sowie am 12. Dezember 1998 ebenfalls mit dem Polygraphen aufgezeichnet, während die Augenbewegungen photomotorisch und die Schmerzempfindung planmäßig geprüft wurden.

Die Vorbereitung auf die Ekstase begann jeweils mit dem Rosenkranzgebet. Es wurden die Elektroden zur Messung von Atemfrequenz, elektrischer Hautreaktion, Herzfrequenz sowie Erweiterung und Verengung der Kapillaren angelegt. Die Pupillenreaktion wurde mittels einer Lampe geprüft.
Am 22. April 1998 hatte Marija die Ekstase im gleichen Raum wie Ivan. Nach Anschluss der Seher an die Aufzeichnungsgeräte begannen sie mit dem Rosenkranzgebet, wie dies bei den Ekstasen von Medjugorje üblich ist, wenn sie öffentlich stattfinden.

Abb.10: Pulskurve vor, während und nach der Ekstase

Die Aufzeichnung des Geschehens dauerte bei Marija 28 Minuten. Der Eintritt in die Ekstase erfolgte, wie üblich, plötzlich im Verlauf des gemeinsamen Gebets (Vaterunser) und synchron mit Ivan. Die Ekstase / Erscheinung begann bei der 23. Minute, mit dem Unterbrechen des Gebets, der Ausrichtung und Fixierung der Augen nach oben, der Unbeweglichkeit, verbunden mit einer lautlosen Zwiesprache, und dauerte bis zur 26. Minute, laut Aufzeichnung genau 90 Sekunden. Während des Rosenkranzgebets nahm die Größe des arteriellen Pulses (Abb. 10) zusehends ab und war 3 Minuten vor der Ekstase kaum noch wahrnehmbar, um 2 Minuten nach der Erscheinung wieder anzusteigen. Die Aufzeichnung der elektrischen Hautaktivität fiel aus.

Die Herzfrequenz (Abb. 11) stieg zu Beginn des Rosenkranzes auf 90–96 Schläge pro Minute und erreichte kurz vor der Ekstase / Erscheinung für die Dauer von 15 Sekunden 108 Schläge, um nach einem Absinken zu Beginn der Ekstase auf 110 anzusteigen und 10 Minuten nach der Ekstase auf 72–78 Schläge abzusinken. Die Augen zeigten während der Ekstase auch bei direkter Berührung der Pupille nur eine geringe Lidbewegung.

Abb. 11: 22. April 1998: Herzfrequenz vor und in der Ekstase

Die Aufzeichnung der Ekstase vom 23. April 1998 dauerte 37 Minuten und war bei Marija auch dadurch von besonderer Bedeutung, weil sie an diesem Tag bei Hypnose und Ekstase einer Langzeitmessung des EKG nach Holter unterstand. Die Ekstase / Erscheinung erfolgte zwischen der 32. und 34. Minute in der Dauer von 100 Sekunden (Abb. 12).

Abb. 12: 23. April 1998: Herzfrequenz vor und in der Ekstase

Marija hatte die Ekstase im gleichen Raum wie am Vortag, während Ivan sie in einem Nebenraum hatte. Der Beginn des Rosenkranzgebetes wurde bei Marija ca. 10 Minuten früher angesetzt. Am Ende des Rosenkranzes dauerte die Schweigeperiode vor der Ekstase / Erscheinung ca. 5 Minuten, also länger als am Vortag, und in einem bestimmten Augenblick fragte Marija P. Slavko, ob Ivan schon in Ekstase sei (30. Minute). Die Herzfrequenz stieg auf 100 Schläge, um bis zum Eintritt in die Ekstase auf 96 und während der Ekstase auf 82 zu sinken. Kurz nach der Ekstase stieg die Herzfrequenz wieder auf 96 Schläge pro Minute.

Wie schon am Vortrag reduzierte sich der gefäßerweiternde arterielle Tonus (Abb. 13) im Verlauf des Rosenkranzes, vor und während der Ekstase zu kaum sichtbaren Oszillationen, während der gefäßverengende arterielle Tonus wie am Vortag zunahm.

Abb. 13: Plethysmogramm vor, in und nach der Ekstase

Die spontane elektrische Hautaktivität (Abb. 14) blieb vor der Ekstase konstant bei 5 EDA (Elektrodermale Aktivität) pro Minute, stieg während der Ekstase auf 12 EDA / Minute und lag in den drei darauffolgenden Minuten bei 9 EDA / Minute.

Abb. 14: Spontane elektrische Hautaktivität vor, in und nach der Ekstase

Was hingegen die evozierte phasische elektrische Hautaktivität durch Berührungsreize betrifft, so wurden während der Aufzeichnung 10 Reizungen vorgenommen. Vor der Ekstase / Erscheinung hatte jeder Reiz starke Aktivitäten hervorgerufen (Abb. 15), welche die obere Grenze der Sensibilitätsskala des Instruments häufig überschritten. Während der Ekstase / Erscheinung riefen die Reize eine sehr geringe EDA hervor (ein Drittel bis zur Hälfte der Kontrollwerte). Diese niedrigen EDA-Werte bei direkter äußerer Reizung weisen auf einen partiellen Verlust des Umweltkontaktes hin.

Abb. 15: Evozierte Hautelektrizität vor und in der Ekstase

Auch der Verlauf der Atmung (Abb. 16) entsprach in etwa dem vom Vortag. Nach dem Ende des gemeinsamen Gebets, in der Zeit vor der Ekstase / Erscheinung, lag die Atemfrequenz bei 18–20 Zyklen pro Minute. Der Eintritt in die Ekstase war gekennzeichnet durch eine Apnoe (Atemstillstand) von 30 Sekunden. In der Ekstase lagen Ein- und Ausatmung bei einer Frequenz von 16–18 / min.

Abb. 16: Respirogramm vor und in der Ekstase

 

c) Das sympathische und parasympathische Nervensystem

Den letzten Beweis für den Unterschied zwischen Hypnose und Ekstase erbrachten schließlich die Untersuchungen Cigadas. Der bei der Ekstase festgestellte partielle bis gänzliche „Ausfall der Sinne“ und die Modifikation des vegetativen Nervensystems führten zu einer näheren Beobachtung beider Systeme.

Was die Sinne betrifft, so konzentrierten wir uns auf die beiden Hauptreflexe der Augen, nämlich den photomotorischen Reflex und den Blinzelreflex der Hornhaut.

Hinsichtlich der Aktivität des vegetativen Nervensystems wurden Marija (23. April) und Ivan (22. April) einer autonomen, nicht invasiven kardiovaskulären Prüfung unterzogen, wobei die Spektralanalyse der Serie der Intervalle von Herzschlag-Herzschlag des Elektrokardiogramms (Tachogramms) und des Respirogramms (Atmung) zum Einsatz kam. Die für eine solche Auswertung notwendigen Daten wurden auf folgende Weise gewonnen:

22/4/1998:

1. durch eine ganztägige dynamisch-graphische EKG-Messung nach Holter und Registrierung des Respirogramms an Ivan Dragicevic (also auch während der Ekstase);

2. durch die Bewertung der Augenreflexe bei Marija Pavlovic im Zustand der Ruhe und der Ekstase;

23/4/1998:

1. durch eine ganztägige graphisch-dynamische EKG-Messung nach Holter und Registrierung des Respirogramms an Marija Pavlovic. Da Marija im Verlauf des Tages auch einer Hypnose unterzogen wurde, um frühere analoge Erfahrungen der „Ekstase“ hervorzurufen, fand die autonome Messung sowohl während der eigentlichen „Ekstase“ als auch während der evozierten Ekstase in der Hypnose statt;

2. durch Bewertung der Augenreflexe von Marija Pavlovic während der „Ekstase“.

Die bei diesen Messungen an Ivan und Marija gewonnenen Ergebnisse weisen klare Unterschiede zwischen Hypnose und Ekstase aus:

Abb. 17: Tachogramm und Respirogramm während des Rosenkranzgebetes und der Ekstase von Ivan Dragicevic. Der Pfeil im Tachogramm weist nach dem Rosenkranzgebet beim Einstieg in die Ekstase eine brüske Änderung der Herzfrequenz auf, die von 103 Schlägen plötzlich auf 134-135 Schläge pro Minute ansteigt. Dabei ist zu beachten, dass auf der Ordinate die Distanz von einem Herzschlag zum nächsten aufgetragen ist, sodass eine Verschiebung der Graphik nach unten eine Steigerung der Herzfrequenz bedeutet.

 

In Abb. 17 ist der Unterschied zwischen Hypnose und Ekstase klar ersichtlich: Die Herzfrequenz von Ivan – und dasselbe gilt für Marija – ändert sich im Moment des Eintritts in die Ekstase ganz plötzlich (Pfeil). Die Darstellung hier ist in umgekehrter Form zu sehen. Die Herzfrequenz steigt sehr stark an und der Puls nimmt stark zu.

Bei der Atmung gibt es hingegen auf den ersten Blick keine großen Veränderungen. Betrachtet man die Aufzeichnungen jedoch näher, so zeigen sich interessante Einzelheiten.

Abb. 18: Tacho- und Respirogramm der Ekstase

Das Tachogramm von Marija im Zustand der Ekstase (Abb. 18a) – dasselbe gilt für Ivan – zeigt ganz links einen sehr starken Ausschlag. Das besagt, dass von den beiden Teilen des autonomen (vegetativen) Nervensystems das sympathische System aktiv ist.

Bekanntlich regelt das vegetative Nervensystem die inneren Abläufe im Körper, hält alle lebenswichtigen Organtätigkeiten aufrecht und passt den Körper an wechselnde Umweltbedingungen an. Es steuert Kreislauf, Atmung, Stoffwechsel, Ernährung, Eingeweide, Verdauung, Drüsentätigkeit, Temperatur, Ausscheidung, Aktivität, Schlaf, Wachstum, Reifung und Fortpflanzung. Dabei halten zwei Teile des Systems, die gegensätzliche Funktionen haben, durch ihr Zusammenspiel das vegetative Gleichgewicht des Körpers (Homöostase) aufrecht:

Das sympathische Nervensystem steht für Aktivität und Leistung, so auch für die Steigerung des Herzschlags.

Das parasympathische Nervensystem sorgt für Erholung, Entspannung und Energieaufbau, so auch für die Verlangsamung des Herzschlags.

In dem Moment, wo Marija in Hypnose versetzt und ihr suggeriert wird, sich eine frühere Ekstase einfach nur vorzustellen, hat sie an einer völlig anderen Stelle den größten Ausschlag (Abb. 19)

Abb. 19: Tacho- und Respirogramm in der Hypnose

Dies signalisiert einen radikalen Unterschied zwischen dem Zustand der Hypnose und jenem der Ekstase. Damit ist die Ansicht, dass die Ekstase eine Art hypnotischer Zustand sei und durch Auto- oder Fremdsuggestion hervorgerufen werden könne, endgültig widerlegt.

Bei Hypnose und Ekstase sind, wie erwähnt, zwei Systeme des vegetativen Nervensystems tätig, die sich gegenseitig ausschließen, nämlich das sympathische, das für Aktivität sorgt, und das parasympathische, welches für Ruhe sorgt. Das sympathische vegetative Nervensystem ist bei der Ekstase aktiv, das parasympathische Nervensystem bei der Hypnose.

Durch den Einsatz der Langzeit-EKG-Messung an Marija und Ivan, die innerhalb des jeweiligen Zeitraumes von 24 Stunden in Hypnose versetzt wurden und die Ekstase hatten, bot sich die einmalige Gelegenheit zur Erfassung von Daten, welche in einer Spektralanalyse den eindeutigen Unterschied zwischen Ekstase und Hypnose aufzeigen und damit das Hervorrufen der Ekstase durch Suggestion grundsätzlich ausschließen. Eine etwaige Simulation der Ekstase bei Marija und Ivan ist damit widerlegt.

Zu dieser Feststellung kam auch unser Neurologe Ravagnati, der neben den Messungen den Verlauf der Hypnosen und Ekstasen bei Marija und Ivan einer strengen Kontrolle und Analyse unterzog, um abzuklären, ob die beiden die Ekstase nur vortäuschen und bewusst die entsprechende Körperhaltung einnehmen, ob vielleicht epileptische Reaktionen wirksam werden oder ob hinter allem eine Steuerung des vegetativen Nervensystems zu beobachten ist:

„Zusammenfassend“, bemerkt Ravagnati, „kann ich meinen Eindruck zu den Ekstasen so beschreiben: Was mir bei der Beobachtung dieser Phänomene als unmittelbare Definition eingefallen ist, war jene des sogenannten Staring. Darunter versteht man den plötzlichen Verlust des Kontaktes zur Umgebung. Es findet eine Fixierung der Szene statt, wobei die Person mit offenen Augen ins Leere starrt, als ob sie von der Szene selbst betroffen wäre. Dieser Zustand dauerte ungefähr eine Minute. Ihm ging etwas voraus, das ich als Ritual bezeichnen möchte und das gesprochen wie gesungen ungefähr eine Viertelstunde dauerte. Es wurde der Rosenkranz gebetet und es wurden Lieder gesungen. Daraus ziehe ich letztendlich folgenden Schluss:

Ich schließe als Ursache dieser Begebenheiten eine Täuschung von Seiten der Versuchspersonen aus. Auch schließe ich aufgrund meiner Erfahrung aus, dass es sich um Episoden handelt, die aus epileptischen Krisen resultieren. Ebenso wenig liegt hier ein Umgebungsverlust vor, wie man ihn bei psychomotorisch-epileptischen Krisen und epileptischen Anfällen vorfindet.

Während dieser Episoden fand außerdem eine Modifikation der Bewusstseinszustände der betreffenden Personen statt. Die Seher standen mit ihrer Umgebung in keiner Weise in Verbindung. Sie waren abgelenkt wie von einer Gesichtshalluzination.“(Video-Aufzeichnung)

3. Persönliche Anamnese

So wichtig die angeführten psychologischen und psychophysiologischen Untersuchungen zur Abklärung der Echtheit der veränderten Bewusstseinszustände von Ekstase, Visionen und Erscheinungen gerade im Zusammenhang von Marienerscheinungen auch sind, so können sie doch über das Erlebnis der Seher und dessen Inhalt keine Aussagen machen. Es war daher für mich als Leiter der gesamten Untersuchung und aller Mitarbeiter von besonderer Wichtigkeit, auch die Frage nach dem Erlebten und dem Erlebnis des Erlebten aufzugreifen. Dies ist nur in einem persönlichen Gespräch mit den Sehern selbst möglich. Ein solches Gespräch ermöglicht nicht nur die Aufdeckung von Täuschung und Ehrlichkeit, Betroffenheit und Konfabulation, sondern vor allem auch das einfühlende Erfassen der Gestimmtheiten beim Erleben der Erscheinungen und der erlebten Inhalte.

Da in diesem Zusammenhang von behaupteten Marienerscheinungen nicht nur eine psychologische, sondern auch eine theologische Dimension hereinspielt, habe ich diese Gespräche als persönliche Anamnese selbst durchgeführt. Diese Anamnese in Form eines zentrierten Gesprächs wurde auf die ersten 10 Erscheinungstage in der Zeit von 24. Juni bis 3. Juli 1981 ausgerichtet, da sich starke außergewöhnliche und völlig unbekannte Erfahrungen, sogenannte Schlüsselerlebnisse, von Beginn an derart in das Gedächtnis einprägen, dass sie dort sowohl vom Inhalt als auch vom Gefühl her unauslöschliche Spuren hinterlassen. Zudem sollten durch diesen Dialog, der im freien Fluss, aber nach den Regeln psychologischer Gesprächsführung erfolgte, Entsprechungen und Widersprüche in den Aussagen der Seher aufgezeigt werden. Solche Widersprüche sind nämlich bei allgemeinen, vorgefertigten oder eingebildeten Erlebnissen eines Ereignisses bei 6 Personen schon nach kürzester Zeit und erst recht nach 17 Jahren eine Selbstverständlichkeit.

Um schon von vornherein jede Möglichkeit einer Ausdrucksbeschränkung der Seher auszuschließen, sprachen Marija wie auch die anderen Seher in ihrer Muttersprache, also kroatisch, wobei mir P. Landeka als überaus einfühlsamer Übersetzer zur Seite stand, da ich persönlich des Kroatischen nicht mächtig bin.

Bei einer solchen persönlichen Anamnese geht es in erster Linie darum, was die betreffende Person erlebt und gefühlt hat, und nicht so sehr um Antworten auf die gestellten Fragen. Diese müssen vielmehr aus den gemachten Mitteilungen erwachsen. Marijas diesbezügliche Offenheit hat das Gespräch wesentlich bereichert. Dieses wurde am 22. und 23 April 1998 in Capiago durchgeführt, durch Ton- und Videoaufzeichnungen abgesichert und ist in der schon genannten Veröffentlichung wiedergegeben.

Nun liegt es in der Natur der Sache, dass jede spontane Befragung, sowohl von Seiten des Fragenden als auch des Antwortenden Lücken aufweist, sodass beide Teile bei späterer Lektüre manches verbessern möchten. Insgesamt sind die Anamnesen aber ausreichend, um die nötigen Schlüsse hinsichtlich Simulation, Konfabulation, Inhaltskonsistenz, Widersprüchlichkeit, Schlüsselerlebnis und theologischer Entsprechung zu ziehen.

Sowohl während des Gesprächs selbst wie auch bei der folgenden Analyse desselben konnte ich mich von der Ehrlichkeit und Echtheit der Seher überzeugen, sodass ich Simulation, Konfabulation und Widersprüchlichkeit ausschließen kann. Auch hinsichtlich des Inhalts des Erlebten habe ich keine erwähnenswerte Inkonsistenz gefunden. Selbst die Aussagen zu Himmel, Hölle und Fegefeuer reihen sich nahtlos in die diesbezügliche Symbolsprache ein,

Schließlich sind noch die geoffenbarten Geheimnisse zu nennen. Bevor diese nicht gelüftet sind, ist hier jede Aussage verfrüht. Wie sehr in solchen Fällen die Deutungen ins Kraut schießen können, hat das lange verhüllte sogenannte dritte Geheimnis von Fatima gezeigt.

Für mich gilt auch in diesem Zusammenhang wie bei allen Grenzphänomenen der Spruch: lieber 10% weniger glauben als 1% zu viel.


III. SCHLUSSBMERKUNG

Bei aller gebotenen Skepsis zum „Phänomen Medjugorje" muss man beim Abwägen all des Gesagten schließlich zur Kenntnis nehmen, dass die Seher von Medjugorje mit Sicherheit ein Schlüsselerlebnis hatten, das für sie bis auf den heutigen Tag einen lebensentscheidenden Einbruch beinhaltet und das von ihnen als Erscheinung der „Gospa", der Mutter Gottes, bezeichnet wird.

Die Wissenschaft kann weder bestätigen noch verneinen, dass den Sehern die Mutter Gottes erschienen ist. Sie kann aber sagen, dass die Seher auch nach 17 Jahren physisch und psychisch gesund sind, dass sie ein tiefgreifendes Erlebnis hatten, welches bis heute nachwirkt und allein aus ihrer Lebensgeschichte nicht zu erklären ist. Die Inhalte ihrer Aussagen enthalten keine nennenswerten Widersprüche und sind auch theologisch nicht zu beanstanden. Für die Seher selbst sind die gemachten Erfahrungen ein heiliges Gut, zu dem sie nach wie unverbrüchlich stehen.

Nicht zuletzt sei auch noch darauf verwiesen, dass die angeführten Untersuchungen die umfassendsten sind, denen eine sogenannte Marienerscheinung je unterzogen wurde.

Das letzte Kriterium der Echtheit solcher Erscheinungserlebnisse liegt jedoch in der Aussage Jesu: „An den Früchten werdet ihr sie erkennen!"

Es ist zwar nicht Aufgabe dieser wissenschaftlichen Untersuchung, über diese Früchte zu befinden, doch erlaube ich mir aus eigener Erfahrung die Aussage, dass die Früchte religiöser und persönlicher Natur nicht zu übersehen sind.

 

Literatur

BOTTA, Mario / FRIGERIO, Luigi: Le apparizioni di Medjugorje. – Milano, 1984.
Die Seher von Medjugorje auf dem Prüfstand der Wissenschaft. Ein zweiteiliger Doku­mentarfilm von Michael Mayr. Vol. I. – FilmGruppe München, Mühldorfstr. 8, Tor B, Aufgang 4, D-81671 München.
Études medicales et scientifiques sur les apparitions de Medjugorje, hrsg. von H. Joyeux e R. Laurentin. – Paris: GEIL, 1985.
FRIGERIO, Luigi / MATTALIA, Giacomo/BiANCHI, Luigi: Dossier scientifico su Medjugorje. Presentazione di Flaminio Piccoli. – Milano: ARPA (Associazione Regina della Pace), Paina di Giussano, 21986.
LAURENTIN, René: Das Geschehen von Medjugorje: eine Untersuchung. Ins Dt. übertr. von Ilse Meister. – Graz: Styria, 1985.
LAURENTIN, René / JOYEUX, Henri: Medizinische Untersuchungen in Medjugorje. – Graz: Styria, 1986.
RESCH, Andreas / GAGLIARDI, Giorgio: I veggenti di Medjugorje. Ricerca psicofisiologici 1998. M. e. Vorw. v. Ivan Landeka. – Innsbruck: Resch, 2000.
RESCH, Andreas: Die Seher von Medjugorje im Griff der Wissenschaft. – Innsbruck: Resch. 2005 (Reihe R; 3)
Zbornil Krsni Zavicaj, Nr. 15.

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